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Missbrauchsprozess: Immer Kontakt zu Kindern

Dem Dresdner Aikido-Lehrer droht eine Strafe von knapp sieben Jahren. Das Urteil fällt kommenden Donnerstag.

Der Missbrauchsprozess gegen den Dresdner Aikodo-Trainer Thomas H. endet kommende Woche. Am Donnerstag wurde plädiert.
Der Missbrauchsprozess gegen den Dresdner Aikodo-Trainer Thomas H. endet kommende Woche. Am Donnerstag wurde plädiert. © Sven Ellger

Es ist wie so oft in Prozessen um schwer missbrauchte Kinder. Ihnen ist eine Vernehmung im Gerichtssaal nicht zuzumuten, ohne eine erneute Traumatisierung zu riskieren. Das gilt auch für den 17-Jährigen, der mit seiner Offenbarung im Oktober 2019 die Ermittlungen gegen Aikido-Trainer Thomas H. ins Rollen gebracht hatte. 

Der Schüler hatte berichtet, seit sieben Jahren von seinem Aikido-Trainer sexuell missbraucht worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft hätte den Zeugen gerne gehört, denn H. hatte seine Taten gegenüber dem Schüler, er ist der Hauptgeschädigte, recht verharmlosend dargestellt.

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Missbrauchsopfer meldet sich nach SZ-Artikel

Letzter Zeuge war daher ein 27-jähriger Student. Er hatte sich erst jetzt seinen Eltern anvertraut, als die SZ im Mai über die Vorwürfe gegen H. berichtete. Der Zeuge sagte aus, zwischen 2005 und 2007 von H. missbraucht worden zu sein. Der Angeklagte sei mit seinen Eltern befreundet gewesen, sie kannten sich über die Kindervereinigung Dresden. Als er etwa elf Jahre alt war, sei H. Gast bei einer Familienfeier gewesen und habe bei ihnen übernachtet. H. habe sich nachts neben ihn gelegt und ihn missbraucht, sagte der Student. Er habe sich nichts anmerken lassen.

Das Landgericht Dresden hat am Donnerstag dem Angeklagten im Rahmen einer Verständigung eine Strafe von maximal sechs Jahren und zehn Monaten in Aussicht gestellt und einen Teil der rund 80 Vorwürfe – sie reichen von oberflächlichen Berühren der Genitalien bis zu oraler und analer Penetration – eingestellt.

Thomas H. hat weder Lehre noch Studium abgeschlossen, aber seit Jahrzehnten mit Kindern gearbeitet. So habe er die Freie Alternativschule Dresden mitgegründet und dort auch unterrichtet. Er habe Jugendweihe-Freizeiten für Jungen organisiert, sei als Erlebnispädagoge für den Verein Outlaw monatelang mit Jungen in einer Einzelfallbetreuung unterwegs gewesen, so H.

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Am Nachmittag wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit plädiert. Weil in der Verhandlung Zeugen nicht öffentlich ausgesagt hatten, sei das Gericht gezwungen, auch die Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit anzuhören, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel. Die Kammer wird am kommenden Donnerstag ihr Urteil verkünden – dann wieder in öffentlicher Sitzung.

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