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Milchbauern tragen schwer am Preisverfall

Milchquoten, Preisverfall, bundesdeutsche Gesetze und EU-Richtlinien machen den Bauern das Existieren immer schwieriger. Die Niedercunnersdorfer Wiedereinrichterin Christa Model nahm gestern beim Besuch des CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer kein Blatt vor den Mund.

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Von Jana Ulbrich

Milchquoten, Preisverfall, bundesdeutsche Gesetze und EU-Richtlinien machen den Bauern das Existieren immer schwieriger. Die Niedercunnersdorfer Wiedereinrichterin Christa Model nahm gestern beim Besuch des CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer kein Blatt vor den Mund. Sie forderte ein Umdenken in der Politik.

Friedlich grasen die Färsen auf der Wiese neben dem Hof. Noch geht es ihnen gut, noch stehen sie ja nicht in Leistung. Denn was ihnen in ihrem Leben als bundesdeutscher Milchlieferant eines Tages abverlangt werden wird, das, sagt Christa Model, geht eigentlich auf keine Kuhhaut:

8 000 Liter Milch im Jahr muss eine Kuh geben, wenn der Landwirt überhaupt noch etwas verdienen will, erklärt die Wiedereinrichterin. „Das ist nicht gesund“, sagt sie. „Eine gute, gesunde Kuh gibt 6 000 bis 7 000 Liter und nicht mehr.“ Und jetzt, schüttelt die resolute Bäuerin den Kopf, soll die Milchleistung sogar noch auf 10 000 Liter hochgeschraubt werden. Dabei überlebt eine Kuh das übermäßige Melken schon jetzt im Durchschnitt gerade mal reichlich zweieinhalb Jahre.

„Das kann so nicht weitergehen“, ist Christa Model überzeugt. 27 Cent bekommt sie derzeit für jeden abgelieferten Liter Milch. Vor zwei Jahren hat sie noch 72 Pfennige bekommen. „Mit diesem Preis konnte ich leben“, sagt sie. „Mit dem heutigen nicht mehr.“ Durch den Milchpreisverfall hat ihr kleiner Familienbetrieb seitdem Monat für Monat Mindereinnahmen von 1 500 bis 1 700 Euro. Aber die Kosten sind die gleichen geblieben.

In einer Fachzeitschrift hat Christa Model jetzt gelesen, dass der Milchpreis künftig noch weiter sinken wird – auf 25, maximal 26 Cent. Die Kosten für den Landwirt dagegen werden auf 30 bis 35 Cent steigen. „Wie sollen wir diese Differenz denn ausgleichen?“, fragt Christa Model. Denn ihr Betrieb ist ausschließlich auf die Milchproduktion spezialisiert.

Hinzu käme eine Unsicherheit, die für die Landwirte noch nie so groß gewesen sei wie jetzt, sagt sie. „Wir wissen gar nicht, wo die Politik eigentlich hin will. Wir wissen nicht, in was und in welche Richtung wir noch investieren sollen. Und da investieren wir lieber gar nicht mehr“, ist ihre Konsequenz.

Helmut Müller, Geschäftsführer des Landvolkverbandes der Oberlausitz, kann das nur bestätigen. Er sieht die Ursachen für die seiner Meinung nach in vieler Hinsicht verfehlte Landwirtschaftspolitik schon in den Kreis-, Landes- und Bundesparlamenten, in denen nur sehr wenige Landwirte vertreten sind. „Die Landwirtschaft hat hier einfach keine Lobby“, sagt er.

Von früh bis spät werde von Subventionen für die Landwirte in Deutschland geredet, sagt Müller. Und es sehe immer so aus, als stünden die Bauern nur da und hielten die Hand auf.

Die Wirklichkeit aber sei anders: Zwischen sieben und neun Euro bekommt der Bauer für den Doppelzentner Getreide. „Ein Sack Getreide ist so viel wert wie eine Schachtel Zigaretten, das sind doch keine Relationen mehr“, sagt Helmut Müller. Und weil es gerade um Milchpreise ging: Die liegen beispielsweise in Italien aktuell bei 37 Cent.

Christa Model blickt in eine ungewisse Zukunft: „Jeder vierte Milchbauer wird in den nächsten Jahren aufgeben. Da will ich nicht dabei sein.“