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Migranten-Verein gegründet

Das „Immigrants Network“ will unter anderem die Integration befördern.

Von Mirko Kolodziej
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Den neuen Verein mit angeschoben haben Aziz Sahrahi, Marion Witschaß, Khabat Ibo, Birgit Radeck und Farid Amiri (von links nach rechts).
Den neuen Verein mit angeschoben haben Aziz Sahrahi, Marion Witschaß, Khabat Ibo, Birgit Radeck und Farid Amiri (von links nach rechts). © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Will man sich in Afghanistan zusammentun, reichen ein paar Unterschriften oder gar Fingerabdrücke, erzählen Farid Amiri und Aziz Sahrahi. Mittlerweile wissen die beiden auch, wie das in Deutschland geht: Gründungsversammlung, Satzungsbeschluss, Vereinsregistereintrag ... Die zwei sind seit ein paar Tagen stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Kassenwart des neuen Vereins „Immigrants Network Hoyerswerda“.

Bei der Gründungsveranstaltung im Jugendclubhaus traten 19 Personen bei und wählten den aus Syrien stammenden Khabat Ibo zum Vorsitzenden. Dem Vorstand gehören außerdem die Syrerin Hanifa Kunis und die Marokkanerin Naima El Houzi an. Geburtshelfer für den Verein waren das Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ sowie die Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven (RAA). Schon längere Zeit hatten sie über das Samo.fa-Programm des Bundesverbandes der Netzwerke von Migrantenorganisationen daran gearbeitet, in Hoyerswerda eine Selbsthilfe aufzubauen.

Nicht nur für Flüchtlinge gedacht

In der vierseitigen Satzung stehen nun als Vereinszwecke unter anderem die Förderung des interkulturellen Zusammenlebens, die Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache und bei der Integration in die deutsche Gesellschaft sowie die Stärkung sozialer Kontakte. Genannt werden aber auch die Förderung der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern oder der Wissenstransfer. „Wer kann Migranten besser verstehen als Migranten selbst“, erklärt der frischgebackene Vereinschef Khabat Ibo. Erfahrungen, die man einmal beim Bezug einer Wohnung, bei der Schulanmeldung der Kinder oder bei der Behörden-Korrespondenz gemacht habe, könne man direkt an andere Betroffene weitergeben.

„Es sind im Verein ziemlich viele Nationen dabei“, sagt Marion Witschaß von der RAA, die auch beigetreten ist. Eine Inderin macht ebenso mit wie jemand aus Tschetschenien oder ein seit vielen Jahren in Hoyerswerda beheimateter Pole. Den Vereinsgründern ist wichtig, dass es sich beim „Immigrants Network Hoyerswerda“ nicht um eine reine Flüchtlings-Organisation handeln soll. „Wir suchen Leute, die etwas bewegen wollen“, so Marion Witschaß.

Von den rund 1.500 Ausländern in der Stadt haben nur gut ein Drittel den Status von Asylbewerbern. Der Verein hofft insofern auch auf Interesse bei ausländischen Ärzten, die im Klinikum tätig sind, bei EU-Ausländern oder bei Vietnamesen, die seit DDR-Zeiten hier leben. Auch an ehemalige Spätaussiedler aus den früheren Sowjetrepubliken ist gedacht. Für sie hatte es im Ergebnis des von 2003 bis 2006 bei der Volkshochschule angesiedelten Projektes Ost-West-Integration (OWI) bereits einen Aussiedlerverein gegeben. Dieser löste sich jedoch im Jahr 2011 auf, als feststand, dass wegen Schließung und Abrisses des Hauses der Hilfe und Begegnung an der Heimstraße im WK V die genutzten Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Auch für das „Immigrants Network Hoyerswerda“, erklärt Birgit Radeck von der RAA, die Unterbringung stehe auf der Prioritätenliste: „Oberstes Ziel ist, einen Raum zu finden.“ Auch sonst muss die Vereinsarbeit natürlich erst einmal in Gang kommen. Es gibt neben der Satzung ein Logo, eine WhatsApp-Gruppe und eine Festlegung zur Höhe des Mitgliedsbeitrages. Drei Euro im Monat zahlt, wer beitreten will.

Das „Migranten-Netzwerk-Hoyerswerda“, für das man absichtsvoll die auch für Neuankömmlinge verständliche Bezeichnung in Englisch gewählt hat, will den Betreffenden auch eine Stimme in der Öffentlichkeit geben. „Wir möchten mehr Verantwortung übernehmen“, sagt Khabat Ibo,“mitreden, mitmachen, aktiv werden.“ Man hat im nagelneuen Verein schon über einen Fixpunkt im Hoyerswerdaer Kalender gesprochen – die Vereinsmesse „Markt der Möglichkeiten“ nämlich.

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