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Milch per Knopfdruck

Auch in Niederkaina steht jetzt ein Milchautomat. Mit ihm wollen die Landwirte auf ein Problem aufmerksam machen, das gerade wieder aktuell ist.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

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Niederkaina. Das System ist schnell erklärt: Die leere Flasche unter den Auslauf halten, den Knopf drücken, Geld einwerfen und schon kann die frische Milch mit nach Hause genommen werden. In den Edeka-Märkten in Wilthen und am Husarenhof in Bautzen und am Stall in Techritz gibt es die frische Milch schon per Knopfdruck. Jetzt kommt noch ein Automat in Niederkaina hinzu.

Seit ein paar Tagen steht diese Milchtankstelle auf dem Gelände der Budissa AG. Montag bis Sonntag zwischen 7 und 20 Uhr können sich Gäste hier bedienen. „Wir hoffen, dass das Angebot gut genutzt wird“, sagt Matthias Friedrich vom Vorstand der Budissa AG. Vor allem eines möchte er mit dem Automaten erreichen: Die Menschen sensibilisieren, ihnen zeigen, wie gute Milch schmeckt und dass sie ihren Preis hat. Den ganzen Liter gibt es am Automaten für 1,10 Euro, den halben für 60 Cent. Ein faires Angebot, meint der Chef, der ansonsten mit den Schwankungen auf dem Weltmarkt klarkommen muss. Schaut er sich die Preisentwicklung aktuell an, dann vergeht ihm sehr schnell die gute Laune. „Wir Landwirte steuern sehenden Auges in die nächste Krise“, sagt er.

Keine einfache Lösung für das Problem in Sicht

Damit es sich rechnet, müsste der Agrarbetrieb seine Milch für mindestens 36 Cent pro Liter an die Molkereien verkaufen. Doch in den vergangenen drei Jahren war der Betrieb gezwungen, die Milch für weniger als 31 Cent anzubieten. Vor sechs Monaten dann die Wende: Die Preise stiegen. Ein halbes Jahr lang erzielte Friedrich teilweise sogar mehr als 40 Cent pro Liter. Seit Anfang des Jahres geht es allerdings wieder steil bergab. „Das ist immer so. Sobald gute Preise erzielt werden, gibt es welche, die darauf aufspringen“, sagt er. Das geht so lange gut, bis es zu viel Milch auf dem Markt gibt. Eine einfache Lösung für das Problem kennt auch Matthias Friedrich nicht. Er ist sich aber sicher: Solange sich die Landwirte nicht untereinander verständigen, wird es immer wieder Schwankungen geben. Reagieren muss er dennoch. Über 3 000 Milchkühe hatte die Budissa AG einst in ihrem Bestand. Heute sind es schon 800 weniger. Und es wird noch weiter reduziert. Zukünftig sollen es zwischen 1 700 und 1 900 Milchkühe sein. Das heißt aber auch, dass weniger Mitarbeiter für die Kühe benötigt werden. „Wir bieten allen eine andere Stelle bei uns an“, sagt der Chef. Ganz auf die Milchproduktion verzichten will er nicht. Und das, obwohl das Geschäft mit den Feldfrüchten deutlich besser läuft. Der Getreide-, Raps- und Maisanbau funktioniert so gut, dass sich Friedrich darüber keine Sorgen machen muss.

Doch zurück zur Milch per Knopfdruck: Bevor die Flüssigkeit in den Automaten gefüllt werden kann, muss sie pasteurisiert werden. Das heißt, die Milch wird für ein paar Sekunden auf 72 Grad Celsius erhitzt und danach wieder gekühlt. Dafür braucht es jedoch spezielle Technik, über welche die Budissa AG noch nicht verfügt. Der Bautzener Agrarbetrieb kooperiert deshalb mit den Landwirten in Gnaschwitz.

Die frische Milch, die ab jetzt im Bautzener Ortsteil Niederkaina verkauft wird, kommt also gar nicht von den Kühen der Budissa AG. „Es ist aber trotzdem ein regionales Produkt“, argumentiert Matthias Friedrich. Auch sei die Kooperation nur als Übergangslösung gedacht. In zwei Jahren will die Budissa AG in die Melktechnik investieren. Dann wollen die Landwirte ihren Automaten auch selbst befüllen.