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Ministerbesuch in der WBG

Sachsens Finanzchef Georg Unland hörte sich die Sorgen der Wohnungswirtschaftler an und legte den Finger in die Wunde.

Von Frank Oehl

Wann hat man schon mal einen Minister im Unternehmen? Diese berechtigte Frage hatte sich Henry Schmidt, Chef der Wohnungsbaugenossenschaft Kamenz (WBG), rechtzeitig gestellt. Und sich sehr gut auf Sachsens Finanzminister Georg Unland vorbereitet. Zum Beispiel mit einer Vergleichsrechnung: Was kostet der Quadratmeter eines neugebauten Mehrgenerationenhauses – und was kann man als Mieteinnahme in Kamenz bestenfalls erzielen? „Ich bin auf eine Differenz von 2,22 Euro pro Quadratmeter gekommen“, stellte Schmidt fest. „Das kriege ich auch nicht über die Genossenschaft als Ganzes querfinanziert.“ Also könne ein wichtiges Wohnungsbauprojekt auf dem Kirschberg, das immerhin die demografische Entwicklung herausfordert, ohne freistaatliche Zuschüsse gar nicht umgesetzt werden. „Wir brauchen für Städte im Ländlichen wie Kamenz eine punktuelle Förderung“, so Schmidt.

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Der Minister war höchst interessiert. „Wir haben nicht mehr Geld, also müsste man es umverteilen“, sagte Unland. Dann schaute er auf das Siedlungsareal der WBG und runzelte die Stirn. „Wenn Sie im Neubaugebiet bauen, würde das der Innenstadt, für die wir ja auch Förderprogramme auflegen, nicht helfen. Das wäre sogar kontraproduktiv.“ Also machte Unland eine Art Junktim auf: „Ein solches Förderprogramm könnte man punktuell nur auf Grün schalten, wenn es ein klares städtisches Gesamtkonzept gibt.“ Dass ein solches in Kamenz spätestens seit dem Novum-Zusammenbruch nicht mehr existiert, war dem Minister offenbar schon vor dem Mittwoch-Besuch klar gewesen.

Die Genossenschaft war vor 15 Jahren einer der Vorreiter der integrierten Stadtentwicklung gewesen. Diese Weitsichtigkeit hat ihr jedenfalls nicht geschadet. 1021 Wohnungen werden in Kamenz, Elstra und Pulsnitz vorgehalten, der Leerstand liegt unter zehn Prozent. „Wir machen unser Ding und sind bislang gut damit gefahren“, sagte Schmidt, der aber nie ein Hehl daraus gemacht hat, dass ihm das mit Blick auf die Gesamtstadt nicht genügt. Er würde sich auch in der Innenstadt engagieren, sagt er. Aber wo? Er wolle die bessere Anbindung von Neu- und Altstadt. Aber wie? Und er wolle enger mit der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG) zusammenarbeiten. „Ich freue mich, dass sie nun wieder in sicherem Fahrwasser ist.“

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