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Sieben Jahre Missbrauch durch Jugend-Trainer?

Im Dresdner Prozess um sexuelle Übergriffe eines Aikido-Trainer kommen Details ans Licht. Der mutmaßliche Täter war wiederholt angezeigt worden.

Im Prozess wegen schweren Kindesmissbrauch gegen Aikido-Trainer Thomas H. kommen schmutzige Einzelheiten zur Sprache. Der mutmaßliche Täter war mehrfach angezeigt worden - allerdings ohne Erfolg.
Im Prozess wegen schweren Kindesmissbrauch gegen Aikido-Trainer Thomas H. kommen schmutzige Einzelheiten zur Sprache. Der mutmaßliche Täter war mehrfach angezeigt worden - allerdings ohne Erfolg. © Sven Ellger

Erst als sich ein Jugendlicher erstmals seiner Vertrauenslehrerin offenbart hatte, war sofort klar, dass hier ein schweres Verbrechen passiert sein musste. Noch in der Nacht desselben Tages wurde Thomas H. festgenommen. Es war der 30. Oktober vergangenen Jahres. Das konsequente Einschreiten der privaten Oberschule machte den jahrelangen sexuellen Umtrieben des 50-jährigen Aikido-Trainers aus Dresden gegenüber einer ganzen Reihe an Kindern und Jugendlichen ein Ende.

Seit einer Woche steht der Mann vor dem Landgericht Dresden – unter anderem wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und Missbrauchs von Schutzbefohlenen in mehr als 80 Fällen. In einem bizarren Auftritt räumte H. einen Teil der Vorwürfe ein, und wirkte dabei unerträglich emotionslos und kontrolliert.

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Außer einer Ansprache ist nichts passiert

Mit der Vernehmung zahlreicher Zeugen werden mehr und mehr schmutzige Einzelheiten bekannt. Etwa die, dass H., den seine Freunde nur „Max“ nennen, wiederholt bei der Polizei angezeigt worden war. Doch die Ermittlungen, wenn man sie überhaupt so nennen kann, waren stets im Sande verlaufen.

Einmal, sagt die ermittelnde Oberstaatsanwältin, habe der Kampfsport-Lehrer im Frühjahr 2018 von der Polizei eine sogenannte Gefährderansprache bekommen. Im Prinzip sagten die Beamten dem Verdächtigen: „Wir haben Dich im Visier“. Doch weder die Polizei noch den Sexualstraftäter schien das nachhaltig beeindruckt zu haben. „Max“ konnte seine Missbrauchsfantasien bis zu jenem 30. Oktober 2019 weiter befriedigen.

An dem Tag kurz nach den Herbstferien hatte sich ein Zehntklässler an seine Vertrauenslehrerin gewandt und ihr wörtlich gesagt: „Ich werde seit sieben Jahren von meinem Aikido-Lehrer sexuell missbraucht.“ Die Frau reagierte sofort, die Schulleitung habe die Eltern des 17-Jährigen alarmiert und die Polizei.

Das berichtete die 41-jährige Bio-Lehrerin am Dienstag, dem zweiten Verhandlungstag, als Zeugin. Wieder nahmen zahlreiche Zuschauer an dem Prozess teil, darunter auch einige Freunde und Schüler des Angeklagten. Auch das ist ungewöhnlich für einen derartigen Prozess.

Erste angeklagte Tat aus dem Jahr 2008

Bereits zum Auftakt hatte eine Mutter ausgesagt, sie habe H. im Herbst 2009 zur Rede gestellt, nachdem der sich im Frühjahr 2008 an ihrem damals 17-jährigen Sohn vergangen habe. Sie habe dem Trainer, mit dem sie seit Jahren befreundet war, geraten, sich psychiatrische Hilfe zu suchen.

Die Mutter eines weiteren, heute 12-jährigen Missbrauchsopfers sagte, sie sei im Mai 2016 zur Polizei gegangen – die habe ermittelt, doch sie habe von dem Verfahren nichts mehr gehört.

Am couragiertesten waren zwei 17-Jährige aus einer von H.s Aikido-Gruppen. Ihnen war Ende 2017 aufgefallen, dass H. bei der sogenannten Abschluss-Massage Jungen auffallend oft über dem Anzug ans Glied gefasst habe. Anfang 2018 sprachen sie ihren Trainer an: „Max das geht nicht. Du bist unser Freund, aber du musst damit aufhören. Trainieren kannst du auch nicht mehr“.

Nachdem sich H. zunächst einsichtig gezeigt und seine Taten vor den beiden Jugendlichen zugegeben habe, gaben sie ihm zwei Wochen Zeit, sich freiwillig der Polizei zu stellen. Doch schon eine Woche später habe H. so getan, als sei nichts gewesen. Die beiden jungen Männer hatten sich sogar zuvor in der Beratungsstelle "Ausweg" der AWO  Hilfe gesucht.  

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„Wir haben ihn angezeigt“, sagte Zeuge Carl B., einer der beiden aufmerksamen Jungs. Der 19-Jährige, den man für den Courage-Preis der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ vorschlagen sollte, wie eine Prozessbeteiligte sagte, macht sich bis heute Vorwürfe, dass auch nach seiner Anzeige nichts herausgekommen war. Anwältin Gesa Israel, sie vertritt eines der mehr als zehn Opfer des Aikido-Trainers, dankte Carl B. ausdrücklich: "Es  ist großartig, wie Sie sich verhalten haben, eine absolute Leistung." 

Der Prozess wird fortgesetzt.

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