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Millionenförderung für alte Wismutstandorte

Viele Städte im Erzgebirge leiden unter den Schäden aus der Zeit des Uranabbaus. Für sie gibt es nun mehr Geld. An anderer Stelle fehlt es dagegen.

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Von Brigitte Pfüller

Johanngeorgenstadt. Über diese neuen Fördermittel für seine Stadt kann sich Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) nicht so recht freuen: Das durch den Wismut-Bergbau gezeichnete Johanngeorgenstadt bekommt für die nächsten Jahre weiterhin Geld von Bund und Land – allerdings nicht für die Sanierung der Infrastruktur. Gestern unterzeichneten der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (beide FDP) in Schneeberg das Folgeabkommen zur Sanierung von Wismut-Altstandorten im Freistaat.

Mit dem Staatsvertrag verpflichten sich Bund und Land, bis 2022 jeweils 69 Millionen Euro für Sanierung und Rekultivierung ehemaliger Uran-Bergbaureviere in Sachsen bereitzustellen. Dabei müssen mindestens 50 Prozent der Mittel als Aufträge an Firmen aus der Region gehen. Das meiste Geld wird im Erzgebirge und für die Sanierung unter Tage eingeplant. Allein dafür wird mit einem Bedarf von rund 100 Millionen Euro gerechnet.

Von der Folgeförderung profitieren Städte wie Schneeberg, Aue, Annaberg, Oberwiesenthal oder Freital. Sie leiden unter den Schäden des Bergbaus aus der frühen Wismutzeit. Die Sanierung der alten Gruben, Tagesbrüche oder Rest-Verarbeitungsanlagen übernimmt nicht die bundeseigene Wismut, da diese Flächen vor 1962 an die Orte zurückgegeben wurden.

Das gilt auch für Freital. Oberbürgermeister Klaus Mättig hofft, mit dem Geld ein dreckiges Erbe aus der Wismutzeit zu beseitigen: „Bei uns geht es noch um eine sogenannte industrielle Absetzanlage. Das ist ganz ein hässlicher Schlammteich in der Nähe des Edelstahlwerkes, um den bisher alle einen Bogen gemacht haben“, sagte Klaus Mättig. „Wenn der weg ist, können wir endlich mit der Wismut-Vergangenheit abschließen.“

Freital hatte bereits vom ersten Altlasten-Programm profitiert. Denn nahe des noch vorhandenen Schandfleckes wurden kontaminierte Liegenschaften gereinigt und rekultiviert. „Dort sieht es jetzt richtig grün aus. Als Kommune allein hätten wir das nie bewältigen können, denn es wusste ja niemand so genau, was an Strahlung oder anderen Gefahren drinsteckte.“

Die Wismut hatte im Erzgebirge, Vogtland und im Dresdner Raum nicht so ergiebige Standorte in den 1950er- und 60er-Jahren stillgelegt. Nach dem Wismutgesetz konnte aber für diejenigen Hinterlassenschaften der Wismut, die 1990 nicht dem Unternehmen zugeordnet wurden, kein Geld zur Sanierung gezahlt werden.

Johanngeorgenstadts Bürgermeister Holger Hascheck hofft weiter darauf, dass nicht nur die alten Bergwerke saniert werden. „Was nützt es, wenn wir Halden für mehrere Millionen sanieren und die Infrastruktur nicht wohnlich gestalten“, warnte er. Heute wohnen noch 4 600 Menschen im Ort. Das sind 50 Prozent weniger als 1990. Damit hat die Stadt so viele Einwohner wie kaum eine andere Kommune verloren.