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Hoyerswerda

Aushänge und Kreativität gegen den Ausfall

Hoyerswerdas Schulen sind geschlossen und versuchen dennoch, ihren Schülern bestmöglich zur Seite zu stehen.

Gar nicht zu übersehen sind am Eingangsbereich der Grundschule „An der Elster“ in Hoyerswerda die Aushänge für Schüler und Eltern.
Gar nicht zu übersehen sind am Eingangsbereich der Grundschule „An der Elster“ in Hoyerswerda die Aushänge für Schüler und Eltern. © Foto: Mirko Kolodziej

Von Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Ende letzter Woche wurde durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus bekannt, dass dieses Schuljahr nicht wie geplant weitergeführt werden kann. Ab Montag dieser Woche wurde, mittels eines Erlasses, eine unterrichtsfreie Zeit angeordnet. Die Schulschließungen folgten durch eine Allgemeinverfügung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ab heute findet in den Schulen lediglich eine Notbetreuung statt, die es Eltern erlaubt, weiterhin ihrer Arbeit nachzugehen, wenn sie in Sektoren der sogenannten „kritischen Infrastruktur“ arbeiten. All diese Entwicklungen stellen Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleiter vor neue Herausforderungen, wie sie keiner bisher bewältigen musste.

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Ein Plan für die Krisensituation

Die Stadt Hoyerswerda ist Träger von insgesamt vier Grundschulen, zwei Oberschulen und zwei Gymnasien. All diese Institutionen sowie andere Einrichtungen wie das kreisliche Berufsschulzentrum mussten innerhalb weniger Tage reagieren und einen Plan für diese Krisensituation schaffen. Besonders glücklich ist Romy Stötzner darüber, dass sie gleich mit dem Antritt der Stelle als Schulleiterin der Oberschule „Am Planetarium“ einen Schritt in Richtung Digitalisierung unternommen hat. Heute profitiert sie davon, schon vor etwa einem halben Jahr eine „Schulcloud“ aufgebaut und eingerichtet zu haben. Diese Plattform bietet einerseits die Möglichkeit, dass Schüler Aufgaben ihrer Fachlehrer abrufen. Andererseits können die Lehrer in einen Austausch mit den Schülern treten. Dabei ist die gesamte Kommunikation datenschutzkonform. Den Zugang erhalten die Schüler nach dem Einverständnis der Eltern. Des Weiteren nutzt die Schule klassische Aushänge am Schulgebäude in der Collinsstraße und einen verschlüsselten Bereich auf der Homepage der Schule, um alle Schüler mit Aufgaben für die nun unterrichtsfreie Zeit zu versorgen. Der Organisationsaufwand im Hintergrund ist entsprechend groß. Damit dem Abschluss nichts im Weg steht, werden vorrangig die Abschlussklassen mit Lerninhalten von den Fachlehrern versorgt. Diese organisieren sich in Gruppen und leisten die nötige Zuarbeit, damit alle Kanäle gepflegt sind.

Eine ähnliche Vorgehensweise gibt es am Léon-Foucault-Gymnasium. Dort wird den Schülern der Zugang zu Lernmaterialien über die persönliche Schul-E-Mail ermöglicht. Während der Öffnungszeiten an den vergangenen zwei Tagen wurde Schülern empfohlen, wie an den meisten anderen Schulen auch, Lehrbücher und weitere Materialien neben Sportsachen abzuholen. Die Leerung der Schließfächer hilft dabei, dass die Schüler alles Nötige für die Dauer der Schulschließung zu Hause haben.

Das Benefizkonzert muss ausfallen

Das Lessing-Gymnasium verfährt ähnlich. Hier werden bereits bestehende Kommunikationswege vermehrt genutzt, um den Austausch zwischen Schülern und Lehrern bei der Bearbeitung der Aufgaben zu ermöglichen. Bereits mit der Schließung der Kultureinrichtungen in Hoyerswerda stand fest, dass das traditionelle Benefizkonzert der Schule in diesem Jahr ausfallen muss. Seit Jahren ist es ein Höhepunkt im Schuljahr, wenn sich sämtliche Chöre präsentieren. Schon lange wurde mit Blick auf die diesjährige Ausgabe geprobt.

Die Ausbildung geht weiter

Das Berufliche Schulzentrum „Konrad Zuse“ hatte laut eigenen Angaben keinen einzigen Schüler zu betreuen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass entweder die meisten Schüler bereits volljährig oder in einem Alter sind, das Selbstständigkeit bedeutet. Für die kommende Zeit werden ebenfalls die entsprechenden Fachlehrer Materialien für ihre Schüler zusammenstellen und verbreiten. Eine Besonderheit ist, dass alle Berufsschüler in der Zeit der Schulschließung ihre Ausbildung in den Unternehmen weiterführen, wie es sonst nur in der Praxisphase üblich ist.

Die Grundschulen waren in den letzten Tagen ebenfalls besonders gefordert. Denn während der Schulschließung muss die erwähnte Notbetreuung für die Klassen 1 bis 4 sichergestellt sein. Aussagen darüber, wie viele Eltern dies für ihre Kinder in Anspruch nehmen müssen, lassen sich noch keine treffen. Vermehrt heißt es, dass lediglich von Tag zu Tag geplant wird. Die sogenannte Notbetreuung ist nur auf Antrag möglich und benötigt einen Nachweis des Arbeitgebers. Wie viele Grundschüler bisher betreut werden mussten, lässt sich nur schwer sagen, da die Zuständigen auf höhere Stellen verweisen. Dennoch laufe bisher alles reibungslos, und die Übergaben an den Hort funktionieren ebenfalls ohne Probleme, wie Michaela Klaua, Rektorin der Grundschule „Am Park“ in Hoyerswerda, wissen lässt. Bereits am Montag waren die ersten Aufgaben an der Grundschule „An der Elster“ als Aushang veröffentlicht. Schulleiter Torsten Kilz kündigt auf der Homepage der Schule an, diese wöchentlich zu aktualisieren. Neben dem Aushang gibt es die Option der Online-Abfrage. Eine Festigung und Wiederholung wird damit angestrebt. Im Lehrplan wird ein Stopp eingelegt, um niemanden abzuhängen.

Anruf oder Videobotschaft

Gänzlich neu sieht seit dieser Woche der Unterricht in der Musik- und Kunstschule Bischof aus. Leiter André Bischof versucht es mit „Fernunterricht“. Die Lehrer sind zu den gewöhnlichen Unterrichtszeiten für die Schüler erreichbar. Ganz egal, ob die Kommunikation dabei über einen Anruf oder Videobotschaft erfolgt. Die Reaktionen der Eltern sind positiv ausgefallen. Derzeit unterrichten neun Lehrkräfte in Bereichen wie Gesang, Schauspiel und Instrumentalunterricht. Letzteres bietet sich durchaus für den „Fernunterricht“ an, wie Andre Bischof erklärt. Bei einem Anruf lässt sich der aktuelle Stand gut ermitteln. Zudem können sich Lehrer und Schüler gegenseitig vorspielen. „Der Kontakt ist gut, denn es ist jemand da und man lässt das Ganze nicht schleifen.“ Die Lehrer verbrachten ihre Unterrichtszeit in den letzten Tagen in der Schule und das sollte auch so lange wie möglich so bleiben. Wie sich die Zukunft gestaltet, ist ungewiss, aber André Bischof weiß: „Es ist eine schwierige Zeit und da ist nun mal Kreativität gefragt“.