merken
PLUS Pirna

Mission Adler

Wagemutige wollen auf einem Seil das Polenztal queren. Eine verrückte Idee. Gänsehaut gibt es schon bei der Vorbereitung.

Geniale Idee, klasse Ausführung: Thomas Türpe (links) mit Falkner Hans-Peter Schaaf und Hera, wieder zurück im Burggarten.
Geniale Idee, klasse Ausführung: Thomas Türpe (links) mit Falkner Hans-Peter Schaaf und Hera, wieder zurück im Burggarten. © Thomas Türpe

Auf einem Seil vom Burggarten in Hohnstein hinüber zur Hocksteinaussicht? Nicht möglich oder unglaublich? Völlig abgefahren? Die beiden Dresdener Ruben Langer und Kai Gilbrich vom Konnektonauten Slacklineteam Dresden wollen es am Sonnabend mit weiteren Mitstreitern wagen.

Falkner Schaaf weist Ruben Langer in den Umgang mit Hera ein. Sie soll die Hilfsschnur ziehen.
Falkner Schaaf weist Ruben Langer in den Umgang mit Hera ein. Sie soll die Hilfsschnur ziehen. © Thomas Türpe

Die Idee dazu stammt von dem Dresdner Thomas Türpe, Kletterer und Fotograf sowie Mitglied der Bürgerinitiative zur „Rettung der Burg Hohnstein“. Und als solches ist er seit Längerem in besonderer Mission unterwegs, wirbt für eine Hängebrücke genau an dieser Stelle. Die Slackline ist für ihn deshalb auch ein Symbol. „Der Landschaftsraum um Hohnstein und seine Gemeinden sind touristisch abgehängt und vernachlässigt, Einzelhandel und Gastronomie entwickeln sich zurück“, sagt er. Die Bevölkerung brauche wieder Perspektiven und Ziele für ihre Zukunft und Jugendliche, die sich hier wohl fühlen und gerne hier wohnen und leben.

Anzeige
Fahrzeugeinrichtung nach Maß
Fahrzeugeinrichtung nach Maß

HOLDER ist der Spezialist für individuelle Fahrzeugeinbauten.

Ihm kam die völlig verrückte Idee mit der Slackline über dem Polenztal. Die Aktion wird ein Höhepunkt des Elbsandsteinbouldercups, der am Wochenende in Hohnstein stattfindet. Das Hauptproblem: Das alles ist Nationalparkgelände. Damit gibt es Beschränkungen. Thomas Türpe sind die nicht neu. Doch so abgefahren die Idee war, so wollte er alles daran setzen, sie zu realisieren.

Kai Gilbrichs Aufgabe ist es, die erste Schnur und dann die Line zu halten.
Kai Gilbrichs Aufgabe ist es, die erste Schnur und dann die Line zu halten. © Thomas Türpe

Frei nach dem Motto, wer nicht wagt, der nicht gewinnt, klapperte er die Behörden ab. Es folgte ein Brief an die Nationalparkverwaltung, dann eine persönliche Vorsprache. Es gab einen Vor-Ort-Termin, um festzustellen, ob es aus naturschutzrechtlichen Gründen möglich ist. Denn aus eben diesen ist es für Hohnstein generell schwer, sich weiter zu entwickeln.

Doch offenbar war alles leichter als gedacht. Die Nationalparkverwaltung gab ihr okay. Die Landesdirektion hat als oberste Behörde abschließend alles positiv bewertet. Nach etwa einem Viertel Jahr waren die bürokratischen Hürden genommen.

Wie aber kommt nun die Slackline über das Polenztal? Vom Burggarten bis zur gegenüberliegenden Hocksteinaussicht sind es immerhin 360 Meter Luftlinie. In Anlehnung an die Sage von der Lederbrücke über das Polenztal sicherlich nicht. Denn die besagt, dass in hellen Vollmondnächten peitschende Geräusche durch den Burggarten schwirrten. In Windeseile spannte sich dann wie durch Zauberhand eine Lederbrücke zwischen Hockstein und Burggarten. Ein fescher Ritter schritt über die Brücke zum hübschen Burgfräulein. Doch wie das mit Sagen so ist, mit einer Peitsche ist es in der Realität nicht getan. Am einfachsten wäre es mit einer Drohne gewesen. Dafür gab es keine Genehmigung. Thomas Türpe erinnerte sich an Falkner Hans-Peter Schaaf aus Moritzburg. Seine Tiere waren schon bei Drehs für Film und Fernsehen dabei. Schaaf selbst ist einer der profiliertesten Falkner Sachsens. „Ich rief also an und fragte, ob vielleicht ein Falke die Hilfsschnur für die Slackline spannen könnte“, erinnert sich Türpe.

Die Entscheidung. Ruben Langer lässt Hera fliegen. Doch zuvor gab es noch eine Schrecksekunde.
Die Entscheidung. Ruben Langer lässt Hera fliegen. Doch zuvor gab es noch eine Schrecksekunde. © SZ/Anja Weber

Zu seiner Verblüffung kam trocken die Antwort von Falkner Schaaf. „Die Falken nicht, aber die Adler machen das.“ Am Dienstagnachmittag startete das Experiment. „Es ist auch für mich etwas Neues. Wir müssen sehen, ob es so funktioniert“, sagt Schaaf. Etwas skeptisch schauen die beiden Slackliner auf die Weißkopfadler und den Steinadler. „Gelingt es nicht, hätten wir noch die Idee mit einem Golfball“, sagt Ruben Langer. Doch zunächst glauben sie an die Mission Adler. Denn die beiden jungen Männer wollen unbedingt am Sonnabend auf der Slackline die Distanz zurücklegen. „Das wäre die längste freihängende Slackline und damit deutscher Rekord“, sagt Ruben Langer. Die beiden sind Slackline-Profis. Sie reizt vor allem die Kulisse. Die sei optisch sehr ansprechend, sehr ästhetisch. Für einen Slackliner ist auch das wichtig. Erst einmal muss die Verbindung stehen. Die Umsetzung ist, wie das ganze Projekt, ziemlich verrückt. Falkner Schaaf instruiert Ruben Langer, damit er einen der Weißkopfadler auf die Reise über das Polenztal schicken kann. Hera soll die am Geschirr befestigte Angelschnur hinüber fliegen. Gelingt es, wird danach die Slackline aufgezogen.

Beifall für das Experiment

Weiterführende Artikel

Seeadler eingefangen, Großfalke ausgebüxt

Seeadler eingefangen, Großfalke ausgebüxt

Falkner Hans-Peter Schaaf aus Meißen hat ereignisreiche Tage hinter sich.

Die, die das Polenztal überqueren

Die, die das Polenztal überqueren

Wagemutig oder lebensmüde? Auf einem Seil queren Slackliner das Polenztal. Ein deutscher Rekord wird geknackt. 

Punkt 17 Uhr soll der Versuch starten. Gegen 16.30 Uhr ist die Vorbereitung abgeschlossen. Thomas Türpe wird langsam etwas nervös. Gemeinsam mit dem Falkner fährt er auf die gegenüberliegende Seite. Nach etwa 20 Minuten stehen sie in Sichtweite gegenüber auf dem Hockstein. Falkner Schaaf lockt den Weißkopfadler. Der reagiert darauf. Das Experiment kann starten. Ruben Lange bekommt das Kommando, den Adler fliegen zu lassen. Doch oh Schreck, Der Vogel hat die Angelschnur verloren. Ganz ruhig. Nur nicht im letzten Moment versagen. Vorsichtig wird die Angelschnur erneut befestigt. Start. Im Burggarten wo sich inzwischen jede Menge Zuschauer versammelt hat, ist es still. Sekunden scheint es, als ob der Adler sein Ziel verfehlt. Doch dann segelt er passgenau auf den Arm seines Falkners. Beifall. Ruben Langer und Kai Gilbrich können es nicht fassen. Funkstille auf dem Hockstein. „Dass der erste Versuch gelingt, hätte keiner gedacht“, sagt Thomas Türpe. Offenbar noch benommen, hatte er sich mit dem Falkner auf dem Rückweg noch verlaufen. Die Slackline wird am Sonnabend mehrmals von verschiedenen Profis begangen. Zwischen 15 und 17 Uhr lassen sie sich etwas besonderes einfallen. Interessierte sind willkommen.

Mehr zum Thema Pirna