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Mindestlohn bringt keine Jobs in Gefahr

Laut Arbeitsagentur muss die Übergangszeit zu höheren Löhnen aber lang genug sein.

Von Peggy Zill

Die Diskussion über die Einführung des Mindestlohns macht sich auch in der Statistik der Arbeitsagentur bemerkbar. Eine direkte Auswirkung auf den Arbeitsmarkt sei zwar nicht spürbar, sagt Gerrit Gabriel, Pressesprecherin der Agentur in Freiberg. „Insgesamt beobachten wir aktuell ein gebremstes Einstellungsverhalten der Betriebe. Ein Aspekt dafür ist neben anderen Gründen die aktuelle Debatte zur Einführung eines Mindestlohnes“, so die Sprecherin.

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Von der Einführung des Mindestlohns wären logischerweise diejenigen betroffen, die bisher wenig verdienen. Die arbeiten meist in Dienstleistungsbereichen wie beispielsweise in der Gastronomie. Ob es in diesen Branchen dann zu Entlassungen oder deutlich weniger Neueinstellungen kommt, hängt laut Arbeitsagentur davon ab, wie hoch der Mindestlohn am Ende wird und wie eventuelle Übergangsfristen gestaltet werden. „Es ist in erster Linie Aufgabe der Tarifparteien und der Politik hier das richtige Maß zu finden, um eine Balance zwischen guter Entlohnung und ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten zu ermöglichen“, sagt Gerrit Gabriel. „Ein Mindestlohn bringt nicht zwangsläufig Jobs in Gefahr.“

Kaufkraft wird steigen

Eine Studie des Eduard Pestel Instituts vom Sommer kommt zu dem Ergebnis, dass die Kaufkraft im Landkreis mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro um 155,4 Millionen Euro steigen würde. Jeder Einwohner würde mehr als 300 Euro pro Jahr ausgeben können. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatten die Studie in Auftrag gegeben.

Dabei wurde auch untersucht, was mit der von den „Niedriglöhnern“ geleisteten Arbeit nach der Einführung eines Mindestlohnes passiert. „Für nicht erforderliche Arbeitsleistungen würden Unternehmen wohl auch für Stundenlöhne unterhalb von 8,50 Euro je Stunde niemanden einstellen“, heißt es in der Studie. Eine Substitution dieser Arbeitsleistungen durch Kapital erscheine eher unwahrscheinlich, da Niedriglöhne gerade im Bereich persönlicher Dienstleistungen mit begrenztem Automatisierungspotenzial gezahlt werden. „Wenn diese Arbeitsleistungen also aus unternehmerischer oder gesellschaftlicher Sicht erforderlich sind, so werden sie auch nach Einführung eines Mindestlohnes geleistet werden müssen“, heißt es abschließend in dem Bericht. Ob die Preise in den betroffenen Bereichen steigen oder die Gewinne sinken, werde sich erst nach der Einführung zeigen.