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Bewährungsstrafe für Missbrauch

Ein 59-jähriger Löbauer hat sich in seinem Keller einem kleinen Mädchen gegenüber unsittlich benommen. Warum er trotzdem nicht ins Gefängnis muss.

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- © Symbolfoto: dpa

Es begann völlig unspektakulär. Mit einer Situation, wie man sie in Wohngebieten vielerorts erleben und beobachten kann. Da sitzt ab und zu ein Mann in Löbau-Süd vor seinem Haus auf der Bank und sieht Mädchen und Jungen auf dem Spielplatz zu. Klar, dass da auch mal ein paar Worte gewechselt werden, klar auch, dass er mal ein paar Lutscher oder etwas Schokolade springen lässt. Doch nun fand sich der 59-Jährige unversehens als Angeklagter vor dem Strafrichter am Amtsgericht Zittau wieder. An einem Nachmittag im Oktober vergangenen Jahres habe er eines der Nachbarkinder, ein damals achtjähriges Mädchen, mit in seinen Keller genommen und dort im Intimbereich berührt, hieß es dazu sinngemäß in der Anklageschrift.

Dem widersprach der Beschuldigte sofort. Es sei alles ganz harmlos gewesen. Er wäre gerade mit dem Fahrrad nach Hause gekommen, habe dieses abgestellt und wollte das mitgebrachte Altpapier in den Keller schaffen. Da habe ihn die Kleine gefragt, ob sie nicht mal seinen Keller sehen könne. Und er sagte: „Ja, warum nicht?“ Er habe dort unten das Papier abgelegt, und dann gingen sie beide sofort wieder hinauf. Dabei sei es zu keiner einzigen körperlichen Berührung gekommen, versicherte er. Überhaupt habe das Ganze ja höchstens 20 Sekunden gedauert. Das Mädchen spielte dann sofort mit den anderen weiter. Da waren noch sechs bis sieben da. Immer wieder beteuerte der Angeklagte, dass alle Anschuldigungen gegen ihn völlig aus der Luft gegriffen sind. Nie im Leben würde ihm so etwas einfallen. Schließlich habe er selbst erwachsene Kinder und mehrere Enkel.

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Damit aber gaben sich weder Richter Holger Maaß, der den Vorsitz führte, noch der Staatsanwalt zufrieden. Beiden war unklar, warum dieses für sein Alter völlig normale Mädchen den Mann einer solch Handlung bezichtigen sollte. Das wisse er auch nicht, sagte der Angeklagte. Und dann rutschte ihm die Bemerkung heraus, er sei sich „fast“ sicher, dass es so war, wie er es schilderte. Geduldig redete ihm nun der Staatsanwalt ins Gewissen, machte ihm klar, dass er selbst bei einem Geständnis nicht sofort in Handschellen abgeführt wird. Natürlich gehe es hier um sexuellen Missbrauch, aber doch an der untersten Grenze der Skala. Und schließlich wolle man im allseitigen Interesse dem vor der Tür wartenden Kind eine erneute peinliche Befragung ersparen. So brach er das Eis und der Angeklagte gestand. Nach diesem Geständnis verzichteten alle auf die Vernehmung.

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Das Geständnis wurde bei der Strafe ebenso wie die Tatsache berücksichtigt, dass der Angeklagte bisher noch nicht straffällig war, sagte der Staatsanwalt. Gleichzeitig ließ er keinen Zweifel daran, dass sich der Mann eben doch einer ernsten Straftat schuldig gemacht habe. Er hielt eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt zur Bewährung von drei Jahren, für angemessen. Zusätzlich beantragte er, dem Mann 50 Stunden gemeinnützige Arbeit aufzuerlegen. Diesem Strafmaß schlossen sich sowohl der Vertreter der Nebenklage als auch das Gericht an, und es erging ein entsprechendes Urteil. Zuletzt entschuldigte sich der Angeklagte bei den Eltern für sein Vergehen, das er inzwischen wirklich tief bereue. Er versichere, dass so etwas nicht wieder passiert.

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