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Millionen für die Häuser unterm Bautzener Schloss

Entlang der Straße unter der Ortenburg stehen 14 Gebäude leer. Nun gibt es für das Viertel neue Fördermittel.

© Uwe Soeder

Von Frances Scholz

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Der Putz blättert ab, die Fenster sind verwaist, einige Dachziegel fehlen: Viele Grundstücke an der Straße Unterm Schloss und auf der Gerberstraße verfallen schon seit Jahren. Jedes fünfte Haus ist unsaniert, 14 Gebäude stehen leer.

Um diesen Zustand weiß auch die Stadtverwaltung. Damit sich etwas in dem Gebiet tut, wurden im vergangenen Sommer neue Fördermittel speziell für das Areal unterm Schloss, für die Gerberstraße, den Taschenberg und einen Teil der Straße Vor dem Schülertor bei der Sächsischen Aufbaubank beantragt. Denn 2017 laufen die jetzigen Mittel, die auch für die Sanierung der Innenstadt genutzt wurden, aus. Im vergangenen November bekam die Stadt dann eine Zusage für das frische Geld. „Der Gesamtförderrahmen für das Gebiet beträgt 5,2 Millionen Euro“, sagt Katja Eberhardt. Sie ist verantwortlich für die Beantragung der Städtebauförderung. Ob diese Summe jedoch komplett beantragt wird, werde sich im Laufe des Durchführungszeitraumes erst zeigen.

Denn die Beantragung der Fördermittel erfolgt immer in Teilsummen für fünf Jahre. Für die Jahre 2014 bis 2018 stehen erst einmal rund 1,3 Millionen Euro zur Verfügung. „Eine weitere Fördermittelbeantragung ist davon abhängig, wie viel Geld in den kommenden Jahren für die Umsetzung verschiedener Maßnahmen benötigt wird“, erklärt Katja Eberhardt.

Genügen werden die Fördermittel für eine komplette Sanierung aber nicht. Im vergangenen Jahr schätzte die Stadtverwaltung die Baukosten für das Viertel auf neun Millionen Euro. Damit könnte aber nur das Äußere in Ordnung gebracht werden. Wie hoch die Kosten für die Sanierung heute sind, kann Katja Eberhardt nicht einschätzen. „Einen tatsächlichen Umfang an Kosten für die Erneuerung aller Gebäude könnte erst nach Vorlage von genauen Planungen zur Sanierung der einzelnen Gebäude erfolgen“, sagt sie.

Die Hauseigentümer tragen dabei einen Großteil der Baukosten selbst. Sie müssen bei der Stadtverwaltung ein entsprechendes Sanierungskonzept vorlegen. Anhand dessen wird überprüft, ob Fördermittel dazugegeben werden können. Wie viel der Besitzer am Ende bekommt, hängt vor allem vom Zustand des Hauses ab. Die Stadt hat dabei aber keine Prioritätenliste.

„Wir haben bereits Gespräche mit Eigentümern geführt“, sagt Katja Eberhardt. Im Januar sollen weitere Hausbesitzer über die Möglichkeit der Förderung informiert werden. „Erste Einzelmaßnahmen können bereits beginnen.“ Die Stadt hofft, dass möglichst viele Eigentümer nun auf die neuen Gelder zurückgreifen und dass die maroden Häuser saniert werden.

In den vergangenen Jahren nutzten wenig Eigentümer diese Möglichkeit. Wenig Sonne, eine schwierige Parksituation und die Nähe zur Spree, durch die Hochwasser nicht ausgeschlossen ist, könnten Gründe sein, dass in diesem Areal eher zögerlich investiert wird. Katja Eberhardt glaubt aber nicht, dass es an dem Gebiet liegt. „Seit 1990 ist auch hier schon viel saniert worden. Sicherlich spielt die individuelle Finanzierungsmöglichkeit einer solchen Baumaßnahme eine wesentliche Rolle.“

Die Häuser und das Gebiet unterm Schloss zählen zu den Vierteln in Bautzen, die am längsten besiedelt sind – schon im 12. Jahrhundert gab es dort Häuser. Allein fünf Gebäude stammen noch aus der Zeit des Spätmittelalters um 1500 und 17 Häuser aus dem 18. Jahrhundert. „Die geschlossene Bebauung ist von großer baugeschichtlicher und städtebaulicher Bedeutung“, sagt Katja Eberhardt.

Das Ziel sei, das Viertel vor allem als innenstadtnahen Wohnstandort zu erhalten und die Wohnqualität zu verbessern. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, wie viele Eigentümer zum Erhalt dieses Viertels auch finanziell beitragen können. Die ersten Bauprojekte könnten jedenfalls schon in diesem Jahr starten.

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