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Mit 80 Lenzen noch lange kein altes Eisen

Der Pirnaer Posaunenchor St. Marien besteht seit 80 Jahren. Das stolze Jubiläum wird diesesWochenende gefeiert.

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Von Katarina Lange

Trotz seiner langen Tradition ist er noch lange nicht aus der Puste – der Posaunenchor der Pirnaer St. Marienkirche. Das Bläserensemble feiert dieses Wochenende sein 80-jähriges Bestehen. Für den Leiter des Chores, Thomas Albrecht, bedeutet das einen vollen Terminkalender, denn zu dem runden Geburtstag sind Bläserinnen und Bläser des Partnerchores aus Emden angereist.

Seit 1925 begleitet der Posaunenchor das Leben der Pirnaer Kirchgemeinde. Damals unter dem Namen „Christlicher Verein junger Männer“. „Leider ist aus dieser Zeit nicht viel bekannt“, erzählt Thomas Albrecht. Erst nach dem Zweiten Weltkrieges gewann der Bläserchor an Bedeutung. Einen Großteil dazu haben die ehemaligen Pfarrer Wagner und Flade beigetragen. Sie führten das Turmblasen von der St. Marienkirche wieder ein. „In Pirna hat das eine sehr lange Tradition“, weiß Albrecht. Bereits seit 1545 wird festliche Bläsermusik vom Balkon des Kirchturmes gespielt.

Und auch heute noch klingen einmal pro Woche Turmmusiken in die historische Altstadt hinunter. Jeden Sonnabend steht der Posaunenchor kurz nach 18 Uhr auf dem Balkon des Kirchturmes, um nach dem letzten Glockenschlag das eine oder andere Stück zu spielen. „Da wir meist am Wochenende auftreten, müssen die Familien unserer Bläser oft Abstriche machen. Weil das nicht immer einfach ist, ziehe ich vor allen den Hut“, sagt der Chorleiter stolz.

Nachwuchs frischt Reihen auf

Insgesamt 23 Mitglieder zählt der Posaunenchor heute. Etwa die Hälfte der Musiker ist schon über 50 Jahre dabei. Neben dem „alten Stamm“ bringen aber auch einige junge Leute frischen Wind in die Bläsergruppe. „Im Moment haben wir drei Jugendliche in der Anfängerausbildung“, sagt Albrecht. Ob sie auf Dauer einen festen Platz im Ensemble einnehmen werden steht allerdings noch nicht fest. Viele von ihnen müssen aufgrund des Studiums oder der Ausbildung später wegziehen und ihr Hobby zwangsweise aufgeben. „Ob der Posaunenchor noch eine Zukunft hat, wird sich in den nächsten zehn Jahren entscheiden“, erklärt der Pirnaer.

Rund 120 Auftritte absolviert das Bläserensemble pro Jahr. Neben den traditionellen Gottesdiensten gestalten die Musiker auch Beerdigungen und städtische Veranstaltungen aus. Besonders in der Weihnachtszeit und jetzt, im Frühling, ist der Posaunenchor gefragt. Den Bläsern liegen dabei besonders die alten Turmmusiken am Herzen. „Sie gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück“, weiß Thomas Albrecht.

Stolz ist er auch auf die Instrumente, die aus der Gründungszeit des Posaunenchores stammen. Einige lassen sich sogar heute noch problemlos spielen. Da für ein neues Instrument teilweise mehrere tausend Euro auf den Tisch gelegt werden müssen, greift der Chor manchmal auf die alten Modelle zurück. „Weil wir keine großen Einnahmen haben und auf Spenden und Fördermittel angewiesen sind, muss eine Neuanschaffung immer gut überlegt sein“, sagt Albrecht.

Als begeisterter Hornist gehört der Pirnaer seit genau 25 Jahren zum Chor dazu. 1988 übernahm Thomas Albrecht dessen Leitung. In dieser Zeit entstand auch der erste Kontakt zum Partnerchor im Emden, der dieses Wochenende nach Pirna gereist ist. „Im Herbst 1989 war er das erste Mal hier zu Besuch“, erinnert sich der Chorleiter. Seitdem besuchen sich die Musiker jedes Jahr zu Himmelfahrt gegenseitig. Den Gottesdienst in der Marienkirche am Sonntag, 9.30 Uhr, werden beide Posaunenchöre gestalten.