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Mindestlohn mit bitterem Beigeschmack

Die zusätzlichen Lohnkosten beschweren Gastronomen. Viele Kantinen, Restaurants und Hotels ziehen die Preise an.

© E. Kamprath

Von Jane Jannke

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Die DTM zu Gast auf dem Lausitzring

Neue Motoren, neue Fahrer, ein neues Team und ein neuer Hersteller – die DTM ist vom 23. bis 25. August zurück am Lausitzring und war noch nie besser. 

Eine deftige Kartoffelsuppe oder ein herzhaftes Schnitzel am Mittag füllt den Magen und weckt die Lebensgeister. Doch für die warme Mahlzeit muss der hungrige Bürger in den Kantinen und Restaurants der Region seit Jahresbeginn bisweilen deutlich tiefer in die Tasche greifen. Besonders die kleinen Kantinen stellt der neue Mindestlohn vor Herausforderungen. Drei von fünf Einrichtungen in Freital haben die Preise deshalb teils deutlich angehoben.

Ob „Freitaler Sachsenschmaus“, „Essbar“ oder „Steinis Sachsenküche“ – fast überall muss für den gepflegten Mittagstisch draufgezahlt werden. 50 Cent mehr schlagen im „Sachsenschmaus“ für den großen Teller ins Kontor. Bislang kostete der 3,90 Euro, jetzt 4,40 Euro. In der „Essbar“ an der Dresdner Straße bewegen sich die Preissteigerungen im selben Bereich.

Eine Maßnahme, die alternativlos gewesen und deshalb frühzeitig über Aushänge angekündigt worden sei, sagt Küchenchef Jens Gilke vom „Sachsenschmaus“. Die Bezahlung der zehn Kantinenmitarbeiter nach dem neuen Mindestlohngesetz habe keine andere Wahl gelassen. Das Gewerbe lasse ohnehin nur begrenzt ein Umlegen auf den Verkaufspreis zu. Mögliche Folgen in Gestalt ausbleibender Kunden verdrängt Gilke vorerst. „Ich hoffe, dass sich der Markt einpendeln wird.“ Die Resonanz sei bislang erfreulicherweise meist positiv. Dass die Ängste vieler Gastronomen im Vorfeld deshalb unbegründet gewesen seien, will Gilke so allerdings nicht stehenlassen. „Der kleine Mann muss überall mehr bezahlen. Wie lange das gutgeht, wird sich auf Dauer zeigen“, sagt er.

Derweil trügt anderswo die Ruhe auf der Preisliste. Sowohl das „Café Feile“ in Hainsberg als auch die „Wirtschaft F1“ im Freitaler Technologie- und Gründerzentrum (TGF) haben ihre Essenspreise nicht erhöht. Der Mindestlohn ist aber auch hier ein Thema. „Wir haben unsere Preise bereits vor der Eröffnung im September so kalkuliert, dass der Mindestlohn inbegriffen ist“, sagt Gabriel Böhm vom Berufsausbildungszentrum, das das „Café Feile“ betreibt. In der „Wirtschaft F1“ bleiben die Preise ebenfalls zunächst stabil. Grund sind der stetig wachsende Kundenzuspruch seit der Eröffnung vor einem Jahr und die Löhne der drei Angestellten, die nur geringfügig an den Mindestlohn angepasst werden mussten. „Doch wenn künftig mehr Personal benötigt würde, würde uns das wohl auch betreffen“, schränkt Leiterin Simone Birnbaum ein.

Die Preissteigerungen fallen branchen- und einzelfallabhängig unterschiedlich aus. In mancher Freitaler Kantine erhöhten sich die Essenspreise um bis zu 20 Prozent für ein normales Gericht, im Schnitt wurden sie aber kaum um 15 Prozent erhöht. Auch Restaurants und Hotels legen zu. Im Pesterwitzer Siegel etwa kostet die Nacht im Doppelzimmer künftig zwei Euro mehr als bislang. Die Essenspreise im hauseigenen Restaurant sollen Inhaber Marko Siegel zufolge aber nur sehr moderat steigen.

Preiskampf an der Basis

Der Mindestlohn trifft Hoteliers und Gastronomen zusätzlich zur schleichenden Preissteigerung bei Lebensmitteln und Energie. Da er auch bei Zulieferern und Produzenten (etwa in der Landwirtschaft) zuschlägt, werden auch hier die Teuerungen weitergereicht – was am Ende selbst diejenigen trifft, die eigentlich längst Mindestlohn zahlen. Wie Sebastian Probst, Küchenchef im Landhotel Rosenschänke in Kreischa. In dem Viersternehaus ist der Mindestlohn eigentlich gar kein Thema – und wird es nun, aus erwähnten Gründen.

„Die Zulieferer in der Region sind einfach extrem betroffen. Der Spargelpreis etwa wird um 2,50 bis drei Euro pro Kilo steigen, Ähnliches gilt für Obst und Fleisch.“ Vor allem Landwirte müssten teils viel mehr Lohn zahlen. „Es wird schwer für die Branche, das an die Gäste zu kommunizieren“, sagt Probst. Auch er wird künftig einen Aufschlag verlangen müssen.

Dem immer wieder anklingenden Argument, dass der Mindestlohn ein willkommenes Instrument zur Marktbereinigung sei, steht Probst unschlüssig gegenüber. Sicher sei die marktbereinigende Wirkung nicht von der Hand zu weisen. Jedoch gelte es, zu differenzieren. „Kleine Privatiers, die ihre Lokale häufig gemietet oder gepachtet haben und gezwungen sind, das über die Löhne auszugleichen, trifft der Mindestlohn viel stärker als Eigentümer wie uns.“ Ihnen nun die Existenzberechtigung abzusprechen, sei fragwürdig.

Allen Betroffenen gemein ist die Überzeugung, dass faire Löhne unerlässlich sind, aber eben auch machbar sein müssen. Gleichzeitig eint sie die Kritik an der Umsetzung durch die Politik, die es versäumt habe, Bedingungen zu schaffen, die einerseits existenzbedrohende Härtefälle vermeiden und andererseits die Mindestlöhner steuerlich besser stellen, damit ihnen vom Mindestlohn wenigstens etwas bleibt.

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