merken
PLUS

Mister Ehrenamt

Günter Zeiger ist Stadtrat in Radeberg, ehrenamtlicher Richter und hilft bei der IG Metall. Damit hört die Liste seiner Funktionen nicht auf.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Radeberg. Bei manchen Menschen muss der Tag mehr als 24 Stunden haben. Wegen der vielen Arbeit, die sie so bewältigen. Günter Zeiger ist einer von ihnen. Der 66-Jährige ist zwar Rentner, doch die Liste seiner Ehrenämter ist so lang, dass sie sich nicht an einer Hand aufzählen lassen. Er ist ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht in Dresden, Mitglied des Arbeitskreises Soziales der IG Metall und sitzt für die SPD im Radeberger Stadtrat. Ganz wesentlich: Er bestimmt als stellvertretender Vereinschef die Geschicke des Mehrgenerationenzentrum Radeberg mit. Ach ja, Hartz IV-Empfänger berät er darüber hinaus, und beim Sport in Radeberg mischt er auch noch mit.

ELBEPARK Dresden
Der ELBEPARK bietet mehr
Der ELBEPARK bietet mehr

180 Läden, 5.000 kostenlose Parkplätze und zahlreiche Freizeitangebote sorgen für stressfreies und vergnügtes Einkaufen im ELBEPARK. Jetzt Angebote entdecken.

Von Stress oder gar Überlastung will er aber nicht reden. „Ich plane mir das alles gut ein, und ich muss ja nicht jeden Tag alles machen“, sagt er. Dennoch sind seine Tage dicht getaktet. „Vormittags bin ich an drei Tagen in der Woche im Mehrgenerationenzentrum anzutreffen. Dann mache ich gelegentlich Beratungen beim Verein ,Unabhängige Arbeits- und Sozialberatung‘ in Dresden, bereite mich auf Stadtratssitzungen vor und am Abend bin ich meist auf dem Fußballplatz zu finden. Aber beispielsweise die Beratungen in Sachen Hartz IV finden ja nur ein- oder zweimal die Woche statt“, sagt er und fügt hinzu: „Stimmt schon, meine Frau sieht mich selten.“ Weshalb er sich das alles antut und es sich nicht wie andere auf dem Sofa bequem macht oder Blumen züchtet? „Es macht mir einfach Spaß, zu helfen und mein Wissen weiterzugeben, egal, ob beim Ausfüllen von Hartz-IV-Anträgen oder auf dem Fußballplatz.“ Sein Leben lang habe er das so gehalten. Der gelernte Karosseriebauer organisierte schon in den 70er und 80er-Jahren die sozialistischen Betriebsfestspiele“. Nach der Wende ließ er sich in den Betriebsrat von Rafena wählen. Dann kamen all die anderen politischen Ämter hinzu. Ganz am Anfang war er mehr an Fußball als an Politik interessiert. Schon mit zwölf Jahren begann er zu spielen in der C-Jugend bei Robotron.

Organisator der Stadtmeisterschaften

Mit den Jahren war zunehmend sein Organisationstalent gefragt. Als es 1990 die Betriebsfestspiele nicht mehr gab, er mit seiner Mannschaft aber gerne ein Turnier spielen wollte, ergriff er die Initiative. „Anfangs waren sechs Freizeit-Teams dabei. So kurz nach der Wende hatten die meisten Menschen ganz andere Sorgen“, sagt Günter Zeiger. In Spitzenzeiten waren 13 Mannschaften dabei, auch von Polizei und Feuerwehr. Bei zehn habe man sich seit einiger Zeit eingepegelt, wobei das Holsten Freizeitteam des SV Einheit von Anfang an und bis heute zur Stange hält. Dreimal holte der FC Montag den Titel, der aber nicht mehr dabei ist. Dafür machen die „Fruchtzwerge“ mit oder die „Ballermänner“.

Gerechtigkeit treibt ihn in seiner politischen Arbeit an, aber genauso auf dem Platz. So greift er durch, wenn gegen die Regeln bei den Stadtmeisterschaften verstoßen wird. So mussten schon Mannschaften disqualifiziert werden, weil sie Kicker in ihren Reihen hatten, die gleichzeitig an Punktspielen teilnahmen. „Wenn mir das zu Ohren kommt, dann gibt es Punktabzug. Die Regeln sind allen bekannt und gelten für alle“, sagt er. Wenn die diesjährigen Stadtmeisterschaften Mitte Juni entschieden sein werden, hat Günter Zeiger einen Vollzeitjob hinter sich, wie er sagt. „Rechnet man den Aufwand zusammen, kommen zwei Wochen mit je 40 Stunden Arbeitszeit zusammen.“

Zumindest in dieser Funktion will der 66-Jährige künftig kürzer treten. In zwei Jahren wird er das letzte Turnier der Freizeitmannschaften organisieren. Seit 28 Jahren macht er das jetzt. Das 30. Turnier soll dann definitiv der Schlusspunkt sein. „Dann können andere das Ruder übernehmen“, sagt er.