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Warum der Mini-Bierzug scheiterte

Die Corona-Bürokratie der Gemeinde hat dem Umzug am Sonntag in Walddorf und Eibau kurzfristig den Garaus gemacht. Den Veranstalter wurmt das.

Mit einem Ponygespann fuhr Winfried Matutat am Sonntag durch Walddorf und Eibau. Eigentlich sollten noch mehr Teilnehmer dabei sein, auch ein Bierwagen.
Mit einem Ponygespann fuhr Winfried Matutat am Sonntag durch Walddorf und Eibau. Eigentlich sollten noch mehr Teilnehmer dabei sein, auch ein Bierwagen. ©  privat

Unbürokratisch, locker und unkompliziert - so hatte sich Winfried Matutat seinen Mini-Bierzug vorgestellt. Am vergangenen Sonntag - dem letzten im Juni, an dem der große Umzug gewöhnlich stattfindet - wollte der Pferdewirt aus Ebersbach eine Mini-Version des Bierzuges auf die Beine stellen. Den "richtigen" Bierzug hatte die Gemeinde bereits vor Monaten abgesagt, wegen Corona. Noch immer sind große Veranstaltungen und Volksfeste wegen der Pandemie untersagt. Deswegen plante Matutat eine kleinere Variante, um den Menschen eine Freude zu machen, wie er sagt. Über Nebenstraßen sollte der Weg führen, nicht wie sonst über die B96. Dafür brauche er keine Genehmigung, erklärte Matutat vorab gegenüber SZ. Die Mitwirkenden seien dann mit ihren Gespannen normale Verkehrsteilnehmer. 

Alles war soweit vorbereitet, doch wenige Tage vor dem geplanten Mini-Umzug habe er dann plötzlich Antragsformulare von der Gemeinde erhalten, die er abgeben sollte, erzählt Winfried Matutat. "Es ging darum, wie wir versichert sind, ob es Bierausschank gibt und so weiter." Da war ihm klar: Das wird nicht ohne Probleme über die Bühne gehen. Matutat sagte den meisten Teilnehmern kurzfristig ab. "Ich wollte ja auch nicht, dass jemand Ärger bekommt." 

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"Das hat mich schon gewurmt"

"Wir mussten die Notbremse ziehen", sagt Bürgermeister Michael Görke dazu. "Wir haben nun mal die Corona-Pandemie." Das sei noch nicht ausgestanden und das müsse man bei allem bedenken. Was öffentliche Veranstaltungen betrifft, gebe es da noch immer allerhand Einschränkungen. Dabei begrüßt der Bürgermeister die Initiative von Pferdewirt Matutat durchaus. "Das war eine schöne Idee. Und mit zwei, drei Pony-Gespannen hätte es sicher auch funktioniert." Nun sei die Sache aber zu groß geworden. "Zehn, fünfzehn Bilder und noch Bierausschank - das geht nicht", sagt Görke. "Das ist ja dann ein richtiger Umzug, da hätte es vor allem ein Hygienekonzept gebraucht, Straßen hätten abgesichert werden müssen." Görke ist sicher: Auch andere Behörden hätten ein Auge darauf geworfen, Probleme seien vorprogrammiert gewesen. 

Winfried Matutat sieht die Probleme nicht. "Was wäre denn da passiert?", sagt der Initiator. "Wir wären mit unseren paar Bildern die Dorfstraßen entlang gewandert, die Leute in den Grundstücken hätten sich gefreut." Das sei seine Intention gewesen: eine kleine, unbürokratische Aktion ohne viele Genehmigungen und Auflagen. "Leider ist es an der Bürokratie gescheitert", stellt er im Nachhinein fest. "Das hat mich schon gewurmt. Mir ging es ja darum, mal ein positives Zeichen zu setzen, gerade in dieser Zeit." 

So sehr Bürgermeister Michael Görke (parteilos) das bedauert, betont er aber auch: "Wir müssen uns als Gemeinde an Recht und Gesetz halten und das auch durchsetzen. Die Aktion war gut gedacht, aber leider ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen." Hinzu kommt: Aus seiner Sicht sei der Zeitpunkt am Vormittag ungünstig gewählt gewesen. "Bis 11 Uhr gibt es ja noch den Stillen Protest sonntags an der Hauptstraße. Wir hatten Sorge, dass es da Vermischungen gibt." 

Drei Gespanne und ein Oldtimer

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So ganz den Spaß vermiesen ließ sich Pferdewirt Matutat dann doch nicht. Am Nachmittag, später als ursprünglich geplant, zog er mit einer kleinen Gruppe durch Walddorf und Eibau. Drei geschmückte Pony-Gespanne und ein Oldtimer waren auf den Nebenstraßen unterwegs, erzählt Winfried Matutat. "Die Anwohner haben sich gefreut und uns aus ihren Gärten zugewunken." Für den Ebersbacher steht schon jetzt fest: Im nächsten Jahr will er wieder im "richtigen" Bierzug mit seinen Pferden dabei sein - so wie schon seit vielen Jahren. 

Eine kleine Gruppe zog dann am Nachmittag doch noch durchs Dorf: drei Pony-Gespanne und ein Oldtimer.
Eine kleine Gruppe zog dann am Nachmittag doch noch durchs Dorf: drei Pony-Gespanne und ein Oldtimer. © privat

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