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Meißen

"Es sind Zeiten, die wir noch nicht erlebt haben"

Innerhalb weniger Stunden entstand die Corona-Ambulanz in Meißen. Michael Kretschmer hat sie sich angesehen - und weitere Einschränkungen angekündigt.

Ministerpräsident Michael Kretschmer und Meißens Landrat Arndt Steinbach desinfizieren sich zu Beginn ihres Besuches in der Corona-Ambulanz die Hände.
Ministerpräsident Michael Kretschmer und Meißens Landrat Arndt Steinbach desinfizieren sich zu Beginn ihres Besuches in der Corona-Ambulanz die Hände. © Claudia Hübschmann

Meißen. Frank Ohi hat derzeit viel zu tun. Viel mehr noch als sonst. Der Geschäftsführer der Elblandkliniken eilt von einem Termin zum nächsten, überall muss er Absprachen treffen, das Klinikum in Meißen auf die wachsende Corona-Welle vorbereiten. Und so verwundert es nicht, dass er am Freitagnachmittag leicht verschwitzt und etwas verspätet zum Treffen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer und Landrat Arndt Steinbach (beide CDU) kommt.

Wenige Augenblicke zuvor waren Kretschmer und Ohi noch andernorts gefragt: Kretschmer weilte bei einer Sitzung des Bundesrates in Berlin, Ohi konferierte mit seinen Kollegen am Uniklinikum in Dresden. Und dann ist in den vergangenen Tagen am Elblandklinikum in Meißen noch eine Infektions-Ambulanz für Corona-Fälle erschaffen worden. Quasi aus dem Nichts. "Was hier passiert, zeigt das unglaubliche Verantwortungsbewusstsein der Menschen im Gesundheitssystem", sagt Ministerpräsident Michael Kretschmer. "Als ich gehört habe, was hier in Meißen geleistet wird, war es mir ein Anliegen, die Praktiker vor Ort zu treffen."

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Klinik nutzt eigenes Testgerät

Gesagt, getan. Rund anderthalb Stunden verbringt der Ministerpräsident am Freitagnachmittag in Meißen und lässt sich den Aufbau der neuen Infektions-Ambulanz erklären. Eigentlich war deutlich weniger Zeit eingeplant. Doch Kretschmer kam etwas früher aus Berlin zurück. "Ich bin wirklich froh, eher hier zu sein. So kann ich mir von den Experten alles ausführlich erklären lassen."

Nachdem Kretschmer in einem Konferenzraum des Elblandklinikums Platz genommen hat, umreißt Dr. Martin Wolz, Ärztlicher Direktor des Elblandklinikums Meißen und Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie, kurz den Aufbau der Infektions-Ambulanz. Binnen weniger Stunden wurden in einem Teil des Krankenhauses Trockenbauwände eingezogen, um eine räumliche Abtrennung des Bereiches zu schaffen. Zudem wurde neben dem Gebäude ein Zelt aufgebaut, über das Personen mit Verdacht auf eine Corona-Infektion ins Krankenhaus gelangen, ohne mit anderen Patienten in Kontakt zu kommen. Dort wird ein Abstrich angefertigt, mit dem eine Corona-Infektion festgestellt werden kann. Die Elblandkliniken haben dafür eigens ein Gerät angeschafft, die Kosten dafür bewegen sich im fünfstelligen Bereich. Für Infizierte wurden zudem eine Quarantäne-Station und ein Intensivbereich eingerichtet.

Eine Mitarbeiterin des Elblandklinikums zeigt eines der Röhrchen, in denen die Abstriche aufbewahrt werden.
Eine Mitarbeiterin des Elblandklinikums zeigt eines der Röhrchen, in denen die Abstriche aufbewahrt werden. © Claudia Hübschmann

Doch mit der neuen Corona-Ambulanz hat sich das Arbeitspensum am Elblandklinikum noch einmal deutlich erhöht. "Die Tests binden aktuell sehr viel Personal", sagt Dr. Martin Wolz. "Jedoch war es uns wichtig, über ein eigenes Gerät zu verfügen, damit wir direkt vor Ort Tests durchführen können." Damit die Corona-Ambulanz aber nicht überlastet wird, hoffen die Elblandkliniken auch auf das Verständnis der Menschen in der Region. "Bei der Frage, wer sich testen lassen sollte, halten wir uns an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts", sagt Dr. Martin Wolz. "Ein Test kommt für diejenigen infrage, die Symptome einer Erkältung aufweisen und Kontakt mit einer nachweislich infizierten Person hatten oder aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sind." Nach einem Abstrich dauert es etwa vier Stunden, bis die Ergebnisse vorliegen. Wer sich testen lassen will, soll nicht einfach im Klinikum auftauchen, sondern sich vorher telefonisch beim Gesundheitsamt (03521/7253435) melden.

Weniger Besucher dürfen ins Krankenhaus

"Die Entscheidung zur Errichtung der Infektions-Ambulanz ist recht zügig gefallen", so Elblandkliniken-Geschäftsführer Frank Ohi. "Damit wollen wir das Thema Corona am Standort in Meißen bündeln, um an den Standorten in Riesa und Radebeul so lange wie möglich den Normalbetrieb aufrechtzuerhalten." Um die Ansteckungsgefahr auch innerhalb des Krankenhauses einzudämmen, müsse man nun über weitere Maßnahmen nachdenken. So sei es beispielsweise nicht ausgeschlossen, dass schon bald der Besucherverkehr am Klinikum spürbar eingeschränkt werde.

Ministerpräsident Michael Kretschmer begrüßt diese Maßnahme. "Auf uns kommen Zeiten zu, die wir so noch nicht erlebt haben", sagt der CDU-Politiker. "Wir haben aber das große Glück, dass wir uns aktuell noch vor der Krise befinden und wichtige Weichen stellen können." Oberstes Ziel sei es, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Dafür müsse die Gesellschaft auch Einschränkungen akzeptieren. Dabei dürfe es jedoch nicht zu einem Zusammenbruch des Systems kommen.

Ministerpräsident Michael Kretschmer lässt sich von Dr. Boris Rolinski das PCR-Gerät erklären, mit dem das Elblandklinikum Meißen Verdachtsfälle auf das Coronavirus testet.
Ministerpräsident Michael Kretschmer lässt sich von Dr. Boris Rolinski das PCR-Gerät erklären, mit dem das Elblandklinikum Meißen Verdachtsfälle auf das Coronavirus testet. © Claudia Hübschmann

"Wir brauchen weiterhin Mitarbeiter im Krankenhaus, bei der Polizei und in vielen anderen wichtigen Bereichen", sagt Michael Kretschmer. Deshalb soll der Schulbetrieb in Sachsen zunächst zwar eingestellt, die Schulen aber geöffnet bleiben und als Betreuungsstätte für die Kinder all derjenigen dienen, die am Arbeitsplatz unverzichtbar sind. Das Beispiel Halle, wo die Schulen bereits komplett geschlossen worden, habe gezeigt, dass diese Maßnahme die Krankenhäuser nahezu lahmlege, so Kretschmer.

Auch am Elblandklinikum denkt man bereits über alternative Modelle für die Kinderbetreuung nach. "Wir haben unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Kindern geraten, dass sich drei bis vier Leute aus einer Schicht zusammentun, von denen dann einer die Betreuung der Kinder übernimmt, damit die anderen zur Arbeit kommen können", sagt Frank Ohi. Je nachdem, wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickelt, müsse man womöglich weitere Maßnahmen ergreifen.

Zum Ende seines Besuchs spricht Michael Kretschmer dem Team des Elblandklinikums Mut zu. "Ich finde es gut, dass sie selbst so aktiv sind und sich ihre Wege suchen", sagt der Ministerpräsident. "Sie haben meine volle Unterstützung. Es muss jetzt gehandelt werden. Auch wenn das heißt, dass sie mehr Betten vorhalten oder Geräte anschaffen müssen." Diskussionen über die Finanzierung seien in der aktuellen Situation erst einmal zweitrangig, so Kretschmer. Darüber solle dann erst nach Ostern gesprochen werden. "Doch es wird niemandem zur Last fallen."

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