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Mission erfüllt

Ein halbes Jahr sind die grün-weißen Elektrobusse über Dresdens Straßen gerollt. Die Forscher sind zufrieden und haben neue Ziele.

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© Norbert Millauer

Von Lars Radau

Es dauert noch ein paar Tage – aber bereits jetzt sieht alles danach aus, als hätte Edda einen sehr guten Job gemacht. Edda ist die Abkürzung für das Projekt „Elektromobilitätsdemonstration Dockinganwendung“ am Dresdner Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI). Dazu gehört der zwölf Meter lange grün-weiße Elektrobus, der seit November auf verschiedenen Linien der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) eingesetzt wird.

Edda ist aber nicht nur der Bus, sondern auch die Ladetechnik. Dazu gehört ein Stromabnehmer auf dem Dach des Busses, mit dem das Fahrzeug an der Ladestation im Betriebshof Gruna innerhalb weniger Minuten seinen 85 Kilowattstunden starken Lithium-Ionen-Akku für die nächste Runde nachladen kann. Viereinhalb bis sechseinhalb Minuten dauert das. Diesel oder eine Tankstelle braucht Edda nicht.

Für Thoralf Knote, den Abteilungsleiter für Fahrzeug- und Verkehrssystemtechnik am IVI, hat der Elektrobus seine Mission erfüllt. Sämtliche Kernkomponenten, von der Ladestation über die Batterien im Fahrzeug bis hin zur ausgeklügelten Leistungselektronik, hätten einwandfrei funktioniert. Dass es im Versuchsbetrieb, bei dem der Bus auf drei verschiedenen Strecken zum Einsatz kam, doch technisch bedingte Unterbrechungen gab, habe andere Ursachen gehabt. „Es gab Probleme mit der Stand- und der Zusatzheizung, und einmal ist die Türsteuerung ausgestiegen“, sagt der Ingenieur. Die sei bei Bussen prinzipiell die sensibelste Komponente. „Die Störung hat sich aber im Prinzip durch Aus- und Einstöpseln eines Steckers beheben lassen“, sagt er.

Rollend die Batterien aufladen

Weil derlei Unvorhergesehenes immer passieren konnte und der Bus auch regelmäßig zur Überprüfung und zum Auslesen der Daten in die Werkstatt rollte, waren die Fahrten von vornherein als Ergänzung zum normalen Linienbetrieb geplant. Ein Augenmerk der Forscher lag auch auf dem Aspekt, ob und wie sich der Stromverbrauch bei unterschiedlichen Belastungen verändert. War der grün-weiße Bus zunächst auf einem eher flachen Streckenteil der Linie 61 zwischen Gruna und Löbtau unterwegs, ging es seit Ende Februar von Gruna über das Blaue Wunder zum Ullersdorfer Platz in Bühlau hinauf. 135 Höhenmeter waren auf dem letzten Teilstück zu überwinden. Die bestanden im Wesentlichen aus der steilen und langen Grundstraße. „Der Stromverbrauch pro Kilometer ist aber auf beiden Strecken annähernd gleich geblieben“, sagt Thoralf Knote. Auf dem Rückweg die Grundstraße hinunter konnte das Fahrzeug beim Bremsen seine Akkus wieder aufladen.

Der Elektrobus kommt auch aus Sicht der DVB-Fahrer gut weg, sagt Knote. „Das Feedback der Profis ist positiv.“ Nicht nur, weil es mit Akku vorne leiser zugehe als bei einem Dieselbus. Der Elektroantrieb ermögliche zudem ruckfreies Anfahren. Das sei auch für die Passagiere angenehmer. Noch bis zum Monatsende ist der Bus auf der Linie 85 zwischen Gruna und der Mohorner Straße unterwegs. Dann endet der Probebetrieb offiziell. Die Forscher haben neue Ziele. Das schnell ladende System Edda soll marktreif werden – bisherige Systeme brauchen viel länger für den Ladevorgang. Trotzdem investieren die DVB und haben einen Elektrobus von einem Großserienhersteller bestellt. Der soll künftig zwischen Mickten und Übigau rollen.