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Miese Corona-Disziplin auf Baustellen

Die Gewerkschaft kritisiert mangelnde Hygiene-Maßnahmen - nicht erst seit Corona. Baufirmen in den Sächsischen Schweiz ist die Kritik zu pauschal.

Die Gewerkschaft Bauen - Agrar - Umwelt mahnt die Einhaltung von Hygienemaßnahmen an.
Die Gewerkschaft Bauen - Agrar - Umwelt mahnt die Einhaltung von Hygienemaßnahmen an. © dpa-Zentralbild

Die Corona-Disziplin auf dem Bau sinkt. Davon ist jedenfalls Jörg Borowski überzeugt, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). „Viele Baufirmen nehmen die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus auf die leichte Schulter. Das ist fatal“, erklärt er. Auf immer mehr Baustellen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge würde gegen Abstands- und Hygieneregeln verstoßen.

Das gelte nicht nur für die Hygiene, wenn es nicht mal Möglichkeiten gibt, sich mit fließendem Wasser die Hände zu waschen. Das prangert die IG Bau schon länger an. Auch Sammeltransporte in Kleinbussen zu den Baustellen stehen in der Kritik. "Das ist trotz Corona schon wieder genauso an der Tagesordnung wie Frühstücks- und Mittagspausen dicht an dicht im Bauwagen“, sagt Borowski. Wer in der Corona-Pandemie wie die Baubeschäftigten volle Leistung zeige, der habe auch vollen Gesundheitsschutz verdient.

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Kaum neue Infizierten im Landkreis

Die Gefahr, sich im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit dem Corona-Virus zu infizieren, ist derzeit jedoch kaum vorhanden. In den vergangenen sieben Tagen gab es nur eine Neuinfektion. In ganz Deutschland lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen dagegen zuletzt bei über 1.000 Menschen. Allein am Mittwoch, dem 5. August, starben in Deutschland sieben Menschen, bei denen zuvor das Corona-Virus per Test nachgewiesen wurde. Am Tag darauf waren es acht. Darüber informiert das Robert-Koch-Institut.

Für den Obermeister der Bauinnung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Steffen Vetter, müssten die Corona-Maßnahmen jedoch angemessen sein. "Das ist nicht mehr effektiv, wenn drei Leute mit drei Fahrzeugen zur Baustelle fahren müssten, um die Abstände einzuhalten", sagt er.

Bei den meisten Baufirmen in der Region sei es zudem der Regelfall, dass vom Bauplatz der Firma mit Betriebswagen zur Baustelle gefahren wird und nicht mit privaten Autos. Man sei auch nicht untätig, was Hygiene und die Bereitstellung von Desinfektionsmittel angeht. Vetter könne zwar nicht versichern, dass das für alle Betriebe gilt, die Kritik der Gewerkschaft sei aber dabei zu pauschal.

Im August wird weiter verhandelt

Für die IG Bau sind die deutschlandweit steigenden Infektionszahlen jedoch Grund genug, mehr Gesundheitsschutz für ihre Mitglieder einzufordern. Der Weg zur Baustelle im Sammeltransporter werde nun auch Thema bei den Tarifverhandlungen. „Hier müssen Arbeitgeber Einzelfahrten möglich  machen – und den Bauarbeitern dafür auch etwas bieten“, fordert Borowski. An- und Abfahrten zwischen Wohnort und Baustelle würden bislang in der Regel nicht entschädigt, obwohl der Chef diktiere, wer wann zu welcher Baustelle fahren müsse.

Im Fokus der Verhandlungen steht jedoch die Lohnforderung der IG BAU, die ein Plus von 6,8 Prozent, mindestens jedoch 230 Euro pro Monat mehr für die Baubeschäftigten erwartet. Darüber hinaus sollen Azubis aller Ausbildungsjahre 100 Euro zusätzlich im Monat erhalten. In der letzten August-Woche werde weiter verhandelt. "Die Bauunternehmer sollten sich das leisten können. Denn der Bau boomt – auch im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge“, erklärt Borowski.

Im hiesigen Landkreis sind etwa 3.300 Beschäftigte aus rund 350 Betrieben in der Baubranche tätig. Die meisten Bauunternehmen im Landkreis zahlen jedoch keinen Tariflohn. Stattdessen wird oft nur der Mindestlohn angeboten.

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