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Wenig Gäste: Riesenverlust für Busverkehr

Die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf brachen seit März so stark ein wie noch nie. Die Lage bessert sich zwar, aber nicht schlagartig.

Noch steht auf einigen Bussen der alte Firmenname. Das ist derzeit das geringste Problem des RVSOE.
Noch steht auf einigen Bussen der alte Firmenname. Das ist derzeit das geringste Problem des RVSOE. © Daniel Schäfer

Wie schlimm es tatsächlich kommt, kann Uwe Thiele noch nicht sagen. Der Geschäftsführer des Regionalverkehrs Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) lässt sich jetzt in kürzeren Abständen als je zuvor über die aktuelle Einnahmeentwicklung informieren. Bei Ausfällen wird für gewöhnlich gegengesteuert - wo es möglich ist.

Was im März jedoch passierte, hat es so noch nicht gegeben. Die Fahrgeld-Einnahmen waren im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund eine Viertel-Million Euro eingebrochen. Und das, obwohl in der ersten Monatshälfte das Leben noch fast ohne Corona-Einschränkungen lief.

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Der RVSOE rechnet für März und April zusammen inzwischen mit einem Minus von rund einer Million Euro. Seit Pfingsten sind die Einnahmen zwar wieder erheblich angestiegen. "Normalisiert hat sich die Lage aber noch längst nicht", sagt der RVSOE-Geschäftsführer.

Das öffentliche Leben lag im April weitgehend still. Viele Beschäftigte waren in Kurzarbeit oder verlegten ihre Arbeit ins Homeoffice, wo es ging. In der Vergangenheit sorgten Touristen ab April wieder für Mehreinnahmen. Doch diesmal durfte niemand kommen.

Im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) schätzt man, dass die Fahrgastzahlen in S- und Regionalbahnen um 60 Prozent zurückgegangen waren, im regionalen Busverkehr sogar um 80 Prozent. 

Seit Mai wieder Ticket-Kontrollen

Zusätzlich sorgte im März und April für Mindereinnahmen, dass der Verkauf von Tickets beim Fahrer wegen der Kontaktbeschränkungen im März und April nicht mehr stattfand. Wenn es das Ziel war, dadurch Infektionsketten zu verhindern, war das erfolgreich. Es ist kein einziger Fall einer Corona-Erkrankung von RVSOE-Beschäftigten bekannt. Das Gleiche gilt dem Vernehmen nach auch für Fahrgäste. 

Dass Infektionen auf den Öffentlichen Personennahverkehr zurückzuführen gewesen wären, ist unbekannt. Auch die Servicestellen der RVSOE schlossen wegen der Infektionsgefahr bis 25. April. Auf Ticketkontrollen wurde sogar bis Anfang Mai verzichtet. 

Für die Verkehrsunternehmen verringerten sich in den vergangenen drei Monaten zwar die Ausgaben. Die Einnahmeverluste konnte das aber bei Weitem nicht ausgleichen. 

Im gesamten Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) wurden im März rund zwei Millionen Euro weniger an Fahrgeld eingenommen als im März 2019. Im April waren es sogar 4,6 Millionen Euro weniger. Da sind noch nicht mal die Erstattungen für Abo-Kunden berücksichtigt, etwa wegen des gestrichenen Schülerverkehrs. Regulärer Unterricht fand ja nicht mehr statt. 

Ab 23. März wurde auf Ferienfahrpläne umgestellt. Zahlreiche S-Bahnen fuhren nur noch verkürzt oder gar nicht. Damit wurde der Linienverkehr erheblich ausgedünnt. Das schlug sich positiv auf die Energiekosten aus. Es wurde weniger Diesel verbraucht und  das  auch noch bei deutlich gefallenen Preisen.

Die meisten Fixkosten blieben aber bestehen. Kurzarbeit wurde beim RVSOE nicht eingeführt. "Erst einmal mussten die Überstunden abgebaut werden", erklärt Thiele. Auch die Subunternehmen wurden weiter für den Linienverkehr gebraucht.

Allgemein immer noch weniger Verkehr

Die aktuelle Lage stellt sich jetzt in der Sächsischen Schweiz schon wieder besser dar als im Osterzgebirge. Für eine verbesserte Einnahmesituation sorgen vornehmlich wieder Touristen sowie Ausflügler aus Dresden und der Region. Die sind im Osterzgebirge nicht ganz so zahlreich.

So vermutet Thiele, dass auch deshalb Einnahmen fehlen, weil die Mobilität der Einheimischen insgesamt etwas zurückgegangen ist. Von Ärzten oder Händlern sei beispielsweise auch zu vernehmen, dass sie weniger aufgesucht würden als vor der Corona-Zeit. "Das könnte ein Grund sein", sagt Thiele. Genaue Analysen dazu gibt es aber noch nicht.

Bis auf die grenzüberschreitenden Linien fährt im Gebiet des RVSOE wieder alles planmäßig. Am 15. Juni sollen dann auch wieder die Fähre Schöna - Hrensko, sowie die Buslinien 217 nach Tissa, die T nach Dolni Poustevna und die Strecke Zinnwald - Teplice wieder bedient. "Dann ist das Angebot wieder komplett", sagt Thiele. Zumindest war das der Plan, bevor bekannt wurde, dass Tschechien seine Grenze bereits in der Nacht zum Sonnabend öffnet.

Liquidität ist gesichert

Günstig habe sich ausgewirkt, dass der RVSOE zusätzliche Einnahmen aus dem Schienenersatzverkehr zwischen Bad Schandau und Sebnitz erzielen konnte. Dagegen sind allerdings die Einnahmen aus dem Transport von Schülern zum Schwimmunterricht weggefallen. Ob das in diesem Schuljahr noch mal aufgenommen wird, darf bezweifelt werden.

Die Liquidität des kreiseigenen Regionalverkehrs sei trotz der fehlenden Einnahmen aus dem Ticketverkauf gesichert, erklärt Thiele. Dabei hilft den Verkehrsgesellschaften, dass planmäßige Auszahlungen von Freistaat und Landkreisen vorgezogen wurden, teilt der VVO mit. Zudem wird über eine Kompensation der Mindereinnahmen mit Bund und Freistaat verhandelt. 

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