SZ +
Merken

Mist für Touristen

Die angedachten Gärbehälter der Firma Heim-Rinderfarm in Neusorge und Steinbach ziehen immer weiter Kreise. Auch das Erholungskonzept wird wichtig.

Teilen
Folgen
© dpa

Von Katja Schlenker

Mehr als 800 Unterschriften sind gegen den Bau von Gärrestebehältern in Neusorge und Steinbach zusammengekommen. Darüber informiert Neusorges Ortsvorsteher Jens Schurig in der jüngsten Sitzung des Stadtrats. Unzählige Einwohner der beiden Orte sind ebenfalls in der Sitzung anwesend gewesen. Die Heim Rinderfarm Neiße GmbH plant vier oder fünf Gärrestebehälter zu bauen – einen in Steinbach und drei oder vier in Neusorge.

Das Unternehmen argumentiert mit Veränderungen der Düngeverordnung. Demnach sind die zusätzlichen Behälter notwendig, um die Gärreste zu lagern. „Wir stehen den Plänen der Erbauung von weiteren Gärreste- und Güllebehältern sowie der massenhaften Ausbringung dieser Reste auf den umliegenden Flächen entgegen“, sagt Jens Schurig. Nach vier Wochen haben sich genau 805 Menschen sich an der Unterschriftenaktion beteiligt. Diese läuft seit einer Einwohnerversammlung Mitte Januar, bei der die Heim Rinderfarm Neiße GmbH ihre Pläne vorgestellt hat. Zusätzlich zu den Unterschriften gebe es „eine nicht unerhebliche Zahl von Sympathisanten, die aufgrund ihrer Stellung oder geschäftlichen Beziehungen nicht in Erscheinung treten möchten“, erklärt Jens Schurig weiter. Dies zeige unmissverständlich den Willen der Bevölkerung.

Kopien der Unterschriftenlisten sind im Stadtrat an Bürgermeisterin Heike Böhm (SPD) übergeben worden. Die Originale wird Landrat Bernd Lange (CDU) am nächsten Mittwoch erhalten. Da haben die Ortschaftsräte einen Termin mit ihm. „Wir sind nicht gegen Landwirtschaft und einen gesunden Kreislauf in einem landwirtschaftlichen Betrieb, wie es das Landwirtschaftsministerium fordert“, betont Jens Schurig. Dieser Position schließt sich Stadtrat Wilfried Ladewig von den Freien Wählern an. Dass die Behälter in der Nähe von Wohnhäusern gebaut werden sollen, kritisiert er. Ebenso sieht er negative Effekte für den Tourismus der Region. „Es hat sich in den vergangenen Jahren ein sanfter naturverbundener Tourismus entwickelt“, sagt Wilfried Ladewig. „Als Vertreter der Tourismusgruppe Rothenburg befürchte ich bei Verwirklichung der Bauvorhaben, dass Besucher um den Ort einen weiten Bogen machen, wo es bis zum Himmel stinkt, und nie wieder herkommen.“

Eine Standortfehlentscheidung solle unter touristischen und landwirtschaftlichen Aspekten dringend vermieden werden. Die Fraktion spricht sich gegen das Bauvorhaben aus. Die CDU als stärkste Fraktion des Rothenburger Stadtrats hat sich noch kein abschließendes Urteil über das geplante Vorhaben der Heim Rinderfarm Neiße GmbH gemacht. „Wir werden uns zusammensetzen und dann ein Statement abgeben“, erklärt Hartmut Steinert von der Fraktion. Und lobt das Engagement. Er sei überrascht und dankbar, dass die Einwohner von Neusorge und Steinbach den Weg in den Stadtrat gefunden habe, nahe an der Basis sind und nach vorne kommen mit ihrem Anliegen.