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Millionenzusage für Burg Hohnstein

Sachsen stellt Fördermittel für die Sanierung in Aussicht. Bis das Geld fließen kann, sind aber noch viele Schritte erforderlich.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (M.) unterzeichnete in Hohnstein eine Absichtserklärung.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (M.) unterzeichnete in Hohnstein eine Absichtserklärung. © Steffen Unger

Wuchtig erhebt sich die Burg Hohnstein über der Stadt, sie ist ein beliebtes Ausflugsziel und eine stark nachgefragte Herberge. Auf den ersten Blick vermittelt die Wehranlage, vermutlich im 12. Jahrhundert errichtet, einen soliden Eindruck.

Doch der Schein trügt, dem historischen Gemäuer haften gravierende Mängel an. Die Elektrik ist veraltet, die Dächer sind undicht, Türen und Fenster sind verschlissen, die Küche versprüht noch den nostalgischen Charme der DDR-Zeit. Der Sanierungsstau ist inzwischen gewaltig, aufgrund fehlender Finanzen sah sich der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Eigentümer der Burg, jedoch in den vergangenen Jahren außerstande, die Anlage herzurichten. Wäre angesichts dessen der Verfall noch weitere Jahre fortgeschritten, hätte dies unter Umständen fatale Folgen gehabt: Möglicherweise hätte die Burg geschlossen oder abgestoßen werden müssen.

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Dieses Szenario wollten aber sowohl der Kreis als auch die Stadt vermeiden. Erklärtes Ziel ist: Die Burganlage soll dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich sein, die Herberge soll wirtschaftlich betrieben werden. Hohnstein entschied sich mit Zustimmung des Landkreises dafür, die Anlage zu übernehmen, es gibt bereits eine Betreibergesellschaft, die sich um den Burgbetrieb kümmert. Der Kreistag hat inzwischen zugestimmt, dass Hohnstein die Burg kauft.

Doch offen ist noch immer die Frage: Wer bezahlt die aufwendige Sanierung? Eine Machbarkeitsstudie weist einen Betrag von 5,5 Millionen Euro aus, der notwendig ist, um die Burg zumindest soweit herzurichten, dass sie weiter betrieben werden kann. Hohnstein allein ist allerdings nicht in der Lage, diese Summe aufzubringen.

Der Kreis sagte bereits Hilfe in Höhe von 1,6 Millionen Euro zu, und nun gibt es große Hoffnung, dass die Sanierung in nicht allzu ferner Zeit beginnen kann. Nachdem der CDU-Landtagsabgeordnete Jens Michel das Problem der Landesregierung geschildert hatte, könnte Hohnstein bald in den Genuss von Zuschüssen des Landes und des Bundes kommen. „Die Burg wird nicht verkauft. Sie soll für die nächsten Generationen erhalten bleiben. Dabei wollen wir helfen“, sagt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

In seinem Beisein wurde am Sonntag auf der Burg der Weg für das Großvorhaben weiter geebnet. Hohnstein, der Landkreis sowie das sächsische Innenministerium unterzeichneten eine Absichtserklärung – mit dem Ziel, dass die Burg in das Städtebauförderprogramm aufgenommen wird. Gelingt das, so würden sich die Kosten dritteln: ein Drittel übernimmt der Bund, ein weiteres das Land, ein Drittel müsste Hohnstein selbst aufbringen. Weil Letzteres ebenfalls schwierig wird, will der Kreis mit den zugesagten 1,6 Millionen Euro einen Großteil von Hohnsteins Eigenanteil finanzieren.

Vor der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm sind jedoch noch mehrere Schritte erforderlich. So muss sich Hohnstein unter anderem attestieren lassen, dass die Burg einen städtebaulichen Missstand darstellt. Zudem muss die Stadt ein integriertes Stadtentwicklungskonzept sowie ein konkretes Fördergebietskonzept erarbeiten. Notwendig ist zudem ein Aufnahmeantrag für das Förderprogramm sowie ein Nutzungskonzept für die Burg. Der Landkreis seinerseits muss das Burg-Eigentum an die Stadt übertragen sowie das zugesagte Geld bereitstellen.

Hohnsteins Bürgermeister Daniel Brade (SPD) hofft, dass die Aufnahme noch in diesem Jahr gelingt, damit möglicherweise 2021 schon erstes Geld fließen kann. Parallel dazu schreibt Hohnstein jetzt die Planung für die Sanierung europaweit aus. Brade ist optimistisch, dass Anfang 2020 der Auftrag an die Planer vergeben werden kann und Mitte 2020 die Entwürfe jene Stufe erreicht haben, die der Fördermittelantrag voraussetzt. Währenddessen laufen derzeit auch die Kaufverhandlungen mit dem Landkreis.

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Doch trotz der zugesagten Hilfen weiß Brade auch, dass es nicht leicht wird, die Burg zu sanieren. „Es wird eine Mammutaufgabe“, sagt er, „die Anlage auf den neuesten Stand zu bringen.“

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