merken
PLUS

Milch zum Mitnehmen

Frischer geht’s nicht: Im Prietitzer Milchgut Stricker gibt’s das gesunde Getränk direkt vom Bauern.

© René Plaul

Von Manuela Reuß

Milch schmeckt am besten, wenn sie frisch und unbehandelt ist, erzählt Jörg Stricker. Der Prietitzer muss es wissen. Schließlich ist er Experte auf diesem Gebiet. Rund 90 Milchkühe stehen bei ihm im Stall und sorgen dafür, dass immer reichlich von dem gesunden Getränk im Milchhaus vorhanden ist. Etwa 21 000 Liter fließen täglich in den Kühl-Tank. Doch wer hat zu Hause schon ein Rind stehen, welches er melken kann?

Anzeige
Sichere App für Nachverfolgung
Sichere App für Nachverfolgung

Die Regeln für die Besucher von öffentlichen Einrichtungen wurden verschärft. Die App "Pass4all" bietet für sie und die Anbieter eine ideale Lösung.

Das ist auch gar nicht nötig. Wer Frischmilch direkt von der Kuh haben möchte, muss nicht selber am Euter Hand anlegen. Es reicht, sich eine leere Kanne oder Flasche zu schnappen und diese bei Jörg Stricker füllen zu lassen. Allabendlich steht das Melkhaus zwischen 18 und 19 Uhr für die Kundschaft offen. Doch das wissen oft nur Insider. Eigentlich sei der Direktverkauf aus einer Gewohnheit heraus entstanden, erinnert sich der 52-jährige Landwirt. „Die älteren Bauern aus dem Dorf haben schon zu LPG-Zeiten ihre Milch hier geholt.“ Noch immer nutzen vor allem Stammkunden die Gelegenheit, das gesunde Getränk aus erster Hand zu bekommen. Etliche Leute aus dem Dorf holen sich bei Jörg Stricker regelmäßig ihre Trinkmilch, eine Tierarzt-Tochter braucht die Rohmilch, um daraus leckeren Frischkäse zu machen, ein anderer Kunde verarbeitet die in Prietitz gekaufte Milch zu Mozzarella. „Unsere Milch ist völlig unbehandelt, kommt quasi direkt von den Kühen und wird für den Verkauf nur heruntergekühlt“, erzählt Jörg Stricker. Das Gros der gemolkenen Tagesmenge liefert der kleine Familienbetrieb an die Heinrichsthaler Milchwerke.

Eigentlich gelernter Hopfenmeister

Seit über zwanzig Jahren macht der Prietitzer nun schon in Milch. Dabei liegen die Wurzeln des 52-Jährigen eigentlich bei einem anderen Getränk – im weitesten Sinne. Jörg Stricker ist gelernter Hopfenmeister. Nach seiner Armeezeit arbeitete er 1983 in der Pflanzenproduktion Kriepitz. Vier Jahre kümmerte er sich dort um das Gedeihen der Hopfenpflanzen, dann wechselte er in den Prietitzer Kuhstall. Als nach der Wende das Aus für die Tierproduktion Elstra besiegelt war, wollte der Prietitzer sich damit nicht abfinden. „Ich hab gesagt: Ich bleibe hier. Und wenn ich ein Museum aus dem Betrieb mache“, erzählt der resolute Landwirt augenzwinkernd. Er blieb tatsächlich. Jörg Stricker kaufte den Betrieb und machte sich selbstständig. Er reduzierte die Zahl der Milchkühe von rund 140 auf 80 bis 90. Dafür stehen im Milchgut Stricker jetzt auch Kälbchen und Jungtiere mit im Stall. Sie sind schließlich die nächste Generation der Milchlieferanten.

Fünf Leute kümmern sich darum, dass es den schwarz-bunten Holstein-Rindern gut geht: Jörg Stricker, seine Lebensgefährtin, sein Sohn Mathias, eine Melkerin und ein weiterer Angestellter. Das Futter für die Wiederkäuer bauen die Prietizer selbst an. Denn 40 Hektar Wiese und 170 Hektar Acker gehören auch zum Betrieb. „Wir machen auch regelmäßig Stoffwechseluntersuchungen bei unseren Kühen“, verrät Mathias Stricker. Stellt sich dabei beispielsweise heraus, dass die Tiere Beta-Karotin-Mangel haben, dann greifen die Prietitzer nicht zu Chemie. Wozu auch. Das haben Bauern früher auch nicht gemacht. „Dann kaufen wir im Obsthof Rammenau einen Sack Möhren.“ Der wird dann verfüttert. „Da kommt Bewegung in die Fruchtbarkeit.“

Auch Getreide wird angebaut

Jörg Stricker liebt seinen Beruf. Trotzdem ist er nicht zufrieden. Grund ist der gegenwärtige Milchpreis. Mit dem sind anfallende Kosten nicht zu decken. Eigentlich müsste er seinen Betrieb zusperren. „Aber es gibt ja keine Alternative“, sinniert der Prietitzer Landwirt. Außerdem hängt er an seinem Unternehmen. Deshalb sind andere Einnahmequellen nötig. Und so reifen beispielsweise neben dem Futter auch Weizen und Raps heran, die verkauft werden. Und die schwarz-bunten Holstein-Rinder sind längst nicht mehr die einzigen Tiere auf dem Hof. Dort watscheln inzwischen auch Enten und Gänse. 60 bis 80 gehen zu Weihnachten über den Tisch. „Die Nachfrage wird immer größer.“

Beim Milch-Direktverkauf bekommt Jörg Stricker ein paar Cent mehr als in der Molkerei. Einen Automaten will er sich aber nicht hinstellen. Die Investition wäre zu teuer. Zwar gebe es schon einige sogenannte Milchtankstellen – die nächste zum Beispiel in Gnaschwitz. Allerdings liege der dortige Kuhstall auch günstiger, direkt an einer vielbefahrenen Straße, erklärt Mathias Stricker. „Hier kommt doch kaum jemand vorbei.“ Deshalb füllen die Prietitzer Kannen und Flaschen ihrer Kunden nach wie vor per Hand. „Das ist kein Problem.“ Neben der Milch bekommt jeder eine Belehrung mit auf den Weg. „Ich muss allen sagen, dass Rohmilch abzukochen ist“, erzählt der Landwirt. Das sei Vorschrift. „Aber ich trink sie immer direkt aus’m Tank.“ Frisch schmecke sie halt am besten.

Frische Milch gibt‘s zwischen 18 und 19 Uhr im Milchgut Stricker, Prietitz, Hauptstr. 32a