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Migranten nähen Mundschutz

Der SZ-Schorni geht heute an die Diakonie-Flüchtlingsberatung. Hier werden 1.500 Masken fürs Gesundheitsamt hergestellt. Die Einrichtung bittet um Stoffspenden.

Im Begegnungscafé der Migrationsberatung in Großenhain werden momentan fleißig Mundschutzmasken gefertigt. Ahmad aus dem Irak hat extra das Nähen mit der Maschine erlernt.
Im Begegnungscafé der Migrationsberatung in Großenhain werden momentan fleißig Mundschutzmasken gefertigt. Ahmad aus dem Irak hat extra das Nähen mit der Maschine erlernt. © Anne Hübschmann

Großenhain. "Erstmal desinfizieren bitte", sagt Gerlinde Franke höflich, aber bestimmt. Sie hält Besuchern einen Ölroller für die Hände entgegen. "Hier darf keine Näherin und kein Näher ausfallen!" In der Marktgasse hat die Chefin der Diakonie-Migrationsberatung eine Fließstrecke zur Herstellung von Mundschutz eingerichtet. Seit voriger Woche wird hier fleißig zugeschnitten, gebügelt und zusammengenäht. "1.500 Masken hat das Gesundheitsamt geordert, und die wollen wir schaffen", ist Gerlinde Franke optimistisch. Täglich entstehen 80 bis 90 Stück.   

Juliana aus Venezuela schneidet die Stoffe zu. Gearbeitet wird mit alten Bettlaken und gespendeten Stoffen. 
Juliana aus Venezuela schneidet die Stoffe zu. Gearbeitet wird mit alten Bettlaken und gespendeten Stoffen.  © Anne Hübschmann

Schon früher hatten Flüchtlingsfrauen ehrenamtlich fürs Landratsamt Näharbeiten an der Maschine ausgeführt. Daran erinnerte man sich jetzt, als überall Mundschutz knapp wurde. So fragte der Bereich Soziales im Landratsamt bei der Diakonie-Migrationsberatung nach. Gerlinde Franke, ausgebildete Textiltechnikerin, schneiderte nach Vorlagen ein Modell, das vom Elbland-Klinikdirektor und von einem Hygieniker als brauchbar und "medizinisch zertifiziert" anerkannt wurde. So berichtet es die heutige Sozialberaterin. Blieb nur die Frage: Woher kommt der nötige kochfeste Baumwollstoff? Und wer kann fürs Nähen gewonnen werden?

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Alte Lautex-Ware erwies sich als nützlich. Die wird noch hier und da aufbewahrt. "Auch von hiesigen Händlern wurde uns was gespendet", freut sich Gerlinde Franke. Die Sozialberatung der Flüchtlingshilfe aktivierte zudem ihr Netzwerk. So kamen sieben, acht Migranten zusammen, die täglich von 9 bis 15 Uhr in der Marktgasse ehrenamtlich tätig sind. Weitere Ehrenamtler nähten sogar am Sonnabend.  

Mona aus Syrien bügelt die Stoffstücken vor dem Zusammennähen auf das richtige Maß.
Mona aus Syrien bügelt die Stoffstücken vor dem Zusammennähen auf das richtige Maß. © Anne Hübschmann

So konnten die ersten Chargen schon ans Landratsamt geliefert werden. Fast 500 Atemmasken sind entstanden. Viele sind aus buntem Oberstoff genäht und sehen damit farbenfroh aus. Innen haben sie weißen Baumwollstoff. 

Es nähen nicht nur Frauen, sondern auch drei Männer sitzen an der Maschine. Ahmad aus dem Irak macht sich dabei recht professionell. "Seit 2002 bin ich in Deutschland. Ich wollte schon immer mit einer Nähmaschine arbeiten können", sagt der versierte Junggeselle. Die Frauen in der Begegnungsstätte haben es ihm beigebracht. Nun hat nicht nur Ahmad Spaß an der Arbeit. "Es ist auch eine gute Gemeinschaft", lobt der Iraker.  Hauptsache, die Maschine surrt ohne Probleme.  

Statt Gummibänder werden jetzt diese Stoffschnüre zum Zubinden angenäht. 
Statt Gummibänder werden jetzt diese Stoffschnüre zum Zubinden angenäht.  © Anne Hübschmann

Mindestens bis Ostern werden die fleißigen Näher zu tun haben. Auch in der Orangerie wird an einer zweiten Fließstrecke gearbeitet, um den nötigen Sicherheitsabstand wegen Corona einzuhalten. "Manche Mitarbeiter schneiden sogar bei sich zu Hause zu", erklärt Gerlinde Franke. Doch sie merkt, dass allmählich vor allem der weiße Stoff knapp wird. 

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"Am Sonnabend fragte eine Anwohnerin, was wir hier machen", so die Migrationsberaterin. Als sie vom Mundschutz hörte, habe sie gleich mehrere weiße Laken und Stoffstücken vorbeigebracht. Daraufhin stellen die Mitarbeiter nun eine Tafel vor der Eingangstür auf, auf der über das Vorhaben berichtet wird. Und wo sie um weitere Stoffspenden bitten. Ein Korb steht neben dem Aufsteller, in den die Spenden hineingelegt werden können. Gebraucht wird ausschließlich Baumwollstoff, aber keine Bettlaken von Ikea, schränkt Gerlinde Franke ein. 

Der SZ-Schorni geht diesmal an die Näherinnen und Näher des Mundschutzes in der Migrationsberatung. Danke für Ihren Einsatz!
Der SZ-Schorni geht diesmal an die Näherinnen und Näher des Mundschutzes in der Migrationsberatung. Danke für Ihren Einsatz! © Thomas Riemer

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