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Millionen für moderne Fensterproduktion

In Rothenburg werden Bauelemente jetzt industriell gefertigt. Und man will noch mehr vom Auftragskuchen.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

Rothenburg. Wenn Stephan Quill in die Werkhallen der Evers Bauelemente GmbH in der Friedensstraße schaut, dann tut er das mit einem guten Gefühl. Seitdem das Unternehmen 2016 neue Gesellschafter gewonnen hat, ist aus der früher eher manuellen Herstellung eine Fertigungskette mit hohem automatischen Anteil geworden. Stefan Brömse, ein anerkannter Experte aus der Fensterbaubranche, und die Beteiligungsgesellschaft Ceterum GmbH haben das Potenzial des Rothenburger Unternehmens erkannt und in seine Weiterentwicklung investiert. „Team und hergestellte Produkte harmonieren miteinander. Wir haben alle ein höheres Level erreicht“, sagt der Betriebsleiter, der zuvor in leitender Funktion viele Jahre in der Automobilindustrie beschäftigt war und bei Evers eine neue Herausforderung gefunden hat.

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Individuelle Lösungen möglich

1,8 Millionen Euro hat die Firma im vergangenen Jahr in ein neues EDV-System, moderne Maschinen und Anlagen sowie ein Hochregallager investiert. „Damit sind wir jetzt einer der modernsten Fensterbauer in Deutschland“, schwärmt Quill. Die überwiegend von Großabnehmern für Baustellen in der ganzen Bundesrepublik bestellten Bauteile werden fast vollautomatisch hergestellt – vom Einlesen der für jedes Fenster und jede Tür individuellen Daten über den Zuschnitt der Profile bis hin zum Komplettieren der danach zum Abtransport bereitstehenden Ware. „Trotz oder gerade wegen unseres hohen Automatisierungsgrades können wir ganz individuelle Lösungen liefern“, so Quill. Dazu hat man sich für feste Systemzulieferer entschieden. Bei den Profilen setzen die Rothenburger auf die Marke Gealan, bei den Beschlägen auf die Firma Maco. „Wir vereinen diese Systeme zu einem stimmigen Produkt“, erklärt der Betriebsleiter, dessen 125 Beschäftigte längst im Zwei-Schicht-System arbeiten.

Mit der Vielfalt an Dekoren lassen sich heute nahezu alle Kundenvorstellungen verwirklichen. Auf den Träger wird dabei eine zweite Kunststoffoberfläche aufgebracht, die kratzbeständig ist und alle Designwünsche erfüllt. Dabei versteht sich Evers als Vollsortimenter. Zu 90 Prozent werden Fenster und Türen aus Kunststoff hergestellt. Holz und Aluminium machen zusammen nur zehn Prozent aus. „Inzwischen ist Kunststoff so langlebig, dass die Nachfrage nach Fenstern und Türen aus diesem Material immer weiter steigt. Außerdem gibt es so täuschend echte Dekore, dass fast kein Unterschied zur Maserung und den verschiedenen Holzarten zu erkennen ist“, beschreibt Stephan Quill die Produktqualität. Nur der Denkmalschutz spiele noch nicht mit. „Wo Holzfenster waren, sollen auch wieder Holzfenster hin“, fordern sie.

Infos über die Firma

Gegründet wurde die Firma Evers Bauelemente GmbH im Jahre 1994.

Gefertigt wird nach den aktuell gültigen RAL-Güterichtlinien. Damit sind die Produkte mit dem RAL-Gütezeichen ausgestattet.

Geliefert wird innerhalb Deutschlands, aber auch nach Tschechien und in die Benelux-Staaten.

Haltbar sind die nach den neuesten für die Wärmedämmung geltenden Vorschriften gefertigten Evers-Fenster mindestens 30 Jahre.

Geforscht wird in einer eigenen Technikabteilung. Von hier aus werden vor allem die Systemgeber mit Innovationen unterstützt.

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Natürlich bleiben die Anforderungen im Fenster- und Türenbereich nicht auf dem heutigen Stand stehen. So werden verstärkt sicherheitstechnische Dinge angefragt, aber auch elektronische Komponenten spielen eine immer größere Rolle. „Im Erdgeschoss und in der ersten Etage eines Hauses sollte eigentlich jedes Fenster mit einbruchshemmenden Merkmalen ausgestattet sein“, erläutert Quill. Trotzdem seien erst zehn Prozent der Gebäude in Deutschland damit ausgerüstet. Ein weites Feld also für die Rothenburger Firma, die auch im Bereich Smart Home den Trend auf dem deutschen Fenster- und Türenmarkt mitbestimmen will. „Das wird noch sehr spannend“, ist der Betriebsleiter überzeugt. So wird sich über eine App in Zukunft die Beschattung in Gebäuden regeln lassen. Fenster wird man bald in jeglicher Stellung öffnen können. Außerdem geht es bei Türen weg vom Schlüssel, hin zum Fingerprint. Schlösser würden durch motorische Ansteuerungen geöffnet und geschlossen. Marktreif sei das wohl in ein, zwei Jahren, blickt der Fachmann voraus.

2018 weitere Investition geplant

Heute schon real ist die Konkurrenz aus dem Osten. Vor allem polnische Fenster- und Türenbauer haben sich ausgebreitet auf dem deutschen Markt. Von den pro Jahr in der Bundesrepublik verbauten 14 Millionen Fenstern wird jedes vierte von jenseits der Neiße angeliefert. „Es gibt in Polen nur wenige große Hersteller, doch deren Schlagkraft ist immens. Einige davon haben sich direkt auf Aufträge aus Deutschland spezialisiert“, sagt Stephan Quill. Die Qualität sei mit der von Evers-Produkten nicht zu vergleichen, allerdings auch besser als ihr Ruf. Denn immerhin müssten sich auch die Polen an die hierzulande geltenden Bauvorschriften halten – vor allem, was die Dämmwerte betrifft. Um den Produzenten aus dem Nachbarland das Wasser abzugraben, „müssten wir unsere Preise um 30 Prozent senken. Das geht natürlich nicht. Unser Thema ist die Qualität. Mit der erzeugen wir einen Mehrwert für die Kunden.“

Um die gute Entwicklung auch in den nächsten Jahren weiterzuführen, wird schon 2018 erneut investiert. Rund zwei Millionen Euro sollen in den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes, einer Hofüberdachung und eines Ausstellungsbereiches mit Beratungsmöglichkeiten fließen. Mitte des Jahres sollen die Bauanträge genehmigt sein, sodass die neuen Räume 2019 benutzbar sind.