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Mit Armbrust und Vorderlader

Klingenberg. Die beiden Schützenvereine desOrtes feiern ihren 10. Geburtstag mit einemgroßen Fest.

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Von Karin Grießbach

Gleich zwei Schützenvereine kann die nur rund 1 100 Köpfe zählende Gemeinde Klingenberg ihr eigen nennen. Während der Pfeil beim Schützenbund Sankt Sebastian lautlos sein Ziel trifft, sind die Geschosse, die die Mitglieder der 1. Schützengesellschaft 1995 Klingenberg/Sachsen abfeuern, nicht zu überhören.

Erst nach längerem Suchen fanden die 43 Mitglieder des Schützenbundes im Ort in einer alten Getreidehalle der VEAB die notwendigen Voraussetzungen für ihr ungewöhnliches Hobby.

Pfeil kann Bären töten

Aus 40 Meter Entfernung wird mit einer Sportarmbrust auf eine nur 40 Zentimeter große Scheibe geschossen. Etwa 75 Kilogramm Zugkraft müssen überwunden werden, um das Sportgerät zu spannen. „Da lassen wir uns von unseren Männern helfen“, sagt Dagmar Berndt, eine der 18 Frauen im Verein. „Einiges Kopfzerbrechen bereitete uns das Fangen der Geschosse, ohne die ziemlich teuren Pfeile zu zerbrechen“, beschreibt Vereinsvorsitzender Falk Morgenstern anfängliche Schwierigkeiten. Mit ausgedienten Matratzen wurde dieses Problem schließlich gelöst. „Die Durchschlagskraft der kleinen Pfeile ist größer als die bei einer Pistole und kann sogar Bären töten“, fügt Vereins-Kollege Werner Genesener hinzu.

Die Schützengesellschaft hat sich zum Training bei einem befreundeten Verein in Brand-Erbisdorf eingemietet. Auch wenn sie sich am 14. Dezember 1995 wieder neu gegründet haben, können die 25 Männer und zwei Frauen eigentlich schon auf eine sehr lange Tradition zurückblicken. Bereits 1902 gab es in Klingenberg einen Königlich-Sächsischen Militärverein, der Schießübungen abhielt und als dessen Nachfolger man sich betrachtet.

Für die Mitglieder ist deshalb die Pflege von Brauchtum und Geselligkeit wichtiger als die Erzielung sportlicher Höchstleistungen. So beteiligen sie sich in jedem Jahr an zahlreichen Festumzügen, Dorf- und Schützenfesten und waren auch schon beim Tag der Sachsen dabei. Für Aufsehen sorgen dann besonders die vereinseigene Böllerkanone und der mobile Luftgewehr-Schießstand, mit dem auch Anfänger den Gebrauch einer Waffe üben können.

Im Gegensatz zu den Kollegen vom Schützenbund, die moderne Sportwaffen benutzen, sind die Pistolen und Gewehre meist Nachbauten historischer Vorbilder, waffenscheinpflichtig und ihre Benutzung unterliegt strengen Vorschriften. Das macht dieses Hobby zu einem doch recht teuren Vergnügen. Vielleicht hat der Verein auch deshalb paar Nachwuchssorgen.

Lange Vorbereitung für Feier

Die Klingenberger Schützen sind keine Freunde von Hau-Ruck-Aktionen. Schon gar nicht, wenn sich der Tag ihrer Gründung zum zehnten Mal jährt. Seit Sommer 2003 trifft sich ein sechsköpfiges Vorbereitungskomitee beider Vereine regelmäßig. Eine große Geburtstagsparty soll es im Rahmen des Dorffestes in diesem Sommer vom 24. bis 26. Juni geben. Dazu haben sich die Klingenberger viele Gäste eingeladen.

Im geplanten Umzug am 25. Juni sorgen nicht nur befreundete Schützenvereine sondern auch Bergleute von der Gewerkschaft Aurora Erbstolln aus Dorfhain in ihrem vom historischen Habit und der Karnevalsverein von Pretzschendorf für Abwechslung. Wie jedes Jahr zum Dorffest können Hobbyritter in der Turnhalle den richtigen Gebrauch einer Armbrust üben und am mobilen Luftgewehr-Schießstand werden Kugeln durch die Luft pfeifen.