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Missklänge bei den Pfingstsängern

Musik. Der Jessener Männerchor fühlt sich von der Chorgemeinschaft Coswig-Weinböhla schnöde behandelt und schmollt.

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Von Torsten Oelsner

Wo man singt, da lass’ dich nieder“, heißt es doch so schön. Zwischen dem Männerchor Jessen und der Chorgemeinschaft Coswig-Weinböhla ist es derzeit allerdings ein reichlich ungemütlicher Ort. Mit starkem Geschütz zogen die sangesfreudigen Männer aus Jessen, einem Niederauer Ortsteil, gegen die Coswig-Weinböhlaer in ihrem Amtsblatt zu Felde. „Pfingstsingen auf dem Gellertberg 2005 Teilnahme des Jessener Männerchores nicht erwünscht!“, lautet die harsche Überschrift über einer Anklageschrift von gut zwei A-4-Seiten. Der Männerchor fühle sich „ausgegrenzt“, weil er auf den diesjährigen Einladungsplakaten nicht mehr erwähnt wird. Diese Vorgehensweise werde als „Ausladung“ betrachtet, schreiben der Vorsitzende des Chores, Daniel Müller und sein Schriftführer Wolfgang Mannheim. Natürlich tue es ihnen Leid, diesen Schritt gehen zu müssen, aber aufdrängen werde man sich nicht. Der Männerchor habe bewiesen, dass er Besinnlichkeit verbreiten könne. Vielleicht gebe es ja für 2006 neue Überlegungen.

Im Lager der kunstsinnigen Chorgemeinschaft kam dieses Statement der Jessener an wie ein Akkord von AC/DC mitten in einer Schumann-Sonate.

Man sei verärgert gewesen, vor allem, weil man bereits vor Erscheinen des Amtsblattes mit den Jessenern bei einem Bierchen zusammensaß und Tacheles geredet habe, so Jürgen Vater, der Vorsitzende der Chorgemeinschaft.

Aus deren Sicht stellt sich der Fall ganz anders dar. Die Jessener waren in den beiden letzten Jahren als so genannter Pausenchor beim Pfingstsingen auf dem Gellertberg in Niederau eingeladen. Die Gastinterpreten wechseln immer mal. Nun hätten die Jessener aus diesen zwei Mal irrtümlich eine Art Dauergastspiel abgeleitet und wären erzürnt gewesen, weil sie im Festprogramm nicht auftauchten.

Qualität stimmte nicht

Die Ausladung der Jessener auf kaltem Wege habe aber auch einen anderen Grund, so Jürgen Vater und sein Vorstandskollege Heinz Meißner. „Die Qualität hat einfach zu wünschen übrig gelassen, das kam ziemlich deutlich aus dem Publikum.“ Bei einem Eintritt von 2,50 Euro für bis zu 1 000 Gäste bei einer Veranstaltung, welche die einzige große Einnahmequelle des Vereins darstelle, könne man sich die Gunst der Hörer nicht verscherzen. „Wir haben bloß nicht gewusst, wie wir das den Jessenern schonend beibringen“, so Vater. Umso überraschter war er, als diese beim Bier freimütig zugaben, dass der Pfingstauftritt vergeigt war. Die Männer wären am Vortag bei einem Polterabend und am Morgen danach eben nicht besonders gut drauf gewesen.

Dennoch. „Singen soll ja verbinden“, so Jürgen Vater. „Deshalb wollen wir uns im Juni zusammensetzen und beraten, wie wir weiter zusammenarbeiten können.“