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Millimeterarbeit am Holzkoloss

Die Arbeiten an der Kottmarschanze gehen voran. Trotzdem kommt es auf jeden Tag an.

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Von Carina Brestrich

Bis bei den Skispringern auf dem Kottmar wieder Zentimeter über Sieg oder Niederlage entscheiden, gibt es noch viel zu tun. So kommt es an der Kottmarschanze momentan eher auf Millimeter an. Schließlich ist beim Verlegen der neuen Edelstahl-Spuren Präzision gefragt. „Damit die Schienen so exakt wie möglich liegen, nutzen wir ein Laser-Gerät“, erklärt Heiko Nitschke vom Skiclub Kottmar und zeigt auf ein kleines gelbes Gerät.

Gern hätten er und die anderen Helfer es schon zeitiger zum Einsatz gebracht. Aber die Bauarbeiten an der großen Schanze haben sich in den vergangenen Wochen verzögert. Freuten sich viele Leute über einen eher milden Winter, herrschten auf dem Kottmar durchaus raue Bedingungen. „Der böhmische Wind hat uns des Öfteren einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erklärt Heiko Nitschke. Gepaart mit Regen ergibt er keine gute Mischung. „Wenn das Baugerüst vereist ist, können wir leider nichts machen“, bedauert der Vereinsvorsitzende.

Dann nutzt nämlich auch der beste Zeitplan nichts. Und der ist durchaus straff. Bis zum 40. Jubiläum des Internationalen Mattenspringens im Mai soll die Schanze wieder fit sein. Seit September werkelt der Skiclub an dem Holzungetüm. Nach mehr als 45 Jahren hat die Verwitterung eine umfangreiche Rekonstruktion nötig gemacht. Rund 5 000 Arbeitsstunden soll diese dauern. Mit so viel rechnet der Skiclub, der die 103 000 Euro teure Sanierung überwiegend in Eigenleistung stemmen will.

Damit das gelingt, sind die Vereinsmitglieder und viele weitere ehrenamtliche Helfer mehrmals pro Woche im Einsatz. Björn Pallmer ist einer von ihnen. Seit 20 Jahren gehört er zum Skiclub Kottmar. Zur großen Schanze hat er seine ganz eigene Beziehung: „Ich bin selbst mal Skispringer gewesen“, erzählt er. Obwohl eine Fußverletzung seine Karriere mit 16 Jahren beendete, ist er dem 130-Mitglieder-Verein bis heute treugeblieben. Dieser wiederum kann die helfenden Hände des gelernten Maurers gut gebrauchen. Mit Kelle und Mörtel verpasst er dem neuen Schanzentisch derzeit den letzten Schliff.

Dass schon beim Bau der Holzschanze gute Arbeit geleistet wurde, haben Heiko Nitschke und die anderen Helfer bereits beim Abbau der Anlaufbahn gemerkt. Erst danach war der Zustand der komplizierten Balkenkonstruktion, die die Schanze hält, vollständig sichtbar: „Wir waren überrascht, denn wir hatten am Ende weniger Balken auszutauschen als ursprünglich gedacht“, sagt Heiko Nitschke.

Mittlerweile ist die etwa 60 Meter lange Anlaufbahn wieder drauf. Die neuen Bretter bekommen in den nächsten Wochen noch eine Schutzfolie, bis dann schließlich die Edelstahl-Spur verlegt und die Brüstung aufgebaut werden kann. Geschützt ist die Anlaufbahn dank der Folie aber nicht nur gegen Wettereinflüsse von oben. Auch gegen Unkraut unter dem Anlauf hat der Skiclub etwas unternommen. „Wir haben Schotter unter der Konstruktion verteilt, damit für uns die Pflege künftig einfacher wird“, erklärt Heiko Nitschke.

In den kommenden Wochen ist vor allem aber Streichen angesagt. Alle Holzteile der Schanze müssen mit versiegelnder Farbe eingepinselt werden. „Da kommt schon eine ganz schöne Fläche zusammen“, sagt der Skiclub-Chef. So etwa haben die Helfer schon rund 300 Liter der dunklen Flüssigkeit verbraucht.

Auch wenn es jetzt auf jeden Tag ankommt – Heiko Nitschke ist überzeugt, dass die Schanze bis zum Mattenspringen wieder einsatzbereit ist. „Es wird allerdings eine Punktlandung“, sagt er. So wird zwischen dem letzten Hammerschlag und der Abnahme durch den Deutschen Skiverband nicht viel Zeit bleiben, sagt Nitschke: „Manche Arbeiten dauern eben länger als wir gedacht haben. Aber schließlich baut man nicht alle Tage eine Schanze.“