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Minister-Segen für ein Familien-Projekt

Thomas Schmidt besucht in Schönbach eine Umgebindehaus-Baustelle. Auch ein zweites Vorzeigeobjekt schaut er sich an.

Staatsminister Thomas Schmidt besuchte Janet und Albrecht Wilke und ihre Kinder in ihren Schönbacher Umgebindehaus.
Staatsminister Thomas Schmidt besuchte Janet und Albrecht Wilke und ihre Kinder in ihren Schönbacher Umgebindehaus. © Markus van Appeldorn

Wer in der Oberlausitz ein renovierungsbedürftiges Umgebindehaus kauft, muss Liebe, Mut und Ausdauer mitbringen - und sollte sich nicht scheuen, beinahe unvernünftig viel Geld in die Hand zu nehmen. Davon wissen Janet und Albrecht Wilke ein Lied zu singen. "Hätte ich gewusst, wieviel Arbeit und Geld das kostet, hätte ich es gelassen", sagt Albrecht Wilke.

Freilich, ganz ernst gemeint ist das nicht. Denn der Drang zur Heimat ist bei ihm und seiner Frau stärker ausgeprägt, als der nach dem Gelde. "Meine Großeltern hatten schon ein Umgebindehaus", sagt Wilke. Und als sich jüngst für den Gymnasial-Lehrer nach etlichen Jahren in der Ferne die Gelegenheit ergab, eine Stelle am Geschwister-Scholl-Gymnasium in seiner Heimat Löbau anzutreten, gab's kein Zögern. Vor wenigen Monaten hat das Ehepaar das 190 Jahre alte Umgebindehaus am Frühlingsberg in Schönbach gekauft. Und am vergangenen Wochenende sind die beiden mit ihren Kindern Mathilda (10 Monate), Paul (4) und Helene (8) eingezogen. Mitten in eine Baustelle. "Wir haben erst im März mit der Renovierung begonnen sagen sie. Stube und Küche sind schon recht wohnlich, ein Bad ist eingerichtet und eine moderne Heizung hat's auch schon - reicht erst mal. Kaufpreis: nicht einmal 70.000 Euro. Dennoch: "Es ist extrem kostspielig. Rein rational betrachtet darf man da nicht rangehen", sagt Albrecht Wilke.

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Dass die Eheleute dennoch alles richtig gemacht haben, darin bestärkte sie am Dienstag ein hochrangiger Gast. Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) besuchte Janet und Albrecht Wilke auf ihrer Schönbacher Baustelle. Denn das Ehepaar verwirklicht seinen Familientraum vom schönen Wohnen in der Oberlausitz auch mit Mitteln aus dem Leader-Programm zur Förderung des ländlichen Raums. Gut 427 Millionen Euro hatten die 30 sächsischen Leader-Gebiete in der aktuellen noch bis 2020 laufenden Förderperiode zur Verfügung. Über 3.800 Projekte wurden laut Auskunft des Ministeriums bewilligt. Einige davon schaute sich Minister Schmidt auf seiner wochenlangen Tour durch alle Leader-Gebiete persönlich an. Im Gebiet "Zentrale Oberlausitz" war Schönbach sein Ziel. "Eure Eltern machen hier etwas Großartiges. Und Ihr seid von Anfang an dabei", sagte Thomas Schmidt zu den Kindern. Die Familie Wilke verjüngt nicht nur den Ort. Janet Wilke stärkt demnächst auch das Gesundheitsangebot der Region. "Ich will im alten Ärztehaus in Lauba meine Osteopathie-Praxis eröffnen", sagt sie.

Minister Thomas Schmidt zeigte sich begeistert von der "unglaublichen Vielfalt" der Projekte, die er auf seiner Leader-Tour besuchte. Gerade für Menschen wie die Eheleute Wilke sei das Programm gedacht. "Es ist toll, wie sich die Menschen engagieren. Die Förderung soll die unterstützen, die sich Aufgaben stellen, die sie allein nicht stemmen könnten", sagte er. Die stärke des Leader-Programms sei es, dass in den Förderregionen vor Ort entschieden werde, was gefördert wird und mit welcher Summe. "Wir können uns in Dresden viele Dinge ausdenken, am Ende geht's nicht ohne die Menschen, die es in den Regionen umsetzen", sagte er zum Ansatz der dezentralen Mittel-Verteilung. 

Landrat Bernd Lange. Minister Thomas Schmidt, Maria Starke, Uwe Starke und Schönbachs Bürgermeister Uwe Petrutis (v.l.) vor der zukünftigen Firmenzentrale von Möbel Starke.
Landrat Bernd Lange. Minister Thomas Schmidt, Maria Starke, Uwe Starke und Schönbachs Bürgermeister Uwe Petrutis (v.l.) vor der zukünftigen Firmenzentrale von Möbel Starke. © Markus van Appeldorn

Minister Thomas Schmidt besuchte noch ein weiteres Vorzeige-Projekt in Schönbach. Möbel-Unternehmer Uwe Starke lässt seit Jahresbeginn das gut 250 Jahre alte Faktorenhaus an der Beiersdorfer Straße auch mit Mitteln des Leader-Programms sanieren. Ab dem nächsten Jahr soll es Sitz der Firmenzentrale sein - auch ein Bekenntnis zu Schönbach als Unternehmens-Standort. Starke will das Haus künftig etwa für Kochveranstaltungen auch für die Öffentlichkeit öffnen. Der Unternehmer hat das historische Gebäude von der Gemeinde erworben. Ein Segen, wie Bürgermeister Uwe Petrutis (CDU) findet: "Wir können uns als Gemeinde nicht leisten, solche Objekte zu erhalten", sagte er beim Ministerbesuch. Dank des Engagements von Unternehmer Uwe Starke werde das Faktorenhaus nun wieder zu einem Schmuckstück des Dorfes. Starke erklärte dem Minister bei einem Rundgang, wie er Historie und Moderne in dem Bau vereinen will. "Eine tolle Idee", lobte Minister Schmidt.

Unternehmer Uwe Starke (r.) erläutert Minister Thomas Schmidt die Ausbaupläne des historischen Faktorenhauses.
Unternehmer Uwe Starke (r.) erläutert Minister Thomas Schmidt die Ausbaupläne des historischen Faktorenhauses. © Markus van Appeldorn

Zum Ende seines Besuchs wurde dem Minister noch eine besondere Ehre zuteil. Gut 15 Sekunden lang läutete Andreas Reichelt von der Schönbacher Kirchgemeinde eine der Glocken von Hand für ihn - zu Demonstrationszwecken. Auch die Kirche hatte vor einigen Jahren mit Leader-Unterstützung einen neuen anstrich von Fenstern und Türen bekommen. Im Turm ließ es sich der Minister auch nicht nehmen, die gut 170 Jahre alte Turmuhr von Hand aufzuziehen - damit's weiter läuft in der Oberlausitz.

Andreas Reichelt von der Schönbacher Kirchgemeinde unterweis Minister Thomas Schmidt im Aufziehen der historischen Turmuhr - ein Kraftakt.
Andreas Reichelt von der Schönbacher Kirchgemeinde unterweis Minister Thomas Schmidt im Aufziehen der historischen Turmuhr - ein Kraftakt. © Markus van Appeldorn

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