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Mindestlohn – Machen nun die Bäcker dicht?

8,50 Euro die Stunde werden es vielen Betrieben schwer machen– auch in Bischofswerda. Geschäfte stehen auf dem Prüfstand.

© dpa-tmn

Von Ingolf Reinsch

Mit Bäckereien ist Bischofswerda gut bestückt. Rund 20 dieser Geschäfte – Filialen auswärtiger Betriebe mitgerechnet – gibt es im Stadtgebiet. In einigen Jahren werden es weniger sein, erwartet Bäckermeister Jürgen Kaufer aus Goldbach. Denn nicht jeder Betrieb werde den von der künftigen Regierungskoalition vereinbarten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde zahlen können. „Die Erlöse sind schon jetzt an der Grenze, und sie gehen weiter zurück, weil die Bevölkerung abnimmt und immer mehr Supermärkte selbst backen“, sagt Jürgen Kaufer.

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Der Handwerksmeister beschäftigt acht Mitarbeiter in der Goldbacher Bäckerei und seinen drei Bischofswerdaer Geschäften. Er zahlt ihnen, was in der Region branchenüblich ist. Der vereinbarte Mindestlohn wird sich in seinem kleinen Betrieb jährlich in höheren Lohnkosten im fünfstelligen Bereich niederschlagen.

Für einen Bäckergesellen liegt der aktuelle Tariflohn zwischen 7,20 Euro und 9,60 Euro pro Stunde, für eine Verkäuferin in einer Bäckerei zwischen 6,90 und 7,60 Euro. Nach SZ-Informationen ist kaum eine Bäckerei im Raum Bischofswerda tarifgebunden. Die Landesinnung empfiehlt acht Euro für Bäcker und 7,60 Euro für Verkäuferinnen. Roland Ermer, Bäckermeister in Bernsdorf bei Kamenz und Präsident des Sächsischen Handwerkstags, sieht zahlreiche Betriebe durch den Mindestlohn in Gefahr: „Gerade im ländlichen Bereich wird es dann viele Bäcker nicht mehr geben“, sagt er. Von der SZ befragte Firmenchefs in der Region Bischofswerda sehen es etwas differenzierter.

Fred Fehrmann aus Göda, Arbeitgeber für 160 Männer und Frauen und mit Filialen unter anderem in Bischofswerda, Demitz und Burkau vertreten, erwartet bei 8,50 Euro Mindestlohn jährlich zusätzliche Ausgaben in einem sechsstelligen Bereich. Um sie auszugleichen, werde man „mit spitzem Stift kalkulieren“ müssen, sagt er. Der Unternehmer schließt nicht aus, dass er kleinere Filialen mit vergleichsweise geringem Umsatz wird dichtmachen müssen. „Die 8,50 Euro sind die Untergrenze. Wird dieser Bereich angehoben, wird man auch Mitarbeitern, die höher qualifiziert sind, mehr Geld geben müssen“, sagt Fred Fehrmann. Insgesamt aber sieht er seinen Betrieb, der in Göda über eine moderne Produktionsstätte verfügt, 18 Filialen betreibt und in der Region verankert ist, gut aufgestellt – auch für künftige Herausforderungen. Seine Prognose: Betriebe dieser Größenordnung sowie Kleinstbetriebe, wo der Inhaber nur mit Familienmitgliedern arbeitet, werden mit dem Mindestlohn leichter umgehen können als Bäckereien mit zwei, drei Filialen.

Zu den Kleinen in der Branche gehört die Bäckerei Teschner am Bischofswerdaer Altmarkt. Meister Michael Teschner steht allein in der Backstube. Im Geschäft arbeiten seine Ehefrau und eine Verkäuferin, die stundenweise tätig ist. 8,50 Euro Mindestlohn werden sich bei ihm kaum auswirken, erwartet Michael Teschner. Dass er selbst weit mehr als 40 Stunden in der Woche arbeitet, sei normal. „Man tut’s ja für sich.“ Ähnlich ist die Situation in der Bäckerei Haufe an der Neustädter Straße: Steffen Haufe beschäftigt drei Frauen im Verkauf auf Minijobbasis. Und da sei die Lohnobergrenze von 450 Euro im Monat gesetzlich festgeschrieben, sagt er. Allerdings werden nach den bisherigen Informationen die 8,50 Euro pro Stunde künftig auch für Geringbeschäftigte gelten. Heißt: Die 450 Euro im Monat wären dann in weniger Stunden als bisher erreicht.

Dass der Koalitionsvertrag Übergangsfristen vorsieht, findet der Demitzer Bäckermeister Willy Bleschke gut. „Das gibt uns etwas Luft, uns darauf vorzubereiten“, sagt er. Konkret heißt das für ihn, die Standorte seiner Filialen in Wölkau und Bischofswerda zu überprüfen. „Ich will nach Möglichkeit kein Geschäft schließen, werde aber schauen, ob die Standorte die richtigen sind.“ Gegebenenfalls werde man umziehen, sollten sich Geschäfte mit höherer Kundenfrequenz und in der Folge besseren Umsätzen finden. Willy Bleschke ist Arbeitgeber für insgesamt 14 Frauen und Männer. Bei dieser Betriebsgröße möchte er bleiben.

Der Bäcker wird teurer

Für die von der SZ befragten Firmenchefs sind Filialschließungen derzeit kein Thema. Mehrere von ihnen kündigten auf Nachfrage aber an, dass sie höhere Lohnkosten, zumindest teilweise, auf die Preise aufschlagen werden müssen. Dabei sind es nicht einmal die 8,50 Euro für die Mitarbeiter, die Willy Bleschke schwer im Magen liegen. „Im Gegenteil, ich bin dafür, dass die Beschäftigten ordentlich entlohnt werden“, sagt er. Schwerer wiegen aus seiner Sicht die hohen Lohnnebenkosten – Steuern und Sozialabgaben, die er abführen muss und die mit höheren Löhnen mitwachsen. „Ich ärgere mich darüber, was eine Semmel oder ein Brot da an Kosten mit einfahren muss“, sagt Willy Bleschke.

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