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Pirna

Mit 667 Brillengestellen auf der Flucht

Ein Pole soll zu einer Bande gehören, die Optiker beraubt. Nach einem Bruch in Heidenau schnappt ihn die Polizei. Nun steht er vor Gericht.

Zettel an der Optiker-Filiale in Heidenau: Das Geschäft war Ziel der Einbrecher.
Zettel an der Optiker-Filiale in Heidenau: Das Geschäft war Ziel der Einbrecher. © Archivfoto: Daniel Förster

In den frühen Morgenstunden des 23. Februar bekommt die Autobahnpolizei einen Hinweis zu einem verdächtigen Fahrzeug. 

Ein BMW mit polnischem Kennzeichen soll in einen Einbruch involviert gewesen und nun Richtung polnische Grenze unterwegs sein. Bei Bautzen stößt eine Streife auf das Fahrzeug und will es stoppen. Doch der Fahrer gibt Gas. Auf einem Autobahnrastplatz kurz vor der Grenze lassen die Insassen den BMW schließlich stehen und flüchten zu Fuß. Im Wagen finden die Beamten 667 Brillengestelle.

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Nur wenige Tage später erscheint ein 34-jähriger Pole auf dem Polizeirevier, weil er sein Auto, nämlich den zurückgelassenen BMW, wiederhaben möchte. Er gibt an, in der fraglichen Nacht zwei Bier getrunken zu haben und deshalb vor der Polizei geflohen zu sein. Diese platte Ausrede glauben ihm die Beamten nicht, schon allein wegen der Brillengestelle. Es steht der Verdacht im Raum, dass der Mann einer von mehreren Tätern ist, die in der Nacht zum 23. Februar in das Optikergeschäft am Real-Markt in Heidenau eingebrochen sind. Er wird vorläufig festgenommen und kommt in Untersuchungshaft.

Der Ermittlungsrichterin gegenüber soll der gelernte Elektriker dann auch seine Beteiligung am Einbruch in Heidenau zugegeben haben. Es sei dabei um viel Geld gegangen, soll er zu Protokoll gegeben haben und auch, dass das eine ziemlich große Sache sei und dass er Angst habe.

Jetzt steht Cezary G. vor dem Strafrichter in Pirna und muss sich wegen schweren Bandendiebstahls verantworten. Er gibt sich wortkarg. „Ich gebe es zu“ und „Ich wurde zu dieser Tat gezwungen“, ist alles, was er zu Beginn der Verhandlung sagt. Nur sehr zögerlich erzählt er auf Nachfrage des Gerichts, dass man in der Tatnacht nicht als Bande, also mindestens zu dritt, sondern lediglich zu zweit unterwegs gewesen sei. Den Namen seines Mittäters nennt G. nicht. 

Der Polizei ist dieser aber längst bekannt. Recht klar ist auch, wie sich der Einbruch in das Heidenauer Optikergeschäft abgespielt hat, denn Cezary G. stand seit Längerem unter Beobachtung der bayrischen Polizei. 2017 soll er in München und Bad Abbach an Einbrüchen in fünf Brillengeschäfte beteiligt gewesen sein. An zwei Tatorten in Bayern ist zudem seine DNA gefunden worden. Dort hatte sich der Angeklagte beim Einschlagen der Schaufensterscheiben geschnitten. Via Funkzellenauswertung konnten zwei Telefonnummern festgestellt werden, die zu den fraglichen Zeiten in der Nähe der Tatorte aktiv waren. Eine davon war eindeutig dem Handy des Angeklagten zuzuordnen, das in der Folge weiter überwacht wurde.

So konnte die bayrische Polizei am 23. Februar quasi live mitverfolgen, was in Heidenau passierte. Den Gesprächsmitschnitten zufolge hatte sich der Angeklagte über die Schaufensterscheibe Zutritt zum Geschäft verschafft und die Regale mit den Brillengestellen leergeräumt, während der zweite Mann, etwas Abseits vom Fluchtwagen aus, die Szenerie beobachtete. Weiter hat die Telefonüberwachung ergeben, dass die beiden Täter, nachdem sie vor der Autobahnpolizei geflohen und ihr Auto an einem Rastplatz abgestellt hatten, einen dritten Mann telefonisch kontaktierten, der sie später abholte und zurück nach Polen brachte. 

Damit ist für das Gericht ein bandenmäßiges Vorgehen erwiesen. Im Vergleich zum einfachen Diebstahl wird das deutlich härter bestraft.

Zwei Jahre und zwei Monate Haft lautet schließlich das Urteil des Pirnaer Schöffengerichts. Dabei wird es für den Angeklagten aber nicht bleiben, denn die Taten aus Bayern stehen noch zur Aburteilung aus. Seinen BMW bekommt er ebenfalls nicht zurück. Er gilt als Tatmittel und bliebt eingezogen. Die Brillengestelle konnten an das Optikergeschäft zurückgegeben werden. Damit ist der Schaden für die Apollo-Filiale nicht noch größer als ohnehin schon. Die Kosten für die zerschlagene Schaufensterscheibe belaufen sich auf knapp 1.500 Euro. Den Schaden wegen eines erzwungenen Schließtages beziffert das Geschäft auf rund 3.000 Euro.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

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