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Mit Corona-Trick Großenhainer abgezockt?

Ein übles Gerücht macht die Runde: Mitarbeiter des Ordnungsamtes würden in Läden kontrollieren, ob die Kunden Mundschutz tragen. Und abkassieren.

Wabert es nur von Mund zu Mund oder ist am Gerücht etwas dran: Betrüger sollen in Großenhainer Läden gehen und bei Nichteinhaltung der Mundschutzpflicht Geld verlangen.
Wabert es nur von Mund zu Mund oder ist am Gerücht etwas dran: Betrüger sollen in Großenhainer Läden gehen und bei Nichteinhaltung der Mundschutzpflicht Geld verlangen. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Eigentlich wissen es alle. Schon längst und vor allem ganz genau. Die Kollegin hat es von ihrer Tochter erfahren und die hat es von einem Besuch bei ihrer Ärztin mitgebracht. Zu Birgit Wiesner vom Großenhainer Kultladen Kirst & Co ist es freilich schon längst vorgedrungen, und schließlich ließ es auch einer Großenhainer Rentnerin wohl keine Ruhe mehr.

Die 73-Jährige, welche ihren Namen in der Zeitung lieber nicht lesen will - irgend ein krummer Hund könne ihr  ja auf die Spur kommen - fasste sich ein Herz und rief am Mittwochnachmittag in der Lokalredaktion an. "Können Sie mir sagen, wie es bitteschön sein kann, dass die Leute von der Stadt unsere Ladenbesitzer jetzt abkassieren", will die ältere Dame aufgebracht wissen. Gerade heute wäre sie wieder einkaufen gewesen, was in Corona-Zeiten wie diesen wahrlich nicht gerade leicht falle, da man immer einen Korb nehmen und vor allem einen Mundschutz tragen müsse. 

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Einen Mundschutz, wie sie ihn sich als ehemalige Schneiderin gleich selbst in mehreren Variationen genäht habe und der gewissermaßen auch ein ganz wichtiger Teil dessen sei, worum es nun eigentlich ginge. Immerhin sei ihr nämlich zu Ohren gekommen, was sich tatsächlich als hartnäckiges Gerücht in der Röderstadt hält. "Offenbar gehen die Ordnungshüter der Verwaltung in unsere Geschäfte und machen Kontrollen, ob dort Kunden ohne so einen Mundschutz im Gesicht nicht doch bedient werden. Eine Bekannte hat es mir erzählt! Sie hat selbst bei Fleischer Gawalski am Frauenmarkt eingekauft und da ist es passiert", berichtet die Anruferin. Der stadtbekannte Unternehmer hätte einiges Strafgeld zahlen müssen, weil seine Verkäuferin doch netterweise jemanden bedient habe, der ohne Mundschutz vor der Ladentafel stand. Allerdings: Sie habe es eben auch nur gehört, und mehr wüsste sie nicht. Fest stehe jedoch - dran sei ganz bestimmt etwas an der Geschichte.

Eine Geschichte, die tatsächlich die Runde macht. Im Friseursalon, beim Gemüsehändler an der Ecke, in der Kirchenbank und eben auch im beliebten Einkaufsladen Kirst & Co wird darüber geschwatzt. Längst sei nicht nur der namhafte Fleischermeister davon betroffen. Nein, auch andere Geschäftsinhaber wären von der Stadtverwaltung - oder vielleicht auch von jenen, die sich nur dafür ausgegeben haben - abgezockt worden. Eine Frau wäre in den Laden gekommen - so wird gemunkelt - habe ihren Mundschutz aufgrund einer chronischen Luftbeschwerde nach unten gezogen, und als die Angestellte mitleidig meinte, sie solle eben die Bedeckung von Nase und Mund unten lassen, wäre die heimtückische Falle zugeschnappt.

Im Nachhinein habe sich die vermeintliche Kundin als Mitarbeiterin des Ordnungsamtes vorgestellt und ein Bußgeld erhoben. So oder jedenfalls so ähnlich solle es sich zugetragen haben. Doch - Genaues weiß man eben nicht. "Ja, ich habe das auch gehört, was da die Runde macht! Ich kann aber versichern, dass bei uns weder solche Art von Kontrollen durchgeführt worden sind, noch, dass mir irgend ein anderer Ladeninhaber von derartigen Vorfällen etwas berichtet hat", erklärt Verkäuferin Birgit Wiesner am Donnerstag auf SZ-Anfrage.

 Abgesehen davon, dass nun mal seit geraumer Zeit bekannt sei, dass beim Betreten eines Geschäfts ein Mundschutz getragen werden muss und auch auf Einhaltung dieser Verordnung geachtet wird, sei sie nicht zuletzt in ihrer Eigenschaft als Stadträtin aktiv geworden. "Ich habe sofort mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen, und dort wurde mir eindeutig bestätigt, dass keine etwaigen Überprüfungen veranlasst worden sind", gibt Birgit Wiesner zu bedenken. Wenn dem wirklich so sei, müsse davon ausgegangen werden, dass es sich um Betrüger handle, die sich als Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes ausgeben.

Eine Möglichkeit, die auch der betroffene Geschäftsbereich um seinen Leiter Matthias Schmieder schon in Erwägung gezogen hat. Geradezu unverschämt sei, was den Bediensteten da an Heimtücke und Vorsatz unterstellt werde. Man habe mit zahlreichen Händlern gesprochen, doch keiner habe ein solches Erlebnis zum Besten geben können. Bekannt sei ihnen nur das Gerücht, es wäre schon mehrfach vorgekommen. Aber wo und bei wem, könne letztlich keiner sagen. "Ich kann nur noch einmal hervorheben, dass weder das Ordnungsamt noch die Polizei in dieser Weise vorgehen! Zudem könnten sich Mitarbeiter der Stadt Großenhain in jedem Fall bei stichpunktartigen Kontrollen ausweisen. Auch ein Bußgeld wird - sollte dies überhaupt vorkommen - bei keinem Vorgang ohne einen Beleg ausgestellt", erinnert Diana Schulze.

Wie die Rathaussprecherin betont, bitte die Verwaltung dennoch, wachsam zu sein und etwaigen Trickbetrügern die Arbeit zu erschweren. Wer aufgrund eines fehlenden Mund-Nasen-Schutzes plötzlich zur Kasse gebeten werde, solle vom geschäftstüchtigen Gegenüber immer einen Dienstausweis verlangen. Auch eine sofortige Nachfrage beim Bereich für Stadtkultur und Ordnung (03522 304128) könne noch im Moment ermitteln, ob es sich um einen Mitarbeiter der Großenhainer Stadtverwaltung handelt - oder eben nicht.

Ein Gespräch, das erfahrungsgemäß besser ist, als jegliches Spekulieren. Der benannte  Fleischer Ralf Gawalski antwortet zumindest ohne Umschweife: Nein, in keinem der Filialen sei das vorgekommen, worüber nicht nur die Rentnerin, ihre Bekannte und ganz viele andere Großenhainer doch scheinbar genau Bescheid wissen. Und so ist es auch hier, wie im wahren Leben. Entscheidend ist, was am Ende rauskommt. Bei Gawalskis wohlschmeckender Leberwurst, aber auch all den Zutaten, die der Alltag so zusammenwürfelt. 

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