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Kamenz

Mikwauschk verteidigt CDU-Direktmandat

Der Räckelwitzer wird für seine Wahlkreisarbeit belohnt. Marion Junge (Linke) hingegen scheidet aus dem Landtag aus.

Blumen und ein Küsschen für Aloysius Mikwauschk gab es in der Gaststätte „Zur Eisenbahn“ von der CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Justina Suchy.
Blumen und ein Küsschen für Aloysius Mikwauschk gab es in der Gaststätte „Zur Eisenbahn“ von der CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Justina Suchy. © René Plaul

Kamenz. Die beschworene „Richtungswahl“ für den sächsischen Landtag hat viel Bewegung in der Parteienlandschaft gebracht. Woran auch die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung (etwa 16 Prozent mehr als 2014) eine große Aktie hat. Im Wahlkreis 53, der die Städte Kamenz, Elstra, Großröhrsdorf und Pulsnitz (mit Umlandgemeinden) sowie die fünf Kommunen im Sorbenland umfasst, gibt es beim Direktmandat keine Änderung. Alter und neuer Wahlkreisabgeordneter ist Aloysius Mikwauschk (CDU). Der Räckelwitzer musste zwar ein paar Prozent Stimmenverlust gegenüber seinem Ergebnis von 2014 (47 Prozent) hinnehmen, blieb aber am Ende mit 39,8 Prozent deutlich vor dem Hauptherausforderer von der AfD, Christian F. Schultze (30,3). Beide Kandidaten standen nicht auf den Landeslisten ihrer Parteien. Hier hieß es also für beide hopp oder topp.

In Kamenz, der größten Kommune im Wahlkreis, standen die Zeichen beizeiten auf Sieg für Mikwauschk. Während bei der Zweitstimme es lange einen Gleichstand zwischen CDU und AfD (bei etwa 32 Prozent) gab, zeigte sich bei der Erststimme, die über das Direktmandat entscheidet, ein anderes Bild. Nach zehn Wahlbezirken lag Mikwauschk z.B. bereits sieben Prozentpunkte vorn. 

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Das kann auch deshalb nicht überraschen, weil der 61-Jährige in den vergangenen fünf Jahren wirklich enorm viel für die Stadt erreicht hat, indem er Fördergeld für solche wichtigen Vorhaben wie den Schulstandortumbau oder den Neubau einer Schwimmhalle, die das mittlerweile stark sanierungsbedürftige Hallenbad in der Macherstraße ersetzen soll, akquirierte. Auch seine enge Bindung in die Vereine der Region sollte sich auszahlen.

Nach dem Wahlakt wird ausgezählt: Im Kamenzer Rathaus kippte am Sonntag punkt 18 Uhr Franziska Scholze die Wahlurne eines der beiden Briefwahlbezirke aus.
Nach dem Wahlakt wird ausgezählt: Im Kamenzer Rathaus kippte am Sonntag punkt 18 Uhr Franziska Scholze die Wahlurne eines der beiden Briefwahlbezirke aus. © René Plaul

Erst nach 21 Uhr stand das Wahlergebnis für Kamenz fest und noch später das für den gesamten Wahlkreis. Aloysius Mikwauschk feierte mit seinen Unterstützern und Anhängern in der Gaststätte „Zur Eisenbahn“ in Kamenz-Wiesa. Irgendwann ließ er dann auch die verdienten Glückwünsche zu. „Der elfmonatige Wahlkampfmarathon hat sich ausgezahlt“, sagte ein erschöpfter, aber auch glücklicher Sieger. „Ich danke allen, die mich dabei unterstützt haben.“ Es sei richtig gewesen, mit Leidenschaft zu den Leuten zu gehen. Die Wählerinnen und Wähler vor Ort hätten honoriert, dass er sich Zeit für deren Sorgen und Probleme genommen habe. „Bei mir gab es keine organisierten Schnelldurchläufe. Ich habe mir überall mindestens zwei Stunden Zeit gelassen“, so der Räckelwitzer. 

© SZ: Grafik

Mikwauschk sieht vor allem auch in seiner Präsenz bei Vereinen und Feuerwehren ein wichtiges Erfolgsrezept. „Daran werde ich weiter festhalten.“ Für seinen erneuten Erfolg im Wahlkreis nahm Mikwauschk ausdrücklich auch Ministerpräsident Michael Kretschmer mit ein. „Er hat in 20 Monaten gezeigt, was bürgernahe Politik ausmacht. Man muss dorthin gehen, wo es auch mal wehtut.“ Das hätten die Menschen gerade auch im ländlichen Raum honoriert. Seine Stärkung weiterhin im Fokus zu haben, darauf komme es an. „Mein Wahlerfolg bestärkt mich darin. Er ist Vertrauensbeweis und Verpflichtung zugleich.“

Auszeit zum Sammeln

Ein weniger erfreuliches Fazit musste am Wahlabend Marion Junge (Die Linke) ziehen. Ihre Partei schnitt noch um einiges schlechter ab als die Prognosen vor der Wahl, die zwischen 14 und 15 Prozent lagen. Mit 10,4 Direktstimmen landete die Kamenzerin erwartungsgemäß nur auf dem dritten Platz. Allerdings reichte auch ihr Platz 21 auf der Landesliste ihrer Partei bei weitem nicht für einen Wiedereinzug in den Landtag. „Am Engagement hat es nicht gelegen. Leider ist die Diskussion im Land seit der Flüchtlingskrise von meiner Meinung nach völlig überzogenen Ängsten überlagert.“ Das habe sich die AfD zunutze gemacht. „Viele linke Themen, wie zum Beispiel die wachsende Armut im Land haben deshalb leider nicht gegriffen.“

Dennoch zieht die 56-Jährige eine positive Gesamtbilanz ihrer zehn Jahre als Berufspolitikerin. Zum Beispiel als kommunalpolitische Sprecherin ihrer Fraktion oder auch im Petitionsausschuss des Landtages konnte sie wichtige Netzwerke knüpfen. Sie hätte gern noch fünf Jahre in Dresden für bessere Bildungsangebote gestritten, sagt sie. Nun steht zunächst eine „Auszeit zum Sammeln“ an. „Danach habe ich mehrere Optionen. Eine davon ist und bleibt die Schule“, so die Diplomlehrerin.

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