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Dresden

Tausende Wohnungen in Dresden sind leer

Warum der Leerstand ein Problem für den angespannten Wohnungsmarkt in der Stadt ist.

Das Haus in der Lößnitzstraße 19 sieht bewohnt aus, ist es aber nicht: Der Eigentümer will mit den bunten Fenstern Eindringlinge abhalten.
Das Haus in der Lößnitzstraße 19 sieht bewohnt aus, ist es aber nicht: Der Eigentümer will mit den bunten Fenstern Eindringlinge abhalten. ©  Archiv: Rene Meinig

Wie viele Wohnungen stehen aktuell in Dresden leer?

Der Wohnungsleerstand lag in Dresden im Jahr 2018 bei 6,4 Prozent, das sind 19.350 Wohnungen. Für 2019 und 2020 liegen noch keine Daten vor. Bei diesem Wert handelt es sich um den sogenannten Bruttoleerstand.  Er entsteht laut Rathaus  über ein Berechnungsverfahren aus dem Abgleich der Zahl der Wohnungen und der bewohnten Haushalte. Zieht man von diesem Wohnungsleerstand die eigentlich unbewohnbaren Wohnungen, also verfallene oder aktuell sanierungsbedürftige Wohnungen und die Fluktuationsreserve ab, erhält man den sogenannten strukturellen Leerstand. Das sind 2,2 Prozent, was einer Zahl von rund 6.750 leerstehenden Wohnungen entspricht.  "Ein struktureller Leerstand von 2,2 Prozent ist ein Indiz für einen angespannten Wohnungsmarkt, aber noch üblich", so das Stadtplanungsamt. 

In welchen Vierteln gibt es den höchsten Leerstand?

Die höchsten Leerstandsquoten gibt es in der Inneren Altstadt (18,4 Prozent), Loschwitz/Wachwitz (12,2 Prozent), Wilsdruffer Vorstadt/Seevorstadt-West (11,3 Prozent und der Albertstadt (10,4 Prozent).

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Was tut die Stadt, um den Leerstand zu verringern?

Das Rathaus sieht aktuell nach eigenen Angaben keinen Handlungsbedarf, aus wohnungswirtschaftlicher Sicht den Leerstand zu verringern. Fragen zur Eigentümersuche, wenn die Besitzverhältnisse unklar sind, würden sich nicht stellen. 

Wie viele Wohnungen stehen bei den Genossenschaften leer?

Bei der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt stehen aktuell insgesamt 109 Wohnungen leer, so Vorstand Alrik Mutze. "Davon sind aber 36  unbewohnt, weil im Gebäude Modernisierungsarbeiten durchgeführt werden."  Von den verbleibenden 73 leer stehenden Wohnungen seien  32  ohne zukünftigen Mieter. Warum?  "Weil diese Wohnungen einfach noch niemand haben wollte", so Mutze. 

Wie sieht es bei der Vonovia aus?

"In unserem Bestand in Dresden liegt der Leerstand bei 3,6 Prozent. Dies ist zum einen bedingt durch Fluktuation und die anschließende Renovierung vor Neubezug", so Vonovia-Unternehmenssprecherin Panagiota-Johanna Alexiou . Auf die Frage, ob die Vonovia Bedarf an weiteren Wohnungen hat und sich vorstellen könnte, von der Stadt leerstehenden Wohnungen zu übernehmen, schreibt das Unternehmen: "Für uns ist eine Erweiterung des Bestandes als Ergänzung zu unserem Portfolio immer denkbar. Wir prüfen jedes Angebot." Mit der Stadt habe es dazu noch keine Gespräche gegeben, die Vonovia sei aber bereit, bei Bedarf Gespräche aufzunehmen.

Warum stehen die Wohnungen leer?

Die Ursachen für Leerstand sind unter anderem unklare Eigentumsverhältnisse oder fehlendes Geld der Besitzer zur Sanierung. Gerade in den teuren Vierteln wie dem Weißen Hirsch, Loschwitz und Blasewitz sind manche Villen seit Generationen in Familienbesitz. Sterben dann Mutter oder Vater, streiten sich manche Geschwister, was mit der Immobilie passieren soll. Vermieten? Verkaufen? Bis das geklärt ist, im schlimmsten Fall vor Gericht, vergehen manchmal Jahre.

Was sagt der Eigentümer-Verband?

Ob Leerstand zunimmt, könne er nicht sagen, aber er beobachte, dass oft neue Wohnungen länger oder mehrfach angeboten werden, so Haus-und-Grund-Vorsitzender Christian Rietschel. "Das weist auf Marktsättigung und/oder überteuerte Wohnungen hin. Allerdings sind die Baupreise zur Zeit auch extrem hoch", sagt er.  Seine Überlegung: "Sollten die neuen Parkgebühren Realität werden, werden die teuren Innenstadtwohnungen durchaus Leerstand haben können." Meist würden  Gutverdiener preiswerte Wohnungen blockieren, den Nachteil hätten die weniger gut Verdienenden, da es keine Fehlbelegungsabgabe mehr gäbe. 

Was fordern die Stadträte?

"Der geringe Leerstand ist wesentlich verantwortlich für steigende Mieten in Dresden. Deswegen müssen wir neue, bezahlbare Wohnungen in allen Stadtteilen bauen", fordert SPD-Stadtrat Vincent Drews.  Es sollten aber auch Regeln geschaffen werden, dass leerstehende Wohngebäude nicht zur Spekulation genutzt werden, sondern nutzbar gemacht werden müssen. Dafür brauche es ein Verbot von Zweckentfremdung, dass der Landtag beschließen muss , so Drews. 

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Linken-Stadtrat Christopher Colditz betont: "Bei der angespannten Wohnungssituation müsste die Stadt vor allem öfter von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen, damit keine Luxuswohnungen entstehen, die die Mieten in den umliegenden Häusern ebenfalls nach oben treiben." Colditz fordert, im Bereich der Sozialwohnungen müssten die Genossenschaften endlich mitziehen und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen. Aktuell ist die Vonovia bei den Flüchtlingswohnungen der einzige Partner der Stadt.

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