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Millionen-Aufträge für den Klebe-Experten

Das Unternehmen ATN baut derzeit an einer Roboter-Anlage für Ford in Spanien. Eine zweite für China ist schon in Sicht.

Von Matthias Klaus

Torsten Hölzel ist zufrieden mit dem, was er sieht. Das ist momentan vor allem: Jede Menge Technik, Mitarbeiter, die geschäftig dazwischen unterwegs sind, viele Kabel und zehn Roboter, orangefarben. „Das ist wirklich ein großer Auftrag“, sagt der ATN-Geschäftsführer. In der Halle der GmbH im Oppacher Gewerbegebiet entsteht derzeit eine Anlage, mit der Ford im spanischen Valencia Scheiben in Autos einkleben wird. „Im Februar wird sie geliefert“, sagt Torsten Hölzel. Es handelt sich um eine der größten Anlagen, die das Unternehmen gebaut hat. Wert: zwei Millionen Euro. Bevor sie bei Ford in Valencia ihren Betrieb aufnimmt, tut sie es zunächst in Oppach. Eine Ford-Karosserie steht schon bereit für den Testlauf.

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„Dieses Verfahren ist bei uns der Normalfall“, schildert Ronny Gutte, Öffentlichkeits-Mann bei ATN. Es komme nur selten vor, dass eine Anlage ausgeliefert wird, ohne dass der Kunde zunächst den Betrieb vor Ort begutachtet und eventuelle Änderungswünsche angebracht hat. „Der Vorteil ist: Wir haben hier vor Ort die Leute und die Technik, um mögliche Änderungswünsche schnell umzusetzen“, sagt Gutte. Über 100 unterschiedliche Scheibenvarianten muss die Anlage für Ford Spanien in Valencia einsetzen können. „Da geht es um Heck-, Front und Seitenscheiben für verschiedene Fahrzeugtypen - getönt oder ungetönt, beheizt oder unbeheizt, mit oder ohne Regensensor oder zm Beispiel mit der Option Active-City-Stop.“, erläutert Ronny Gutte. Das alles muss diese eine Anlage leisten können. ATN kauft die benötigten Roboter zu oder bekommt sie vom Kunden beigestellt, programmiert sie in Oppach auf die entsprechenden Anforderungen. Viele Klebe- und Automatisierungsexperten, die dies alles leisten können, gibt es nicht - ein Vorteil für die Oberlausitzer. „Wir haben einen Wissensvorsprung“, sagt Gutte. Kleben im Automobilbau und anderswo wird zunehmen. Heute werden pro Pkw bereits etwa 15 bis 18 Kilo Kleber eingesetzt. Zudem nehme der Leichtbau im Automobilbau zu - ein weiteres Feld, bei dem Kleber zum Einsatz kommt. „Bleche beispielsweise werden immer dünner. Um die erforderliche Steifigkeit zu erreichen, werden sie strukturiert und miteinander verklebt“, so der Öffentlichkeitsarbeiter.

Zudem seien es nicht mehr nur die Autofirmen selbst, die auf ATN setzen, sondern unter anderem auch die Zulieferer. Bisher war die ATN Hölzel GmbH vorrangig in der Endmontage tätig, wobei man inzwischen schrittweise auch in andere Bereiche in der Automobilfertigung vordringt, so Ronny Gutte. Eine Anlage für Argentinien ist gerade aus der Montagehalle raus, eine Panoramadach-Anlage für Webasto entsteht parallel zu der für Valencia - ATN ist gut im Geschäft. „So gut, dass wir ein Platzproblem haben“, sagt der Öffentlichkeitsarbeiter.

Denn der nächste Großauftrag wartet schon. China, ebenfalls von Ford geordert, über drei Millionen Euro Umfang. ATN baut nebenan eine neue Halle. „Sie wird sozusagen ein Spiegelbild der vorhandenen. Das System hat sich gut bewährt“, schildert Ronny Gutte. Seit dem Richtfest im September hat sich schon jede Menge am und im Neubau getan. Ein massiver Betonfußboden ist eingezogen, ein Dach zwischen Alt- und Neubau fertig. In der neuen Halle werden unter anderem Konstruktionsbüros Platz finden, außerdem soll das Gebiet der Robotertechnik ausgebaut werden. „Generell haben wir dann mehr Möglichkeiten. Zum Beispiel können wir noch stärker in der Forschung tätig werden“, sagt Ronny Gutte. Die Valencia-Anlage hätte man schon gern in der neuen Halle aufgebaut. Das hat leider noch nicht funktioniert. Aber der Hallenbau liegt dennoch im Plan. Wegen des vergangenen langen Winters kam es zunächst zu Verzögerungen von etwa einem Monat. Die wurden aber aufgeholt. Im Frühjahr, im März oder April, soll das neue Gebäude fertig sein. Etwas später, im Mai, plant ATN den Neubau und, das Unternehmen allen Interessierten zu zeigen. „Es wird am 10. Mai einen Tag der offenen Tür geben, unter anderem mit einem Familienfest“, schildert Ronny Gutte.

Im vergangenen Monat ist die ATN Hölzel GmbH mit dem Unternehmerpreis des Ostdeutschen Sparkassenverbandes ausgezeichnet worden. Die Firma wird damit als eine geehrt, die den Zukunftsmarkt entdeckt habe. „Wir sehen in der Würdigung neben der Entwicklung der Firma auch eine Auszeichnung unseres Unternehmens für die Bedeutung in der Region“, sagt Ronny Gutte.