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Mit 70 auf Neustart

Als Stadtverordneter hat Heinz Martin vor mehr als 40 Jahren in der Kommunalpolitik begonnen. Ans Aufhören denkt er nicht.

Von Heike Stumpf

Wer möchte nicht manchmal den Startknopf drücken und sich ein paar Jahr(zehnt)e zurückversetzen lassen? Heinz Martin, der heute 70 wird, kann das. Ein großes Wählervotum ermöglicht ihm dorthin zurückzukehren, wo vor mehr als 40 Jahren seine Karriere in der Kommunalpolitik begonnen hat: Er wird Stadtrat. Stadtverordneter, wie es damals hieß, ist er in den 1970er-Jahren bereits gewesen.

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Wieder in den Ratssaal bringt ihn auch eine große Portion Ehrgeiz. Denn mancher „seiner“ Bürger hatte ihm an den Kopf geworfen, dass er seine Gemeinde nach Roßwein verkauft hat. „Das will ich mir nicht nachsagen lassen“, erklärt Heinz Martin, weshalb er sich für die Bürgerwählervereinigung Roßwein-Niederstriegis als Kandidat bereitstellte. „Ich werd den Kritikern zeigen, dass ich niemanden verkauft habe und mich weiterhin für die Ortsteile einsetze.“ Seiner Frau musste er diese Entscheidung schonend beibringen. Sie hätte ihren Mann lieber häufiger daheim gesehen. Denn auch als Ortsvorsteher erfüllte und erfüllt Martin viele Aufgaben. Er sieht sich als Seniorenbeauftragter, nimmt offizielle Termine wahr, ist in Sachen Otzdorfer Damm der Ansprechpartner vor Ort. Dass der Damm repariert wird, ist für ihn zu einer Art Lebensziel geworden. Er selbst misst die Wasserstände in den Kontrollschächten, damit Lösungen gefunden werden, die die Unterlieger schützen.

Heinz Martin hält weiter Kontakt zur Partnergemeinde bei Saarbrücken. Er trifft sich mit Befürwortern und Gegnern des Striegistalradweges, damit es zum Wegebau kommt. Sogar an der Ruine Kempe schaut er selbst nach dem Rechten, wenn das Schloss kaputt ist. Eigentlich wäre das Aufgabe der Eigentümer. Doch die sind weit weg, und Heinz Martin ist vor Ort. Also ist er zur Stelle.

Beruflich gestartet ist der Wahl-Otzdorfer als Ofensetzer und Fliesenleger in der PGH Ausbau in Roßwein. Eigentlich wollte er Heizungs- und Lüftungstechnik an der Ingenieurschule studieren. Doch Russisch, das er dafür gebraucht hätte, war nicht sein Ding. Und so suchte er sich einen Studiengang, für den er diese Fremdsprache nicht brauchte: Staat und Recht.

Am 1. Mai 1975 wird Heinz Martin Bürgermeister in Littdorf. Dem geht ein Praktikum bei seinem späteren Vorgänger Aloysius Zint in Niederstriegis voraus. Ab 2001 ist er „nur“ noch ehrenamtlicher Bürgermeister von Niederstriegis, mit der Angliederung an Roßwein zum 1. Januar 2013 geht Martin als damals dienstältester Bürgermeister in Sachsen in den Ruhestand.

37 Jahre stand er immer vorn an, zwölf davon hat Edeltraud Hannß an der Seite von Heinz Martin gearbeitet. Sie schätzt an ihrem früheren Chef, „dass er immer Mensch geblieben ist. Er hat nahezu alles möglich gemacht und war für jeden Spaß zu haben“, sagt sie.

Den Abwasserzweckverband (AZV) steuerte Heinz Martin als langjähriger Vorsitzender auch durch turbulente Zeiten. „Gerade am Anfang, als das Abwasser für viele Leute noch ein Teufelszeug gewesen ist, war es schwer. Trotzdem haben wir gut zusammengearbeitet“, findet Armin Zill, damaliger Vize im AZV und als Bürgermeister von Tiefenbach Amtskollege.

Der heutige Roßweiner Bürgermeister hat Heinz Martin im Jugendclub Roßwein kennengelernt. „Der sollte gerade an die Jugend übergeben werden, das war meine Generation“, erzählt Veit Lindner. Für ihn ist Heinz Martin ein guter und loyaler Freund geworden, den er für seine Offenheit und Ehrlichkeit genauso schätzt, wie für seine ausgeglichene, mitreißende Art. „Mit seinen Erfahrungen hat er mir häufig die richtigen Antworten auf meine Fragen geben können. Seine Tipps nehme ich gern an“, sagt Lindner, der einer der jüngeren Rathauschefs im Altkreis Döbeln ist.