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Miles-Davis-Album im Archiv entdeckt

Vor 30 Jahre machte der Star-Trompeter Aufnahmen, die nie veröffentlicht wurden. Dank seines Neffen kommen sie jetzt doch noch heraus.

Star-Trompeter Miles Davis nahm 1985 ein Album auf, das erst jetzt veröffentlicht wird.
Star-Trompeter Miles Davis nahm 1985 ein Album auf, das erst jetzt veröffentlicht wird. ©  dpa

Die Achtziger halt. Musikalisch wurde damals vieles rausgehauen, was einem heute nur noch die Haare zu Berge stehen lässt. Quietschbuntes Disco-Gehopse, aufgeblasener Stadionrock – und Modern Talking starteten. Für Jazzpuristen war Miles Davis schon vorher an der falschen Kreuzung abgebogen. Der Erfinder des obercoolen Bebop rutschte bereits seit Ende der Sechziger über Fusion-Klänge stetig weiter rüber in den Pop. Ein Sakrileg. Und ein absolutes Erfolgsmodell, hatte sich der Trompeter doch durch die stilistische Offenheit neue Käufergruppen erschlossenen und somit kommerziell riesigen Erfolg.

Dann kam „Tutu“. 1986 veröffentlichte Davis das Album bei seinem neuen Label Warner. Das Werk ließ durch den speziellen Synthie-Sound, den reduzierten Funk, den prägnanten Bass weltweit aufhorchen. Sogar in der DDR, wo Amiga die Platte umgehend in Lizenz herausbrachte. Doch erst jetzt wird klar, dass „Tutu“ gar nicht das erste Album für Warner gewesen ist. Davis hatte vielmehr schon im Oktober 1985 mit den Produzenten Randy Hall und Zane Giles in Los Angeles an den Aufnahmen für ein Album namens „Rubberband“ gearbeitet. Funky sollte das Ganze werden, dicht dran am Pop-Zeitgeschmack, weshalb Al Jarreau und Chaka Khan als Gastsänger eingeplant waren. Ob Davis selbst nicht zufrieden war oder die Labelbosse maulten – es ist nicht klar, warum die Aufnahmen unvollendet blieben und eingemottet wurden. Miles Davis widmete sich damals ganz den „Tutu“-Aufnahmen; „Rubberband“ wurde vergessen. Bis jetzt.

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Davis-Neffe Vince Wilburn schob 2017 die Fertigstellung des Ganzen an, holte sich die Produzenten von einst dazu und engagierte für die Gesangsparts die Sängerinnen Ledisi und Lalah Hathaway. Profis polierten den Sound, bauten um und an, jeweils ganz im Sinne des Meisters, wie sein Neffe betont. Das Problem: „Rubberband“ bleibt das Album eines Suchenden, der schon vor über 30 Jahren nicht recht glaubte, damit zu neuen Ufern vorzudringen.

Eine Platte, die in den Achtzigern manchen zum Staunen gebracht hätte, schafft das heute nicht mehr. Somit steht die Jazzwelt nicht Kopf, weil knapp 28 Jahre nach dem Tod von Miles Davis neue Musik von ihm auftaucht. Zumal er zu Lebzeiten eindeutig Besseres präsentierte. Dennoch hat „Rubberband“ seine Momente, weil es ein Großer gar nicht komplett verbocken kann. Fällt durch den Rummel jetzt ein bisschen Werbung für seine wirklich guten Alben ab, ist das ja kein schlechter Effekt.

Das Album: Miles Davis, Rubberband. Rhino/Warner

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