SZ +
Merken

Mit blauem Auge davongekommen

Drei Jugendliche wurden wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Zeichen angeklagt, das Verfahren wird aber gegen Auflagen eingestellt.

Teilen
Folgen

Von Adolf Heger

In den Nachtstunden des 19. August vergangenen Jahres hatten Anwohner des Penny-Marktes in Schmiedeberg wegen Ruhestörung die Polizei alarmiert. Von einer Wohnung sollen Knallkörper auf den Balkon einer Nachbarwohnung geworfen worden sein. Und in der Wohnung sei die – teils ausländerfeindliche – Musik weit über der Zimmerlautstärke zu hören gewesen. So berichtete jetzt ein Zeuge, der das Ganze aus einer gegenüberliegenden Wohnung beobachtet hatte.

Als die Polizei eintraf, war der Spuk offenbar vorbei. Drei junge Leute, die jetzt Angeklagten, seien weggefahren, aber kurz danach zurückgekehrt. Dabei hätten sie aus dem Auto laut den Hitler-Gruß gerufen. Juristisch wird das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen genannt. Deswegen hatten sich die drei, ein Heranwachsender und zwei Jugendliche im Alter zwischen 17 und 19 Jahren aus Altenberg und Umgebung, jetzt vor dem Jugendrichter zu verantworten.

Sie wollten zwar alle drei aussagen, herausgekommen ist aber so gut wie nichts: Der Älteste von ihnen hätte an diesem Abend schon einen Kasten Bier intus gehabt, könne sich deshalb an nichts mehr erinnern. Der Mittlere habe als Kraftfahrer zwar überhaupt nichts getrunken und konnte sich auch an Details erinnern, aber von der eigentlichen Straftat wisse er überhaupt nichts. Und der Heranwachsende tat es seinem älteren Kumpel gleich. Bei ihm seien es „zwar nur sechs bis sieben Flaschen Bier“ gewesen, aber an die Straftat könne er sich auch nicht mehr erinnern.

Arbeitsstunden angeordnet

Zweimal gab der Richter den Angeklagten zusammen mit dem Vater des Heranwachsenden und der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe eine Denkpause, in der sie sich alles noch einmal überlegen sollten. Aber keiner war bereit, ein Geständnis abzulegen.

Ob die Aussetzung des Verfahrens und das Anhören eines weiteren Zeugen, den der Jugendrichter bereits ins Auge gefasst hatte, zu neuen Erkenntnissen und verwertbaren Aussagen geführt hätte, sei dahingestellt. Der Kronzeuge hatte zwar den Ruf aus dem Auto, klar und deutlich vernommen, konnte ihn aber vor Gericht keinem der drei Angeklagten eindeutig zuordnen. So war es mehr oder weniger eine salomonische Entscheidung, dass der Richter im Einvernehmen mit dem Staatsanwalt das Verfahren gegen die drei jungen Leute mit Auflagen vorläufig einstellte.

Die beiden Jüngeren, die derzeit eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker bzw. Maurer absolvieren, haben innerhalb der nächsten drei Monate je 20 Arbeitsstunden zu leisten. Der Älteste der Angeklagten, der bereits vorbestraft ist, keine Berufsausbildung abgeschlossen hat und jetzt bei der Bundeswehr seinen Dienst verrichtet, muss 100 Euro in drei Raten an den Kinderschutzbund des Weißeritzkreises zahlen. Sind diese Auflagen erfüllt, wird das Verfahren endgültig eingestellt.