merken
PLUS

Millionäre drohen mit Streik

Frankreichs Fußballklubs finden Steuern von 75 Prozent für ihre Stars ungerecht – und gehen auf die Barrikaden.

© dpa

Von Birgit Holzer, SZ-Korrespondentin in Paris

Dieses Mal ist der Präsident hart geblieben. Bei Protesten der Start-up-Unternehmer, der Bausparer oder der bretonischen Landwirte gegen Steuerpläne, die sie jeweils empfindlich getroffen hätten, war Francois Hollande bereits zurückgerudert, doch den Fußballklubs gab er nicht nach. Vergeblich forderten ihre Vertreter bei einem Gespräch im Elysée-Palast eine Ausnahme von der Reichensteuer von 75 Prozent auf Gehälter über eine Million Euro. „Der Präsident hat uns nicht angehört“, bedauerte Frédéric Thiriez, Präsident der Vereinigung der Europäischen Fußball-Profiligen, nach dem Treffen.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Die Steuer bleibt – und die Streikdrohung der Klubs ebenso. Als Geste des Widerstands wollen die obersten beiden französischen Ligen den Spieltag am letzten November-Wochenende ausfallen lassen, wie es die Mitglieder des Verbandes der Profi-Fußballklubs beschlossen haben.

Der letzte Streik im französischen Fußball liegt 41 Jahre zurück. In der Bevölkerung findet die Aktion kein Verständnis: Dort ist man empört über die „streikenden Millionäre“. „Streik ist den Angestellten von Unternehmen vorbehalten, nicht den Chefs“, sagte Michel Tonin, Präsident eines Fanklubs von Olympique Marseille.

Bei dem „außergewöhnlichen Solidaritätsbeitrag“ von 75 Prozent auf Gehälter ab einer Million Euro, der zwei Jahre lang (2013 und 2014) anfallen soll, handelt es sich um ein zentrales Wahlkampfversprechen von Francois Hollande. Bedrängt von seinem aggressiven Rivalen Nicolas Sarkozy und bemüht, linke Wählerschichten hinter sich zu sammeln, ließ sich der Sozialist im Frühjahr 2012 selbst diesen Coup einfallen.

In erster Linie gilt er als symbolische Maßnahme, die Schätzungen zufolge dem Staat rund 500 Millionen Euro einbringen und höchstens 3.000 Personen betreffen sollte.