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Millionenprojekt auf schwierigem Gelände

An der Polizeihochschule in Bautzen wird gebaut. Dabei müssen die Arbeiter vorsichtig sein: In der Erde lauert Gefahr.

Dort, wo Jaroslaw Golaszewski vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement steht, soll Ende nächsten Jahres die neue Pforte zur Polizeihochschule stehen.
Dort, wo Jaroslaw Golaszewski vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement steht, soll Ende nächsten Jahres die neue Pforte zur Polizeihochschule stehen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Schicht für Schicht müssen die Bagger den Boden des ehemaligen Sandplatzes auf dem Gelände der Hochschule der Sächsischen Polizei und dem Fortbildungszentrum in Bautzen abtragen. Gerade ruhen die großen Baufahrzeuge, Jaroslaw Golaszewski blickt auf das Loch in der Erde. Dann zeigt der Bautzener Niederlassungsleiter des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) auf mehrere große Haufen, die daneben liegen: zum Teil verrostetes Metall stapelt sich auf dem einen, Gummiteile liegen auf einem daneben. Wieder auf einem anderen Haufen liegen Betonteile. „Das haben die Bauarbeiter alles aus der Erde geholt“, sagt Golaszewski mit Blick auf die Haufen.

Der Bau-Schrott, den die Arbeiter aus dem Erdreich fischen, ist aber bei Weitem nicht das einzige, das die Bauarbeiter finden. Dass die Arbeiter derart vorsichtig vorgehen müssen, Schicht für Schicht einzeln abtragen, hat vor allem einen Grund: „Wir finden hier ständig alte Munition“, sagt Golaszewski. „Der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist quasi täglich hier vor Ort.“

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Ehemaliges Kasernengelände

Bei dem Gelände handelt es sich um ehemaliges Kasernengelände, weiß Thomas Knaup, Sprecher der Hochschule der Sächsischen Polizei. Wohl deshalb flattern immer wieder die Protokolle auf den Schreibtisch des SIB-Niederlassungsleiters: Gewehrmunition, Tellerminen, Hand- und Panzergranaten und verrostete Gewehre finden die Bauarbeiter. „Eine gewisse Gefährdungslage ist da“, sagt Golaszewski, „bislang konnten die Kampfmittelbeseitiger aber alles abtransportieren und mussten nichts vor Ort sprengen“. Die Umbauarbeiten – es sind Arbeiten unter erschwerten Bedingungen.

Schon im Frühjahr dieses Jahres gab es auf dem Gelände der Polizeihochschule einen ersten Spatenstich, seitdem wird gebaut. Rund 80 Millionen Euro sollen nach jetzigem Stand in den Umbau fließen. Bis 2024 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, umgebaut wird bei laufendem Betrieb. Etwa 150 Polizeischüler lernen derzeit am Bautzener Standort, hinzu kommen Polizisten, die Fortbildungen besuchen. Für sie alle soll eine moderne Hochschule entstehen, sagt Thomas Knaup, Sprecher der Hochschule der Sächsischen Polizei. Durch die Bauarbeiten solle ein „vernetzter und den fachlichen Anforderungen entsprechender Campus 4.0 geschaffen werden“. Die in die Jahre gekommene Infrastruktur soll ausgebaut, die Schule technisch besser ausgestattet und auch die IT-Anbindung soll verbessert werden. Druck gibt es dabei auch durch den Bericht einer Kommission, die prüfte, was sich alles verbessern muss für eine gute Polizeiausbildung in Sachsen. „Der Zustand der Infrastruktur und der Ausstattung“, hieß es damals in dem Bericht, „ist nicht zeitgemäß und lässt überdeutlich erkennen, dass notwendige Investitionen in eine Modernisierung in den letzten Jahren nicht vorgenommen wurden.“

Pforte bis 2020 fertig

Nun aber jetzt. Was hat sich seitdem also getan? In die Luft ragt auf dem Gelände in Bautzen jedenfalls noch nicht viel von dem, was hier bald stehen soll – weder eine neue Mensa noch die neue Raumschießanlage sind bislang da. Stattdessen sind auf dem Gelände an der Bautzener Kantstraße vor allem Löcher zu sehen. „Gerade laufen die Arbeiten für die neue Pforte“, erklärt Jaroslaw Golaszewski. Die soll am Eingang an der Kantstraße entstehen.

Bis 2020, sagt Golaszewski, soll die neue Pforte fertig sein. „Dort werden dann alle zentralen Funktionen zusammenlaufen.“ So zum Beispiel die Datentechnik, das Fernwärmenetz und auch die Elektrotechnik. „Derzeit wird der Boden ausgeschürft“, sagt der 46-Jährige. Als nächster Schritt stehen dann die Arbeiten am Fundament an, Tunnel für die Medien werden entstehen, Bodenplatten eingelegt.

© SZ-Grafik

Ähnlich sieht es gerade auf dem Sandplatz aus, auf dem künftig die neue Mensa stehen soll: Diese Arbeiten laufen parallel zu denen an der Pforte. 170 Plätze soll es in der Mensa geben, öffentlich wird die allerdings nicht sein. Entstehen soll sie auf dem Platz, auf dem die Bagger gerade besonders behutsam arbeiten müssen. Hinter der Kantine sollen schon bald zwei neue Unterkünfte mit jeweils über 100 Einzelzimmern stehen. „Die sollen bis 2024 fertiggestellt sein“, sagt Golaszewski. Spannender wird es vor allem wenige Meter hinter den Unterkünften. Denn da entsteht ein Trainingszentrum. Das soll aus einer Zwei-Feld-Sporthalle bestehen – und: aus einer Raumschießanlage. Insgesamt zehn Bahnen soll es dort geben, auf sechs davon können die angehenden Polizisten um 180 Grad schießen. Auf vier anderen Bahnen können die Polizeischüler das frontale Schießen üben.

Auch ein sogenanntes Handlungsgebäude gehört zu dem Trakt. Da werden die angehenden Polizisten verschiedene Einsatzlagen üben können, Festnahmen ebenso, wie beispielsweise eine Wohnungsdurchsuchung oder auch einen Banküberfall. Dafür können dann beispielsweise die Banktresen oder Wohnungsteile nachgebaut werden. Und auch eine Verkehrstrainingsfläche ist für den hinteren Teil des Areals geplant, zu dem auch eine Außensportanlage gehört. „Dort können zum Beispiel die Verkehrspolizisten Einsatzlagen üben“, sagt Jaroslaw Golaszewski. Sei es nun eine Verkehrskontrolle oder eine Verfolgungsjagd – das Areal soll dafür da sein, um das zu üben.

Autobahnpolizei kommt zurück

Wenn die neue Pforte entstanden ist, können auch die Gebäude nahe des Eingangs an der Kantstraße modernisiert werden. Dann soll zum Beispiel das derzeit ausgegliederte Autobahnpolizeirevier wieder auf das Gelände ziehen, ebenso die Kriminalaußenstelle und auch die Verkehrspolizei. Wann es soweit ist, steht aber noch nicht fest, sagt Jaroslaw Golaszewski. Immer wieder müssen die Bauarbeiter unterbrechen, warten, bis der Kampfmittelräumdienst die Baustelle wieder freigibt. Und gerade müssen die Bauarbeiter schon wieder ein bisschen knobeln. Denn beim Ausschürfen im Bereich der künftigen Pforte haben sie schon wieder etwas entdeckt: Ein Tunnel mit dicken Wänden tauchte nach und nach aus dem Boden auf. „Gerade werden hier alte Tunnel freigelegt“, sagt Golaszewski und deutet auf den zerbrochenen Beton, „die machen uns schon wieder ganz schön zu schaffen.“

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