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Mit 57 Jahren noch mal auf der Schulbank

Uhyst a. T. Seit fast vier Jahrzehnten arbeitet Brunhilde Köhring als Erzieherin.

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Von Helga Koch

Für Brunhilde Köhring aus Demitz-Thumitz ist‘s der Traumberuf. Sie arbeitet als Erzieherin in der Uhyster Kindertagesstätte „Bienenhaus“, deren Träger der Bautzener Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist. Zurzeit betreut die 57-Jährige die Jüngsten: sieben Krippenkinder im Alter von einem und zwei Jahren.

1998 wechselte Brunhilde Köhring von Demitz-Thumitz nach Uhyst. Eingelebt hat sie sich gut, fühlt sich wohl und kennt längst alle Eltern. Je nachdem, wie sie sich mit ihren Kolleginnen in die Schichten teilt, fängt Brunhilde Köhrings Arbeitstag zwei-, dreimal in der Woche um sechs Uhr an und endet mitunter auch erst 17 Uhr. „Mein Mann fährt mich mit dem Auto her und holt mich auch von der Arbeit ab. Er ist 64 und schon Rentner.“ Sie arbeitet in Teilzeit, 30 Stunden pro Woche und ist im „Bienenhaus“ die älteste der drei Erzieherinnen.

Zurzeit wird das kleine Team durch eine Praktikantin verstärkt, die ihren Abschluss als Erzieherin ablegen wird. Brunhilde Köhring hat Maren Raupach aus Bautzen ein Jahr lang betreut. Nun steht die große Prüfung bevor. „Ich zittere schon ein bissel mit. Aber ich weiß, dass sie‘s gut macht, so wie alles bis jetzt“, lobt die 57-Jährige, die schon etlichen angehenden Kolleginnen ihre Erfahrungen mit auf den Weg gegeben hat. Zurzeit drückt Brunhilde Köhring übrigens selbst wieder mal die Schulbank. Sie schreibt eine neue inhaltliche Konzeption fürs „Bienenhaus“ und schließt im November ihre zweijährige Weiterbildung ab. Dass sie gern am Computer arbeitet und fotografiert, kommt ihr dabei zugute.

Brunhilde Köhring stammt aus Zittau, hat ihre Ausbildung als Kindergärtnerin in Pirna absolviert und wurde 1967 in Demitz-Thumitz eingesetzt. „Ich bin dort sozusagen kleben geblieben“, sagt sie lächelnd. Auch ihre beiden Töchter gingen in den Demitzer Kindergarten. „Die Arbeit mit den Kindern macht Spaß. Wenn man sich mit ihnen beschäftigt, sieht, wie sie spielen und sich weiterentwickeln, wenn aus Krippenkindern schließlich Schulanfänger werden.“ Am schwierigsten seien die ersten Tage, wenn die Kleinen neu in die Einrichtung kommen. Es bedeute Stress für die Kinder, erfordere viel Einfühlungsvermögen und Aufmerksamkeit. Manche Eltern seien aufgeregter als die Kleinen, oft unnötig. „Die Mütter freuen sich, wenn sich ihre Kinder gut eingewöhnt haben.“ Natürlich müsse sie als Erzieherin auch mal energischer mit den Kindern sprechen, „aber ich nehme sie ja dann gleich wieder in den Arm.“

Der Awo-Kreisverband beschäftigt im Landkreis Bautzen 143 Erzieherinnen. 39 sind 50 Jahre oder älter. Die Awo bemühe sich, das Personal altersmäßig ausgewogen einzusetzen, sagt Sachgebietsleiterin Gabriele Absch. „Das ist aber nur schwer möglich und erst in letzter Zeit durch Neueinstellungen steuerbar geworden.“

Brunhilde Köhring, die gern Rad fährt und im Garten relaxt, wird wahrscheinlich in drei Jahren in Rente gehen. Denn die Arbeit, angefangen vom Windeln über häufiges Heben bis hin zum Bücken, koste schon einige Kraft, bekennt die Erzieherin.