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Millionen-Investition abgelehnt

Für die Nachnutzung eines Gewerbegeländes fand sich im Spreetaler Gemeinderat keine Zustimmung aus Furcht vor Geruch.

Auf dem in Rede stehenden Gelände nahe dem Industriepark Schwarze Pumpe gibt es neben dieser großen Halle auch noch ein Verwaltungsgebäude.
Auf dem in Rede stehenden Gelände nahe dem Industriepark Schwarze Pumpe gibt es neben dieser großen Halle auch noch ein Verwaltungsgebäude. © Foto: Mirko Kolodziej

Spreetal. Enttäuscht ist der Vetschauer Hannes Wilhelm-Kell. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass nicht ernsthaft geprüft wird, wenn es um Gewerbesteuereinnahmen in sechsstelliger Höhe geht“, sagt der 49-Jährige. 

Seine Enttäuschung hervorgerufen hat der Spreetaler Gemeinderat am Dienstag mit der Ablehnung eines Vorhabens an der Südstraße in Spreewitz, über das Wilhelm-Kell nach seinen Angaben gut anderthalb Jahre verhandelt und für das er mit so viel Transparenz wie möglich geworben habe. Es geht um die Nachnutzung der rund vier Hektar des Lobbe-Logistikzentrums zwischen dem Rangierbahnhof und dem Solarfeld. Die Recycling-Firma Lobbe hatte sich vor ungefähr einem Jahrzehnt auf dem Gelände der einstigen Mischbrennstoffanlage niedergelassen, braucht es jedoch mittlerweile nicht mehr.

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Das Vorhaben, für das es im Gemeinderat nach vorheriger Ablehnung sowohl im Ortschaftsrat Spreewitz-Zerre wie auch im Gemeindeausschuss nicht eine einzige Stimme gab, war die Errichtung einer Anlage zur Schnellkompostierung organischer Materialien, darunter getrockneter und entwässerter Klärschlamm. Das Produkt ist Dünger. Hannes Wilhelm-Kell sagt, es gehe um die Nutzung einer neuen, in Tschechien entwickelten Technologie, die man gern weltweit vermarkten wolle. „Das wird also ein Vorzeigestandort, der besonders gehegt und gepflegt wird“, warb er vor der Abstimmung um ein positives Votum der Räte. Auf rund dreieinhalb Millionen Euro sollte sich die Investitionssumme belaufen. Die Rede war von bis zu 15 Arbeitsplätzen und eben von 150 000 bis 200 000 Euro Gewerbesteuer-Aufkommen pro Jahr.

Das hauptsächliche Argument für die Ablehnung einer nötigen Änderung des Bebauungsplanes ist laut Wilhelm-Kell gar keines: „Es ist definitiv ausgeschlossen, dass es eine Geruchsbelastung für Anwohner gibt, von denen die nächsten gut 600 bis 700 Meter entfernt wohnen.“ Es gäbe anderenfalls auch gar keine behördliche Genehmigung. „Wir sind gebrannte Kinder“, sagt dagegen der Spreewitzer Gemeinderat Werner Reeb. Die Erfahrungen nicht nur zu Zeiten des Gaskombinates, sondern auch später unter anderem mit der Kläranlage des einstigen Sekundärrohstoffverwertungszentrums sowie den Ausdünstungen der inzwischen beseitigten Teerseen prägen die Erinnerungen vieler Dorfbewohner. Hannes Wilhelm-Kell versteht das auch und hat sein Vorhaben daher nicht nur in einer Bürgerversammlung vorgestellt, sondern es gab auch zwei Befahrungen in Anlagen in Tschechien beziehungsweise in der Slowakei.

In einem Protokoll der Besichtigungstour steht etwas von Geruch, der von einem offenen Klärschlamm-Lagersilo ausgegangen sei. Wilhelm-Kell erwidert, so etwas sei zwar in Tschechien, nicht aber in Deutschland erlaubt: „Hier gäbe es Kompostierung im Inneren mit einer Abluftreinigung.“ Er findet, der Gemeinderat habe eher auf einer Gefühlsbasis entschieden als auf der Grundlage von Fakten. Zwar gibt es nun das Angebot von Frank Fichtner aus der Spreetaler Bauverwaltung, einen beziehungsweise zwei andere Standorte offerieren zu wollen. Aber der Unternehmer aus Vetschau, der ehrenamtlich die Partei Lausitzer Allianz (Wendische Volkspartei) führt, findet das Gelände in Sichtweite des Industrieparks Schwarze Pumpe ideal. Es umfasst nämlich nicht nur eine Halle mit 6 000 Quadratmetern Nutzfläche, sondern auch ein Verwaltungsgebäude. Er wolle nun noch einmal das Gespräch mit der Gemeinde suchen, erklärt Wilhelm-Kell. Sollte es bei der Entscheidung bleiben, werde das Vorhaben eben anderswo umgesetzt.

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