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Millionen Corona-Reserve für Elblandkliniken

Die Kosten für die Pandemie-Vorsorge waren hoch. Noch ist unklar, wie sie gedeckt werden. Das Jahr 2019 lief für die Häuser überdurchschnittlich gut.

Noch mehr als sonst wird während der Corona-Krise in Krankenhäusern auf Keimfreiheit geachtet. Das verursacht erhebliche Mehrkosten.
Noch mehr als sonst wird während der Corona-Krise in Krankenhäusern auf Keimfreiheit geachtet. Das verursacht erhebliche Mehrkosten. © Symbolbild: Sebastian Schultz

Meißen. Es fängt beim in größeren Mengen nötigen Desinfektionsmittel an und hört bei zusätzlicher Medizintechnik wie Intensivbetten und Beatmungsgeräten auf: Die Corona-Krise hat den drei Krankenhäusern der Elblandkliniken-Gruppe ganz erhebliche Mehrausgaben beschert. Wer dafür aufkommt, ist nicht bis ins Detail geregelt.

Nach Angaben des in Berlin ansässigen Dachverbandes Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reichen die gesetzlich vorgesehenen Ausgleichszahlungen für die Krankenhäuser nicht aus, um die Erlösausfälle und Zusatzkosten durch die Covid-19-Pandemie zu kompensieren. Dadurch habe sich die wirtschaftliche Situation der Häuser im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. „Gerade bei den größeren Häusern ab 600 Betten ist das Problem eklatant“, so der DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Die Krankenhäuser fordern, dass auch die privaten Krankenkassen einen Pandemie-Zuschlag an die Kliniken zahlen sollten.

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Riesige Investitionslücke schließen

Kurzfristig hilft der Bund derzeit auf verschiedenen Wegen: Für verschobene planbare Operationen und Behandlungen erhalten Krankenhäuser einen finanziellen Ausgleich aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds. Bis Ende September bekommen die Krankenhäuser für jedes freigehaltene Bett eine Pauschale von 560 Euro pro Tag. Für jedes Intensivbett, das die Krankenhäuser zusätzlich schaffen, gibt es einen Bonus in Höhe von 50.000 Euro.

Mehrkosten, insbesondere bei persönlichen Schutzausrüstungen, werden über einen Zuschlag je Patient in Höhe von 50 Euro gegenfinanziert. Er kann bei Bedarf verlängert und angehoben werden. Der vorläufige Entgeltwert in der Pflege wird um rund 38 Euro auf 185 Euro pro Tag erhöht.

Längerfristig soll über die Aufnahme der Klinikbranche in das Corona-Konjunkturpaket Investitionssicherheit geschaffen werden. Drei Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr sind dabei der Betrag, der nicht nur von den Krankenhäusern gefordert, sondern auch von der Bundesregierung und den Krankenkassen als reale Lücke beziffert wird.

Der Teilneubau des Krankenhauses Riesa ging auch während der Corona-Krise voran. Neben den laufenden Betriebkosten hat das Unternehmen auch diese wichtige Aufgabe zu finanzieren.
Der Teilneubau des Krankenhauses Riesa ging auch während der Corona-Krise voran. Neben den laufenden Betriebkosten hat das Unternehmen auch diese wichtige Aufgabe zu finanzieren. © Lutz Weidler

Bis diese Gelder allerdings tatsächlich vor Ort ankommen, dürfte eine erhebliche Zeitspanne vergehen. Der Kreistag soll in seiner Sitzung am Donnerstag ab 16 Uhr in der Riesaer Stadthalle Stern deshalb den Landrat ermächtigen, bei Bedarf einen Überbrückungskredit in Höhe von fünf Millionen Euro für den kreiseigenen Gesundheitskonzern abschließen zu dürfen. Dieser solle die Liquidität des Unternehmens, welches rund 2.700 Mitarbeiter beschäftigt, sicherstellen. Im Verwaltungsausschuss wurde die Vorlage bereits einstimmig durchgewunken.

In der Begründung für den von der Verwaltung erarbeiteten Antrag wird aufgezählt, welche Kraftakte die Elblandkliniken seit Anfang bis Mitte März zu bewältigen hatten. Unmittelbar zu Beginn der Krise wurde ein Testgerät für Covid-19-Patienten angeschafft, womit das Haus in Meißen in dieser frühen Phase eines von sieben Testlaboren in Sachsen war. Zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung entstand ebenfalls in Meißen eine eigene Corona-Ambulanz, die parallel zur regulären Notaufnahme lief.

Aktuell verfüge das Unternehmen trotz der Mehrausgaben über ausreichend Rücklagen, um neben den laufenden Betriebskosten auch die Baumaßnahmen - vor allem in Riesa und Radebeul - wie geplant zu finanzieren, heißt es in der Vorlage weiter. Durch den Beschluss des Kreistages solle Vorsorge getroffen werden, im Bedarfsfall schnell für eine Übergangszeit über frisches Geld verfügen zu können.

Fast alle Tochterunternehmen schreiben schwarze Zahlen

Während der Ausblick auf die nächsten Monate mit verschiedenen Fragezeichen verbunden ist, fällt der Rückblick überdurchschnittlich positiv aus. Ebenfalls am Donnerstag stimmt der Kreistag über den Jahresabschluss der Elblandkliniken-Gruppe für das vergangene Jahr ab. Mit 9,5 Millionen Euro fällt der Erlös um drei Millionen höher aus als das Ergebnis 2018. Besonders in Meißen und Riesa hätten sich die Zahlen erneut verbessert, heißt es weiter. Bis auf die Sterilgutgesellschaft lagen alle Unternehmenstöchter im Plus. 

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Der Überschuss fließt in die Gewinnrücklage ein und dürfte inbesondere dazu verwendet werden, die Baumaßnahmen in Riesa sowie Radebeul zügig voranzutreiben und nötige Investitionen zu tätigen. Diese Ausgaben werden durch die staatlichen Zuschüsse sowie Patientenpauschalen der Krankenkassen  nur ungenügend abgedeckt.

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