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Milder Winter, zeitiger Frühling

Das warme Wetter sorgte im März und Anfang April für Hochgefühle. Jetzt droht wieder Frost. Ist das noch normal?

Von Katarina Lange

Der Raps blüht, an Bäumen und Sträuchern sprießt es. Warm und trocken, so kann man die vergangenen Wochen zusammenfassen. Erst ein milder Winter, dann ein zeitiger Frühling. Von der sommerlichen Vorfreude ist aber spätestens seit gestern nichts übrig. Heftige Graupelschauer gingen über der Sächsischen Schweiz nieder, gepaart mit Sturm und Regen. Von einem Extrem ins andere. Ist das noch normal?

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Typisch April: Sonne und Wärme folgen Sturm und Frost

„Das ist typisches Aprilwetter“, erklärt Meteorologe Helge Tuschy von Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Und davon bekommt Ostsachsen auch in den nächsten Tagen etwas ab. Nach dem zu warmen und trockenen März folgen nun Hagel- und Regenschauer. Schuld ist eine Kaltfront, die feuchte Luftmassen nach Sachsen drückt. „Dazu weht ein kräftiger Wind, der vor allem im Bergland Sturmböen entwickeln kann“, sagt der Wetterexperte. Auch bei den Temperaturen hat er keine guten Nachrichten. Der Winter meldet sich heute zurück. In der Nacht sinkt die Schneefallgrenze auf etwa 400 Meter. Heute früh könnten Autofahrer deshalb von Schneeglätte überrascht werden. In höheren Lagen seien zehn Zentimeter drin. Bei starkem Wind gibt es Schneeverwehungen.

„Im Verlauf des heutigen Tages beruhigt sich das Wetter aber langsam“, kündigt Helge Tuschy an. Die Schauer nehmen ab, der Wind bleibt jedoch böig, im Osterzgebirge gibt es weiteren Neuschnee. Die Temperaturen gehen noch einmal in den Keller. Auch im Flachland ist Frost möglich. Empfindliche Pflanzen sollten deshalb über Nacht geschützt werden.

Entwarnung vom Wetterdienst: Ostern wird’s wieder besser

„In Richtung Osterwochenende steht Sachsen wieder unter Hochdruckeinfluss“, gibt der Meteorologe Entwarnung. Die Temperaturen werden deutlich ansteigen, es soll trocken bleiben. „Schauer kann man aber nicht ganz ausschließen“, relativiert Helge Tuschy. Bei langfristigen Vorhersagen halten sich Meteorologen generell zurück. Nur auf maximal eine Woche könnte man eine zuverlässige Vorhersage treffen. Alles andere sei Spekulation.

Bestes Wetter für die Bauern: Zeitvorsprung genutzt

Landwirte spekulieren nicht, sie haben den Zeitvorsprung genutzt und haben die Felder bestellt. „Wir haben selten so ein entspanntes Frühjahr gehabt“, sagt Uwe Scheumann von der Agrarproduktion Struppen. Jetzt müsste es nur noch richtig regnen. Für das Aufgehen der Sommersaat reiche der sporadische April-Niederschlag zwar aus. Aber die Wintersaaten dursten und könnten viel Wasser gebrauchen.

Bei den Obstbauern ist der Zeitplan durcheinandergeraten. Der Vorfrühling wird in der Regel fürs Verschneiden und Neupflanzen genutzt. „Diesmal kam alles zusammen, die Bäume haben bei dem milden Frühjahr zeitig ausgetrieben, wir kamen kaum hinterher“, sagt Obstbauer Tilo Tünnermeier aus Langenwolmsdorf.

Angst vorm Borkenkäfer: Die Förster mögen’s gar nicht gern so warm

Den Forstleuten hingegen machen der milde, trockene Winter und der frühe Frühling Sorgen. Sven Irrgang, Leiter des Forstbezirkes Bärenfels im Osterzgebirge, wünscht sich Regen und niedrige Temperaturen für die nächsten Wochen. „Dadurch würde die Aktivität des Borkenkäfers gebremst und die Abwehrkräfte der Bäume würden gleichzeitig gestärkt werden“, sagte er. Falls Wärme und Trockenheit sich wieder durchsetzen, „steht uns vielleicht der berühmte Gau bevor“, sagt Irrgang. „Wenn die Temperaturen dauerhaft in den Bereich von über 25 Grad steigen und es weitgehend trocken bleibt, können sich die Borkenkäfer ideal vermehren.“

Frühling zum Niesen: Allergiker stehen unter Dauerbeschuss

Obwohl auch Heuschnupfen-Geplagte den Frühling mild mögen, hat er ihnen die Freude verdorben. Da alles zugleich blühte, standen sie unter Dauerbeschuss. Wer erst dann an eine Behandlung denkt, hat wenig Chancen. Die Therapie sollte einige Monate vor dem erwarteten Pollenflug beginnen und ganzjährig oder saisonal durchgeführt werden, rät der Pirnaer HNO-Arzt und Heuschnupfen-Fachmann Dr. Stefan Reinhold. (mit SZ/alm/sab/hw/sm)