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Ministerium lässt die Schulträger zappeln

Bildung. Gestern sollten die Schulträger darüber informiert werden, welche Mittelschulen schließen müssen. Doch offiziell kam noch kein Bescheid.

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Von K. Schade &P. Anderson

Bürgermeister Lothar Herklotz ist auf Brass. „Diese Intrigen von Kultusministerium und Regionalschulamt hinterm Rücken der Schulträger sind eine Riesensauerei“, wettert der Verwaltungschef der Röderaue. Denn während Herklotz gestern Mittag spannungsgeladen seine Post durchwühlte in der Hoffnung auf einen positiven Bescheid, die Mittelschule Pulsen betreffend, war Schulleiter Frank Käseberg längst darüber informiert worden, dass das Aus für seine Schule nun doch schneller kommen soll als geplant. Nämlich nicht im Juli 2007, wie vom Gemeinderat beschlossen und in der Schulnetzplanung des Landrates verankert, sondern bereits nächstes Jahr.

Gestern sollten die Schulträger vom Kultusministerium darüber informiert werden, welche Mittelschulen schließen müssen. Im Altkreis Riesa betrifft das die Mittelschule Pulsen. Doch bis zu seinem Dienstende gestern hatte Bürgermeister Lothar Herklotz noch nichts Offizielles in der Hand. Lediglich einige Infos aus der Schule waren bis in seine Amtsstube durchgesickert. „Stellt sich mir die Frage, wieso der Herr Dorias vom Regionalschulamt gestern Vormittag nicht offiziell mich als Schulträger darüber informierte, sondern klammheimlich nur mit der Schule in Pulsen sprach“, sagt Herklotz wutentbrannt. Vor den Medien suggeriere man Mitbestimmungsrecht und Entscheidungsfreiheit, glänze mit Schönheitsfloskeln in der Öffentlichkeit. Aber in Wirklichkeit „fährt man hinter unserem Rücken die harte Schiene. Ignoriert ganz einfach die Bedenken und Vorschläge der Landräte, Bürgermeister und Schulleiter“, hält er mit seiner Erfahrung nicht hinterm Berg. Dabei hat man sich in der Röderaue durchaus der Tatsache gestellt, dass die Mittelschule Pulsen auch in den kommenden Jahren die geforderte Zweizügigkeit mit mindestens 40 Schülern nicht erreichen wird. Aber die Kommune hat absolut kein Verständnis dafür, dass die Schule so abrupt dichtgemacht werden soll. Deshalb der Vorschlag an das Kultusministerium: den Unterricht im Interesse der Schüler bis zum 31. Juli 2007 sanft auslaufen zu lassen. Lothar Herklotz sieht jedenfalls keinen Handlungsbedarf dafür, dass Pulsen, wie vom Regionalschulamt gewünscht, die künftigen Siebtklässler an andere Mittelschulen abtreten soll. Genau das habe man ja mit dem Gemeinderatsbeschluss verhindern wollen, betont er. Dieses „am ausgestreckten Arm zappeln lassen“, habe er gewaltig satt. Frustriert über so viel Arroganz sagt Herklotz: „Die Herrschaften beim Kultus benehmen sich wie die Götter im Olymp. Sie schauen von oben herab und lachen sich eins über die Machtlosigkeit der dummen Kommunalpolitiker.“

Banges Warten gestern Abend auch in Schönfeld, wo die zweite ernsthaft gefährdete Schule des Kreises steht. „Ich war gerade noch einmal am Faxgerät. Aber es ist nichts gekommen“, sagte Bürgermeister Hans-Joachim Weigel (DSU) gegen 17.30 Uhr. Er hoffe, dies sei ein gutes Zeichen. In der Mittelschule selbst wartete Schulleiter Klaus Backen bis zum Nachmittag auf die erlösende oder vernichtende Nachricht aus dem Dresdner Kultursministerium. Auch er musste seine Unruhe mit ins Wochenende nehmen. Die Dresdner Beamten schwiegen sich trotz entgegen gesetzt lautender Ankündigungen darüber aus, ob die östlichste Mittelschule des Kreises erhalten bleibt oder nicht. Schulleiter Backen hatte zur Anhörung im Kultusministerium mit einem ganzen Bündel von Argumenten für sein Haus gekämpft. Im Mittelpunkt stand der Verweis auf die dünne Besiedlung des Schönfelder Raumes. Für diese Fälle hatte Kultursminister Steffen Flath (CDU) Ausnahmen versprochen.

Auch das Riesa-Groenhainer Landratsamt blieb gestern ohne Informationen. „Uns liegt nichts vor“, so Harry Güldner, der Leiter des Kultur- und Schulverwaltungsamt gestern Mittag.