merken
PLUS Radebeul

Mieterärger in Lindenau

Den Bewohnern wird ein neuer Zugang zugewiesen - das bringt einige neue Hürden mit sich. Der Verwalter verspricht bei SZ-Anruf, sich zu kümmern.

Müssen jetzt zum Hinterausgang zur Straße laufen, mit einigen Hinternissen (von rechts): Monika Rohrmoser, Wanda Buschmann, Eva Wolf und Ingeborg Bottor.
Müssen jetzt zum Hinterausgang zur Straße laufen, mit einigen Hinternissen (von rechts): Monika Rohrmoser, Wanda Buschmann, Eva Wolf und Ingeborg Bottor. © Norbert Millauer

Radebeul. Die drei älteren Damen - 75, 84 und 88 - sind ziemlich aufgeregt. Sie ärgert etwas gehörig. Und das schon seit Mai. Seitdem haben sie und die anderen zwölf Mieter in der Neuländer Straße 34 nicht mehr ihren gewohnten Hauszugang. Konnten sie bisher, vorbei an der im Erdgeschoss des Hauses befindlichen Tagespflegestation, dafür einen breiten Gang mit zweiflügeliger Tür nutzen, um auf die Straße zu gelangen, so ist es jetzt der frühere Hinterausgang.

Um auf die Straße zu gelangen, so schildern und zeigen es die Mieterinnen Monika Rohrmoser, Eva Wolf und Wanda Buschmann gibt es zwei Möglichkeiten - allerdings mit für die Betagten und vielfach auf Rollator angewiesenen Bewohner erheblichen Hindernissen. Der eine neue Weg zur Straße mit Treppen ist feucht, voller Moos und rutschig und hat kein Geländer, schildert Wanda Buschmann.

Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Die andere Möglichkeit, Richtung Straße zu gelangen, führt zu einem Tor mit einem Absatz zur waldwegartigen Straße. „Dort komme ich auch kaum drüberweg“, sagt Eva Wolf. Und überhaupt, so die Seniorinnen, gibt es dort gar keinen richtigen Fußweg. „Was ist, wenn im Winter Schnee liegt und vielleicht nicht geräumt wird?“

Mit letzterer Beschwerde haben sie sich ans Radebeuler Ordnungsamt gewandt, weil sie vermuteten, dass die Straße der Stadt gehört. Von dort sei aber die Antwort gekommen, dass dies ein Privatweg ist, die Stadt nicht zuständig sei. In einem langen zweiten Brief an die Hausverwaltung FOR (steht für: „Für Sie vor Ort“) in Meißen schildern sie ihre Nöte mit den Hindernissen und drohen mit Mietminderung. Auch weil ihnen eine Aufenthaltsfläche mit Springbrunnen nicht mehr zur Verfügung stehe.

„Mit uns hätte doch mal jemand reden und uns fragen sollen“, sagt Monika Rohrmoser. An einem Maisamstag sei das Schreiben mit der Ankündigung für die Veränderung des Hauszugangs bei den Mietern eingetroffen. Am Montag sei schon alles verändert gewesen. Etwa auch die Veränderung der Fluchtwege.

Vom Verwalter Henry Maiwald hat es darauf ein Antwortschreiben gegeben. Darin weist er daraufhin, dass die Wohnungen ganz normale Mieterwohnungen sind. „Eine Pflicht, die Zuwegung behindertengerecht vorzuhalten, besteht nicht.“ Die Beschwerde, den Mietern sei eine Rasenfläche mit Springbrunnen entzogen worden, entgegnet der Verwalter mit dem Verweis, dass diese Fläche auch schon vorher von der Tagespflege genutzt wurde. Und diese ja auch nicht Bestandteil der Mietverträge sei.

Einer der Zugänge zur Straße führt über eine Treppe. Hier möchten die Seniorinnen ein Geländer haben.
Einer der Zugänge zur Straße führt über eine Treppe. Hier möchten die Seniorinnen ein Geländer haben. © Norbert Millauer
Der ehemalige Ausgang aus dem Haus ist immer noch als der Fluchtweg gekennzeichnet (am 4. August 2020), die Tür ist aber verschlossen.
Der ehemalige Ausgang aus dem Haus ist immer noch als der Fluchtweg gekennzeichnet (am 4. August 2020), die Tür ist aber verschlossen. © Peter Redlich
Ein weiteres Hindernis mit dem Rollator ist der Absatz am hinteren Tor.
Ein weiteres Hindernis mit dem Rollator ist der Absatz am hinteren Tor. © Norbert Millauer

„Wir können durch die umgesetzten bzw. noch umzusetzenden Maßnahmen keine Mängel an der Mietsache erkennen. Es erfolgte lediglich eine Veränderung der von ihnen gewohnten Umstände. Ein Minderungsanspruch besteht nicht. Wenn Sie unzufrieden sind, bieten wir Ihnen an, dass Sie die Wohnung ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist bis zum 30.06.2020 kündigen können“, schreibt Verwalter Maiwald.

Das verärgert die Mieter besonders. „Wenn es uns nicht passt, sollen wir ausziehen“, sagen die Seniorinnen. Maiwald dazu: „Das war nur ein Vorzugsangebot, ohne Einhaltung der üblichen dreimonatigen Kündigungsfrist.“

Als die SZ beim Verwalter nachfragt, warum diese Veränderung für die betagten Mieter generell so stressig gelaufen sei, sagt dieser: „Ich gebe zu, es lief bissel chaotisch. Auch deshalb, weil sich Handwerker plötzlich angesagt hatten. Ich habe mich dafür bereits bei den Mietern entschuldigt.“ Allerdings sei er von einer Mieterin auch schwer beschimpft und sogar bedroht worden, was zur Verhärtung beigetragen habe.

Als Begründung für die Veränderungen im Zugang nennt Maiwald neue Bestimmungen für die Abgrenzung des neuen Mieters, der Tagespflege im Erdgeschoss. Dafür mussten extra Pläne eingereicht werden. Die Leute der Krankenkasse waren zur Kontrolle hier, ob auch wirklich der Zaun als Trennung steht.“ Deshalb auch musste die Fläche mit dem Springbrunnen eingezäunt und von den anderen Mietern abgegrenzt werden.

Ebenfalls deshalb dürfen die 15 Mieter in den Wohnungen nicht mehr durch den von der Tagespflege genutzten Gang gehen. Dass dieser, als die SZ am Dienstag dieser Woche vor Ort war, immer noch auf dem Fluchtplan als der vorgeschriebene Weg ausgewiesen, aber abgeschlossen und für die Mieter nicht zugänglich ist, bezeichnet Maiwald als veraltet. „Dieser Fluchtweg ist für die Mieter nicht mehr nötig, sie haben ja ihren Ausgang. Ich werde den Plan entfernen“, sagt der Verwalter.

Auf den Mietervorwurf, dass der jetzige Ausgang ja viel schmaler sei und etwa ein Krankentransport nur schwer durchkomme, entgegnet der Verwalter, dass das Treppenhaus auch nicht wesentlich breiter sei und in den Fahrstuhl auch keine Trage passe. Es gebe genügend Platz, um aus dem Haus zu gelangen.

Dennoch macht Henry Maiwald in wesentlichen Dingen Zusagen für mögliche Verbesserungen. „Das mit dem Geländer an dem Weg zur Straße, das können wir unkompliziert nachrüsten. Versprochen“, so der Verwalter. Das Hindernis Absatz an der anderen Hoftür wolle er sich anschauen und wenn machbar schnell Abhilfe schaffen. Wem der Sandweg wirklich gehört und ob dort ein Fußweg angelegt werden kann, das wolle Henry Maiwald prüfen.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul