merken
PLUS Dresden

Millionen-Hilfe für Dresdner Veranstalter?

Das Coronavirus stürzt Dresdens Event-Branche in eine tiefe Krise. Nun fordert die FDP ein Paket, um Betroffenen zu helfen. Wer davon profitieren würde.

Um Veranstaltungen wie die Dresdner Schlössernacht zu erhalten, wird ein Not-Fonds gefordert.
Um Veranstaltungen wie die Dresdner Schlössernacht zu erhalten, wird ein Not-Fonds gefordert. © Sven Ellger

Dresden. Wann große Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern und Clubs wieder erlaubt sein werden, ist noch unklar. Aber auch die Veranstalter von kleineren Festen, Gastronomen und Händler hat die Corona-Krise hart getroffen.

Die Betroffenen machen durch Aktionen wie "Leere Stühle", "Stumme Künstler", "Night of Lights" und mehr auf sich aufmerksam. Bund und Land haben Hilfen zugesagt, aber wie viele aus der Event- und Freizeitbranche die Krise überstehen können, ist unklar.

Anzeige
Sachsenmilch bildet Milchtechnologen aus
Sachsenmilch bildet Milchtechnologen aus

Das Unternehmen aus Leppersdorf sucht Azubis für einen Beruf mit Zukunft - und hat eine Menge zu bieten.

In Dresden soll es nun ein umfangreiches Paket mit Hilfen geben, um den Betroffenen den Wiedereinstieg und damit das Geldverdienen zu erleichtern. Das fordert zumindest die FDP. "Wir erleben derzeit eine Art Berufsverbot für diese Branchen", sagt FDP-Fraktionschef Holger Zastrow. 

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Deshalb fordert die FDP, die Veranstalter etwas machen zu lassen - einfacher als bisher, auf Gebühren zu verzichten und einen Fonds aufzulegen, um "für Dresden prägende Veranstaltungen", die in Not geraten sind, zu unterstützen, damit sie auch künftig durchgeführt werden. Das Paket ist teuer.

Rettung für Traditionsveranstaltungen

Die Stadt habe bereits Hilfszahlungen für einige Bereiche ermöglicht, sagt FDP-Stadtrat Robert Malorny. Beispielsweise die Soforthilfe für Selbstständige und Einzelunternehmer. Von den zehn Millionen Euro profitierten 10.000 Dresdner. Zuletzt wurden die von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) vorgeschlagenen "Dresdner Kulturinseln" beschlossen und die 500.000 Euro dafür sogar vom Stadtrat auf eine Million Euro verdoppelt, um Dresdner Künstlern weitere Auftritttsmöglichkeiten zu schaffen und Besucher in die Stadt zu locken. 

Malorny fordert einen Not-Fonds für "die Stadt prägende Publikumsveranstaltungen", die bisher keine größere Förderung erhalten. Soll heißen, falls das Dixieland-Festival, die Musikfestspiele, die Schlössernacht, das Adventskonzert des Kreuzchors, die Filmnächte am Elbufer oder auch das Elbhangfest in finanzielle Schwierigkeiten kommen, soll die Stadt einspringen. "Es geht um eine einmalige Hilfe, die in diesem oder im kommenden Jahr in Anspruch genommen werden kann", erklärt Malorny. Dafür werden laut FDP bis zu einer Million Euro benötigt. Einen entsprechenden Antrag werde die FDP demnächst in den Stadtrat einbringen.

Plätze freigeben und Verzicht auf Gebühren

Geht es nach der FDP, sollen Altmarkt, Neumarkt, Neustädter Markt, Prager Straße, Hauptstraße, Theaterplatz, Schlossplatz und möglichst noch viele weitere Flächen künftig nahezu dauern bespielt werden. "Bisher ist es sehr schwierig, Genehmigungen für Veranstaltungen zu erhalten und wenn, dann ist es sehr teuer", sagt Zastrow.

Das solle sich ändern. Auch um neue Veranstaltungen zu ermöglichen. Egal ob Clubs kleinere Partys machen, Händler kurzfristig Märkte organisieren oder andere Ideen umgesetzt werden sollen. "Die Leute sind kreativ und umtriebig, wenn man sie lässt", ist sich Zastrow sicher. So könne beispielsweise auch geholfen werden, die ausgefallene "Bunte Republik Neustadt" doch im Herbst nachzuholen.

Diese neuen Veranstaltungen und auch bereits geplante Märkte wie die Weihnachtsmärkte sollen möglichst unkompliziert genehmigt werden. Außerdem soll die Stadt auf die Sondernutzungsgebühren und Konzessionsabgaben bis Ende 2021 verzichten, damit Veranstalter, Händler und Gastronomen diese Kosten nach den Corona-Verlusten sparen.

Die Stadt müsste damit auf mehrere Hunderttausend Euro an Einnahmen verzichten. Davon würde auch Zastrow selbst profitieren. Denn er ist mit seiner Agentur der Veranstalter des Weihnachtsmarktes Augustusmarkt an der Hauptstraße. "Ja, ich würde in diesem Fall profitieren, aber es hilft allen und wäre aus meiner Sicht legitim", sagt Zastrow auf Anfrage dazu.

Der FDP geht es vor allem aber darum, bestehende Veranstaltungen zu schützen. Das bedeutet, wenn die Nachfrage für bestimmte Plätze und Tage besonders hoch ist, soll es Kriterien geben, wer den Zuschlag erhält. "Es sollen publikumsstarke und traditionelle Events bevorzugt werden", so Malorny. Zwar sei auch darauf zu achten, dass lokale Veranstalter und bürgerschaftliche Initiativen zum Zuge kommen. Aber sie sollen die Dresdner Wirtschaft ankurbeln und den Dresdnern einen Mehrwert versprechen.  

Kostenlose Plakatwerbung

Bisher zahlen Veranstalter ein bis zwei Euro pro Plakat in der Größe A1, mit dem sie für ihr Event werben. Die genauen Kosten hängen von der Lage ab, wo es aufgehängt wird. Diesen Teil der Sondernutzungssatzung will die FDP vom möglichen Beschluss des Stadtrates bis Ende 2022 aussetzen.

"Bei kleineren Veranstaltungen werden bisher etwa 20 Plakate eingesetzt", so Malorny. "Die Zeit, die ein Verwaltungsmitarbeiter mit der Genehmigung und Abrechnung benötigt, kostet die Stadt im Zweifel mehr, sodass der Verzicht die Stadt kaum etwas kosten würde." Die Veranstalter sollen aber der Verwaltung mitteilen, wo sie wann plakatieren, bisherige Verbote wie an Friedhöfen gelten weiter.

Dresdner sollen es krachen lassen

Die Einschränkungen für Feuerwerke will die FDP bis Ende 2022 zurücknehmen. Seit 2018 hat die Stadt diese reglementiert. Nach Corona sollen die Regeln wieder aufgeweicht werden. "Dresden ist europaweit die Stadt der Feuerwerke", so Zastrow. "August der Starke hat sie aus Italien mitgebracht."

Mit mehr Feuerwerken will die FDP auch diesen Wirtschaftszweig ankurbeln. Aber auch private Kleinfeuerwerke sollen leichter möglich sein. "Dieses kleine Stück Lebensfreude sollten wir den Dresdnern nach Corona gönnen", meint Zastrow.

Ob diese Hilfen kommen, entscheidet der Stadtrat. Bis zum teuersten Punkt, den Not-Fonds, hat die FDP Anträge in den Geschäftsgang des Stadtrates gebracht. Bei der Plakatwerbung und dem Verzicht auf die Sondernutzungsgebühren für Veranstaltungen hofft die FDP auf Entscheidungen im Sommer. Für die Plakatwerbung muss die entsprechende Satzung geändert werden. Dies könnte frühestens im September entschieden werden. Der Antrag zum Not-Fonds ist noch nicht fertig. Wann darüber entschieden wird, ist offen.

Weiterführende Artikel

Kulturinseln beleben Dresdner Innenstadt

Kulturinseln beleben Dresdner Innenstadt

Die Stadt hat eine halbe Million Euro für ein einzigartiges Projekt bereitgestellt, das freischaffende Künstler, Dresdner und Touristen gleichermaßen erfreuen soll.

Dresdner Kultur: Absturz auf Provinz-Niveau?

Dresdner Kultur: Absturz auf Provinz-Niveau?

Schließungen von Kultureinrichtungen, weniger Geld für freie Künstler und Bibliotheken – nach den Kürzungsplänen des OB macht sich Angst breit.

Protest: Dresdner Künstler in Not

Protest: Dresdner Künstler in Not

Zum fünften Mal haben Kulturschaffende am Mittwoch auf dem Dresdner Neumarkt demonstriert. Was sie wollen.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden