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Alki-Terror im Plattenbau

Heidrun Großmann und ihre Nachbarinnen haben in ihrem Zittauer Wohnblock keine ruhige Nacht - aber die Polizei ist machtlos.

Rosemarie Sierke, Heidrun Großmann und Annegret Dulas vor ihrem Wohnblock in Zittau.
Rosemarie Sierke, Heidrun Großmann und Annegret Dulas vor ihrem Wohnblock in Zittau. ©  Matthias Weber

Klingelstreich - das war früher mal ein harmloses Kinderspiel. Beim Nachbarn klingeln und weglaufen. Aber für Heidrun Großmann (68) und viele ihrer Nachbarn ist dieser Unfug längst entgleist - zum blanken Terror. Täter sind auch keine Kinder, sondern eine problematische Nachbarin. Und die macht den Menschen in ihrer Umgebung das Leben noch auf ganz andere Weise madig.

Die Wohnblöcke an der Max-Müller-Straße in Zittau sind kein Luxusquartier. Sie stammen aus der Spätzeit der DDR - sind in ihrer Bauart aber ein bisschen gefälliger als die typische Platte. Rentnerin Heidrun Großmann wünscht sich gar nichts anderes. Und sie hat sich den kleinen Grünstreifen vor ihrem Hauseingang als kleines Paradies hergerichtet. Mit ein paar Blumen, lustigen Frosch-Figuren und einer kleinen Bank. Dort sitzt sie an sonnigen Tagen gerne mit ihren Freundinnen Rosemarie Sierke und Annegret Dulas aus dem Haus. Doch seit einigen Monaten hat das kleine Paradies einen Störenfried.

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"Haste Bier? Haste Kippen?"

"Wir können hier kaum noch mal in Ruhe Zeit verbringen", klagt Heidrun Großmann und schildert ein typisches Ereignis aus den vergangenen Tagen: "Wir saßen da und haben uns schon gleich weggedreht, als die wieder ankam", erzählt die Rentnerin. "Die", das ist ihre neue Nachbarin, die seit Mai zwei Hauseingänge weiter wohnt. Und die Ansprache dieser Frau an ihre Mitmenschen ist scheinbar die immer gleiche: "Haste Bier? Haste Kippen? Haste Geld? Das ist alles, was die immer sagt", schildert Großmann.

Dabei scheint die junge Frau wenigstens mit ersterem stets versorgt zu sein. Besonderes Kennzeichen: "Die hat immer eine Flasche Bier in der Hand. Ich habe die noch nie ohne gesehen", sagt Großmann. Und: "Wenn sie besoffen genug ist, legt sie sich auch schon mal auf die Wiese und brabbelt vor sich hin." Das Ganze wäre vielleicht noch irgendwie erträglich, wenn die Frau nicht ohne Unterlass ihre Nachbarn anmachen würde. "Ich traue mich ja gar nicht, die mal auf ihr Verhalten anzusprechen, weil die immer gleich losbrüllt", erzählt Großmanns Nachbarin Annegret Dulas.

Jeden Tag Randale und Polizei

Und nach den Schilderungen der Damen ließ die Nachbarin sie vom ersten Tag an in den Genuss ihrer Anwesenheit kommen. "Schon an dem Tag ihres Einzugs war die Polizei da, weil die hier rumkrakeelt hat", erzählt Großmann. Dafür brauche sie nicht mal ein Gegenüber. "Manchmal hören wir sie allein in ihrer Wohnung wie sie brüllt und Beleidigungen ausstößt", erzählt sie. 

Und die junge Frau ist augenscheinlich überaus nachtaktiv. "Die klingelt hier mitten in der Nacht immer überall. Einmal hat sie mich schon um halb eins wachgeklingelt", erzählt Großmann. Und vielen anderen in den Wohnblocks geht es genauso. "Die Polizei rückt hier fast jede Nacht wegen der an, manchmal sogar zweimal, weil sie dann auch noch vor der Tür herumbrüllt. Wir brauchen doch auch unsere Nachtruhe", erzählt Großmann. Sie kennt mittlerweile so ziemlich jeden Beamten der Zittauer Polizeistation beim Namen. "Wenn hier eine von uns anruft, fragen die schon immer: ,Ist das die vom letzten Eingang?'." Doch die Polizisten haben keine große Handhabe - schließlich liegt keine Straftat vor. "Die bringen sie dann immer in ihre Wohnung zurück. Oft sprechen die sogar sehr lange mit der. Ich bewundere die Beamten, wie ruhig die dabei immer bleiben", erzählt Großmann.

Hausverwaltung ist alarmiert

Doch ruhig bleiben wollen Heidrun Großmann und ihre Freundinnen länger nicht. Ihnen ist klar: "Die Frau ist offensichtlich psychisch krank und braucht Hilfe", sagt sie. Doch sie und alle anderen möchten nicht leidgeprüfter Teil der Therapie sein. "Ich habe öfter bei der Wohnungsverwaltung angerufen und einen Brief geschrieben - mit einer Liste von Tag und Uhrzeit sämtlicher Polizeieinsätze hier", sagt Großmann. Bisher habe die Verwaltung nicht reagiert. Die Verzweiflung ist groß. "Wir überlegen sogar schon, ob wir die Miete kürzen sollen", sagen die Damen - als Druckmittel. Gleichwohl sie wissen, dass sie das nicht so ohne weiteres dürfen. Und sie wollen sich auch rechts- und vertragstreu verhalten. Nur so viel ist klar: "So eine Nachbarin ist uns nicht zumutbar. Für die Frau muss man etwas anderes finden."  

Und das ist offensichtlich auch ganz im Sinne der Wohnungsverwaltung. Denn die nimmt die Sorgen und Beschwerden ihrer Mieter durchaus ernst. "Es ist eine etwas vertrackte Situation", sagt die Verwalterin von FT-Immobilien an der Zittauer Neustadt auf SZ-Anfrage. Die Frau sei nämlich selbst keine Mieterin, sondern sei bei ihrem Freund eingezogen. Den kennen auch Heidrun Großmann und ihre Freundinnen. "Der junge Mann ist noch nie unangenehm aufgefallen, er beteiligt sich nicht an den Pöbeleien seiner Freundin", sagen sie.

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Jedenfalls scheint das Problem einer zeitnahen Lösung entgegen zu streben. "Die Frau hat seit Kurzem eine Betreuerin, die ist auch sehr rührig", sagt die Verwalterin. Diese Betreuerin arbeite auch daran, eine geeignete Wohnsituation für die Frau zu finden. Die Frau oder ihren Freund hat SZ bei ihrem Besuch in der Wohnanlage nicht angetroffen.

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