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Mit 100 Jahren noch richtige Kniebeuge

Johanna Marie Vetter feierte am Samstag ihren 100. Geburtstag. Sie ist damit die älteste Einwohnerin der Stadt Bernsdorf und der dazugehörigen Ortsteile.

Johanna Marie Vetter feierte am Samstag mit ihrer Familie ihren 100. Geburtstag. Am gestrigen Montag schauten Bürgermeister Harry Habel und ASB–Geschäftsführer Peter Großpietsch (hier im Bild) vorbei, um nachträglich zu gratulieren.
Johanna Marie Vetter feierte am Samstag mit ihrer Familie ihren 100. Geburtstag. Am gestrigen Montag schauten Bürgermeister Harry Habel und ASB–Geschäftsführer Peter Großpietsch (hier im Bild) vorbei, um nachträglich zu gratulieren. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Bernsdorf. Den Kaffee mag Johanna Marie Vetter am liebsten mit etwas Milch, aber ohne Zucker. Von ihrem Geburtstagskuchen nimmt die Seniorin am Montagmorgen auch gern ein Stück. Aber nur ein sehr kleines bitte. Die vitale Seniorin weiß noch ganz genau was sie möchte und was nicht. 

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Wenn man sie mit ihrem Rollator laufen, am Tisch sitzen, gemütlich essen und trinken sieht, mag man kaum glauben, dass sie am Samstag ihren 100. Geburtstag feierte. Klarer Blick, wacher Geist, eine für ihr Alter bemerkenswerte Beweglichkeit und Vitalität erstaunen auch Bürgermeister Harry Habel. War doch ihr 100-jähriger Lebensweg nicht immer einfach. Das deutsche Kaiserreich ist zu Ende, der Erste Weltkrieg hinterlässt seine Spuren – da erblickt Johanna Marie Vetter in politisch und gesellschaftlich stürmischen Zeiten am Sonntag, dem 2. November 1919, das Licht der Welt.

Und auch 100 Jahre später kann sich die gebürtige Bernsdorferin noch an viele Dinge erinnern, die sie maßgeblich prägten. Sie berichtet vom Zweiten Weltkrieg als das Lautawerk bombardiert wurde und die Menschen Zuflucht in Kellerräumen suchten, von den langen und auch schmerzhaften Zeiten, als es wenig oder gar kein Essen gab. Denn Hunger kann sehr weh tun. Sie las mit ihren sechs Geschwistern Getreideähren aus, klopfte die Körner aus, um diese in eine Mühle zu schaffen, wovon die Mutter dann im Tausch das so wichtige Brot zur Ernährung der Familie kaufen konnte. Für Langeweile, Müßiggang und Meckerei sei schon damals keine Zeit und irgendwie auch gar kein Platz gewesen. Später wohnte sie in Torno, arbeitete dort in einer Bäckerei, lernte in ihrem Beruf auch ihren späteren Ehemann kennen, gründete eine Familie und erlebte in den folgenden Jahrzehnten wegen gravierender gesellschaftspolitischer Veränderungen gute und schlechtere Zeiten. Jammern und Klagen hört man aber in den Ausführungen von Johanna Marie Vetter nie. Auch heute nicht. „Das ist echt bewundernswert. Diese Generation hat so viele Umbrüche und schwere Zeiten mitgemacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Menschen einfach die Ärmel hochgekrempelt, um alles wiederaufzubauen. Im Vergleich dazu wird heute oftmals auf hohem Niveau gejammert“, meint Bürgermeister Harry Habel und staunt über die sportlichen Fähigkeiten der Seniorin. „Ich war und bin eigentlich immer gern und viel in Bewegung. Das hat mir auch nicht geschadet, wie man sehen kann“, meint die Jubilarin lachend, die heute noch regelmäßig Kniebeugen (bis zum Boden!) macht, wie Ergotherapeut Sebastian Klar berichtet. Zweimal in der Woche geht es zum Seniorensport im ASB-Pflegeheim „Am Schmelzteich“.

An den Abenden schaut die Jubilarin gern Fernsehen. Am vergangenen Sonntag stand Tatort auf dem Programm der ältesten Heimbewohnerin, die sich jeden Tag im Sessel ein kleines Mittagsschläfchen und bei gewissen Anlässen auch mal ein Glas Wein oder einen Schnaps gönnt. „Aber nicht allein. Da schmeckt es mir nicht“, so Johanna Marie Vetter, die sich jetzt schon auf ihren 101. Geburtstag freut.

Materielle Wünsche hat die Seniorin keine. Nur Gesundheit, denn das sei das Wichtigste!

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