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Millionen fürs Armaturenwerk

Bei der Roßweiner Armaturen und Messgeräte GmbH geht es steil bergauf. Nur in einem blieb der Erfolg in diesem Jahr aus.

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Von Maria Lotze

Von einst 35 auf rund 100 Mitarbeiter soll die Belegschaft der Roßweiner Armaturen und Messgeräte GmbH in den nächsten drei Jahren wachsen. Dafür investierte die Meibes-Gruppe, die 2008 das Werk übernommen hat, in den vergangenen Jahren vier Millionen Euro. In diesem Jahr sind über eine Million Euro in den Standort an der Wehrstraße geflossen.

Neu entstanden ist unter anderem ein Labor. Unter extremer sowie dauerhafter Belastung können dort seit kurzem Produkte getestet werden. Auch neue Entwicklungen werden in dem Labor ausprobiert, so zum Beispiel die Fußbodenheizung, deren Temperatur sich mit dem iPhone einstellen lässt. Drei Arbeitsplätze werden voraussichtlich in der Abteilung Forschung und Entwicklung noch entstehen, so Exportleiter Rainer Schaal. Dass es in Roßwein wieder eine solche Abteilung gibt, zeige, dass es mit dem Armaturenwerk wieder aufwärtsgeht. Die Roßweiner Armaturen haben 2008 fast nur noch produziert, nichts mehr entwickelt. Das ist nun nicht mehr so. „Daher brauchen wir nun das Wissen von Ingenieuren und müssen die Produkte testen“, sagt Schaal.

Auch in der Produktion wird sich noch in diesem Jahr etwas tun. Für 370000 Euro werden Druck- und Robotertechnik für die Fertigung von Thermostaten nach Roßwein geholt. „Das ist die letzte große Investition in diesem Jahr“, erklärt Robert Sagstetter, der Geschäftsführer der Meibes System-Technik-GmbH. Im kommenden Jahr sollen nochmals eine Million Euro in das Roßweiner Werk fließen. Vor allem an den Gebäuden muss etwas gemacht werden. Ein Teil des Daches ist bereits saniert worden, der Rest kommt noch. „In die Gebäude kann nur etappenweise investiert werden“, sagt Schaal.

Ausschlaggebend dafür, dass die Meibes-Gruppe soviel Geld in den Roßweiner Standort steckt, war ein Großauftrag aus dem Irak. Für rund 9 Millionen Euro fertigt das Werk Wasserzähler für das Land an. „Der Auftrag hat uns einen großen Schub gegeben“, sagt Sagstetter. 2008 stand das einstige Armaturenwerk kurz davor, ein Sanierungsfall zu werden. „Früher waren in dem Werk einmal 1100 Mitarbeiter beschäftigt, 2008 waren es nur noch 35“, sagt Sagstetter. „Zu DDR-Zeiten hat das Werk den gesamten Ostblock beliefert, in den 1990er Jahren wurde alles systematisch zurückgefahren.“ Heute arbeiten wieder 70 Frauen und Männer für das Unternehmen. Tendenz steigend. Im kommenden Jahr, so das Ziel des Meibes-Geschäftsführers, könnte die Belegschaft bereits auf 75 bis 80 Personen wachsen. Beim Umsatz strebt Sagstetter 20 Millionen Euro an, zwischen 12 und 13 Millionen Euro lag der Umsatz bei der Übernahme.

Fast alle 35 Mitarbeiter von 2008 sind noch im Unternehmen. Die Industrie schaffe es nicht, dem Armaturenwerk die Fachkräfte abzuwerben. „Wir haben so gut wie keine Fluktuation im Unternehmen“, sagt Sagstetter. Bei Neueinstellungen gibt die Firma auch Langzeitarbeitslosen eine Chance. „Zum 1. Januar 2013 fängt bei uns eine 45-Jährige an, die lange Zeit arbeitslos gewesen ist. Beim Praktikum hat sie sich bewährt“, erklärt Prokurist und Vertriebsleiter Dirk Petrich. Zudem setzt das Unternehmen auf die Erfahrung seiner älteren Mitarbeiter. „Wenn ich die Älteren rauswerfe, die sich mit ihrer Erfahrung einbringen und diese weitergeben, beraube ich mich meiner Ressourcen“, sagt Sagstetter.

Nur mit einem hat es in diesem Jahr nicht geklappt. Für das aktuelle Ausbildungsjahr wurde kein geeigneter Schüler gefunden. „Das hätten wir nicht gedacht. In den vergangenen Jahren gab es immer viele Initiativbewerbungen“, sagt Petrich. Bisher habe man sich auf die Bewerbungen und die Arbeitsagentur verlassen, gibt Robert Sagstetter zu. In den Schulen vor Ort hat man nicht um Nachwuchs geworben.